1. Selbstakzeptanz zwischen Emotionsregulation und Bewältigungsstrategien

Warum wir Gefühle nicht besiegen können – die neue Wissenschaft des Umgangs mit sich selbst: Die funktionale Kette innerer Stärke – Selbstakzeptanz, Emotionsregulation und Bewältigung

Lesedauer: ca. 35 min.

Autor: Dr. Bannwolf Research Team unter der Leitung von Dr. Michael Bannwolf, MBA, 2x M. Sc., HP Psych, DOSB-Trainer-A

Zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert am 01.08.2026

Zusammenfassung

Selbstakzeptanz, Emotionsregulation und Bewältigungsstrategien werden im deutschsprachigen Ratgeberraum als drei getrennte Themen behandelt: von drei verschiedenen Anbietertypen, mit drei verschiedenen Übungslisten und fast durchgängig ohne Belege. Die klinische Psychologie zeichnet ein anderes Bild: Die drei Konzepte bilden eine funktionale Kette. Wie Menschen zu sich selbst stehen, entscheidet mit darüber, welche Gefühle überhaupt entstehen; wie sie diese Gefühle regulieren, entscheidet mit darüber, welche Bewältigung ihnen offensteht. Der vorliegende Beitrag arbeitet diese Kette entlang der Forschung auf. Er klärt zunächst die Begriffe und ihre Abgrenzung vom Selbstwertgefühl, dessen Verfolgung dokumentierte Kosten hat, referiert die Befundlage zu Selbstakzeptanz und Selbstmitgefühl einschließlich der einschlägigen Metaanalysen und stellt anschließend das Prozessmodell der Emotionsregulation samt Wirksamkeitshierarchie der Strategien vor. Ein eigenes Kapitel entwickelt die verbindende Mechanik: Nichtakzeptanz erzeugt sekundäre Emotionen und erzwingt Vermeidung. Akzeptanz erweist sich experimentell als vollwertige Regulationsstrategie. Auf dieser Grundlage bilanziert der Beitrag die Evidenz akzeptanzbasierter Verfahren, stellt mit dem Training emotionaler Kompetenzen und den Fertigkeiten der Dialektisch-Behavioralen Therapie zwei im Ratgeberraum praktisch unsichtbare, evidenzbasierte Programme vor und leitet forschungsgedeckte Alltagsprinzipien ab. Ein Grenzkapitel markiert, wann Selbsthilfe endet und Behandlung beginnt. Sämtliche Aussagen sind im Fließtext belegt.

Schlüsselwörter

Selbstakzeptanz · Selbstannahme · Selbstmitgefühl · Emotionsregulation · Bewältigungsstrategien · Coping · Akzeptanz · Erlebnisvermeidung · Grübeln · emotionale Kompetenzen

Abstract

In German-language self-help media, self-acceptance, emotion regulation, and coping strategies are treated as three separate topics — by three different provider types, with three different exercise lists, and almost invariably without references. Clinical psychology draws a different picture: the three concepts form a functional chain. How people relate to themselves co-determines which emotions arise in the first place; how they regulate these emotions co-determines which forms of coping remain available to them. This article reviews that chain along the research. It first clarifies the concepts and their distinction from self-esteem, the pursuit of which has documented costs; reviews the evidence on self-acceptance and self-compassion, including the relevant meta-analyses; and then presents the process model of emotion regulation together with the effectiveness hierarchy of strategies. A dedicated chapter develops the connecting mechanism: non-acceptance generates secondary emotions and enforces avoidance — whereas acceptance proves, experimentally, to be a fully fledged regulation strategy. On this basis, the article reviews the evidence for acceptance-based interventions, introduces two evidence-based programs that are practically invisible in the self-help space — Affect Regulation Training and the skills modules of Dialectical Behavior Therapy — and derives research-based principles for everyday life. A boundary chapter marks where self-help ends and treatment begins. All claims are referenced in the main text.

Keywords

self-acceptance · self-compassion · emotion regulation · coping strategies · acceptance · experiential avoidance · rumination · emotional competencies

1. Drei Silos, ein Zusammenhang: worum es geht

Wer im deutschsprachigen Netz nach diesen drei Begriffen sucht, landet in drei verschiedenen Welten. Selbstakzeptanz gehört den Lebenshilfe-Portalen und wird in Übungslisten verhandelt mit acht Übungen hier, dreizehn Tipps dort. Emotionsregulation gehört den Lexika und den Kliniken und bleibt dort meist bei der Definition stehen. Bewältigungsstrategien gehören den Krankenkassen-Magazinen und dem Stresskapitel. Dass die drei Themen von drei verschiedenen Anbietertypen bespielt werden, hat Folgen für den Inhalt: Kaum eine dieser Quellen zitiert Forschung, fast keine nennt Größenordnungen der Wirkung, und keine einzige erklärt, wie die drei Konzepte zusammenhängen, obwohl genau dieser Zusammenhang zu den besser untersuchten Gegenständen der klinischen Psychologie gehört.

Dabei ist die Kette einfacher zu skizzieren, als der Fachjargon vermuten lässt. Am Anfang steht eine Haltung: wie ein Mensch zu sich selbst steht, wenn er an sich scheitert, leidet oder zweifelt. Diese Haltung entscheidet mit darüber, was auf ein schwieriges Gefühl folgt. Ob es bleibt, was es ist oder ob sich eine zweite Schicht darüberlegt: Ärger über die eigene Angst, Scham über die eigene Traurigkeit, Enttäuschung über die eigene Enttäuschung. Auf diese Gefühlslage antwortet die Emotionsregulation als die Gesamtheit der Prozesse, mit denen Menschen beeinflussen, welche Emotionen sie haben, wann sie sie haben und wie sie sie erleben und ausdrücken. Und auf die Anforderungen der Situation antwortet schließlich die Bewältigung: das, was ein Mensch denkt und tut, um mit einer Belastung umzugehen, die seine Ressourcen beansprucht oder übersteigt. Selbstakzeptanz steht damit nicht neben Emotionsregulation und Bewältigungsstrategien, sondern als Bedingung, die beides leichter oder schwerer macht zwischen ihnen. Der vorliegende Beitrag arbeitet diesen Zusammenhang entlang der Forschung auf. Der Weg: Kapitel 2 und 3 klären, was Selbstakzeptanz und Selbstmitgefühl sind und warum beide etwas anderes leisten als das vielbeschworene Selbstwertgefühl. Kapitel 4 und 5 stellen das Prozessmodell der Emotionsregulation und die Wirksamkeitshierarchie seiner Strategien vor. Kapitel 6 zeigt, warum keine Strategie für sich genommen gut oder schlecht ist. Kapitel 7 ordnet den Bewältigungsbegriff, Kapitel 8 entwickelt die verbindende Mechanik der drei Konzepte. Kapitel 9 bis 11 bilanzieren die Interventionsforschung von den akzeptanzbasierten Verfahren über das Selbstmitgefühlstraining bis zu zwei evidenzbasierten Programmen, die im deutschen Ratgeberraum praktisch unsichtbar sind. Kapitel 12 leitet Alltagsprinzipien ab, Kapitel 13 markiert die Grenze zur Behandlungsbedürftigkeit, Kapitel 14 zieht Bilanz, Kapitel 15 beantwortet häufige Fragen. Jedes Kapitel steht für sich.

2. Selbstakzeptanz: ein Begriff mit klinischer Substanz

Selbstakzeptanz bezeichnet die Bereitschaft, sich selbst als Person mit Stärken, Schwächen und Geschichte anzunehmen, ohne den eigenen Wert von Leistungen, Urteilen anderer oder einzelnen Eigenschaften abhängig zu machen. Sie ist kein positives Selbstbild, sondern der Verzicht auf globale Selbstverurteilung: Verhalten darf bewertet werden, die Person als Ganzes nicht.

Der Begriff hat zwei klassische Wurzeln, die beide bis heute tragen. Die erste liegt in der Gesprächspsychotherapie: Carl Rogers beschrieb, wie Menschen im Laufe ihrer Entwicklung „Bedingungen des Selbstwerts” verinnerlichen und die Erfahrung, nur dann wertvoll zu sein, wenn sie bestimmten Erwartungen genügen. Aus dieser Koppelung entsteht nach Rogers die Kluft zwischen dem, was ein Mensch erlebt und dem, was er sich einzugestehen erlaubt. Bbedingungslose Wertschätzung ist in seiner Theorie die Bedingung, unter der sich diese Kluft schließt (Rogers, 1959). Berühmt geworden ist seine Beobachtung aus der therapeutischen Arbeit, die als das Veränderungsparadox in die Literatur eingegangen ist: Erst wer sich annimmt, wie er ist, kann sich verändern (Rogers, 1961). Die zweite Wurzel liegt in der kognitiven Verhaltenstherapie: Albert Ellis machte die „bedingungslose Selbstakzeptanz” zum expliziten Therapieziel und stellte sie der globalen Selbstbewertung entgegen als Gewohnheit, aus einzelnen Fehlern ein Gesamturteil über die eigene Person zu machen (Ellis & Grieger, 1977). In seinem Spätwerk spitzte er die Position zu: Nicht ein zu niedriger Selbstwert sei das Kernproblem, sondern das Bewertungsspiel selbst. Die Praxis, den eigenen Wert überhaupt an Bedingungen zu knüpfen (Ellis, 2005).

Wie solche Bedingungen des Selbstwerts im Alltag aussehen, kennt fast jeder Mensch aus eigener Anschauung, ohne das Vokabular dafür zu besitzen: Ich bin in Ordnung, solange ich leiste. Solange ich gebraucht werde. Solange niemand enttäuscht ist. Solange ich es allein schaffe. Solche Klauseln sind selten ausgesprochen und fast nie selbst gewählt. Sie sind biografische Mitbringsel und sie arbeiten am zuverlässigsten dort, wo sie unbemerkt bleiben. Ihre Wirkung lässt sich daran erkennen, was ein Misserfolg auslöst: Wo eine Klausel regiert, steht nach einem Fehler nicht die Frage im Raum, was zu korrigieren ist, sondern die Frage, was dieser Fehler über die eigene Person beweist. Die Forschung zur bedingungslosen Selbstakzeptanz operationalisiert genau diesen Unterschied. Gemessen wird nicht, wie positiv jemand über sich denkt, sondern wie unabhängig das Selbstverhältnis von Erfolgen, Vergleichen und fremden Urteilen bleibt. Das ist auch der Grund, warum Selbstakzeptanz mit nüchterner Selbsteinschätzung einhergeht statt mit Schönfärberei: Wer nicht um den eigenen Wert verhandelt, kann sich Fehler leisten und sie deshalb sehen.

Dass diese Haltung mehr ist als therapeutische Poesie, zeigt die Vermessung des Wohlbefindens. In Carol Ryffs einflussreichem Modell psychischer Gesundheit ist Selbstakzeptanz eine von sechs Kerndimensionen und in der Validierung an einer repräsentativen Erwachsenenstichprobe jene Dimension, die am engsten mit dem Gesamtbefinden zusammenhängt (Ryff, 1989; Ryff & Keyes, 1995). Auf der Ebene individueller Unterschiede fand die Forschung zur bedingungslosen Selbstakzeptanz denselben Fingerabdruck: Wer sich unabhängiger von Bedingungen annimmt, berichtet weniger Angstsymptome (auch dann noch, wenn das Selbstwertgefühl statistisch kontrolliert wird), zeigt einen stabileren Selbstwert, bewertet eigene Leistungen nüchterner und wertet Kritiker weniger ab (Chamberlain & Haaga, 2001a, 2001b). Selbstakzeptanz und Selbstwertgefühl sind demnach verwandt, aber trennbar und die Selbstakzeptanz leistet einen eigenständigen Beitrag zur psychischen Gesundheit (MacInnes, 2006).

Warum die Unterscheidung praktisch zählt, zeigt die Forschung zum Selbstwertstreben. Ein hohes Selbstwertgefühl ist zunächst ein günstiger Begleiter: Längsschnittdaten über die Lebensspanne verbinden es prospektiv mit weniger depressiven Symptomen, besseren Beziehungen und höherer Zufriedenheit (Orth, Robins & Widaman, 2012; Harris & Orth, 2020) und die metaanalytische Bilanz von 77 Längsschnittstudien spricht dafür, dass ein niedriger Selbstwert depressive Symptome etwa doppelt so stark vorhersagt wie umgekehrt (Sowislo & Orth, 2013). Nur: Aus diesen Befunden folgt nicht, dass man den Selbstwert direkt jagen sollte. Das Verfolgen von Selbstwert, die Ausrichtung des Alltags darauf, sich beweisen zu müssen, hat dokumentierte Kosten: Es macht Erfolge zur Existenzfrage, Misserfolge zur Selbstanklage und bindet genau die Ressourcen, die Lernen, Beziehungen und Selbstregulation brauchen (Crocker & Park, 2004). Die klinisch interessante Alternative besteht nicht darin, sich großartig zu finden, sondern darin, den eigenen Wert aus dem Spiel zu nehmen: Verhalten bewerten, Person annehmen. Genau an dieser Stelle beginnt die Verbindung zur Emotionsregulation, denn eine Haltung, die nicht bei jedem Fehler das Ganze verhandelt, produziert messbar weniger von den Gefühlen, die anschließend reguliert werden müssen.

3. Selbstmitgefühl: die messbare Schwester der Selbstakzeptanz

Während die bedingungslose Selbstakzeptanz vor allem theoretisch ausgearbeitet wurde, hat ihre nächste Verwandte in den letzten zwei Jahrzehnten eine bemerkenswerte Forschungskarriere gemacht: das Selbstmitgefühl. Kristin Neff definierte es als die Fähigkeit, dem eigenen Leiden mit derselben Freundlichkeit zu begegnen, die man einem guten Freund entgegenbringen würde und zerlegte es in drei Komponenten: Freundlichkeit mit sich selbst statt Selbstverurteilung, das Wissen um geteilte Menschlichkeit statt Isolation („so etwas passiert Menschen”) und ein achtsames, nicht überidentifiziertes Gewahrsein schwieriger Gefühle (Neff, 2003a). Mit der zugehörigen Skala wurde das Konstrukt messbar und zeigte von Beginn an negative Zusammenhänge mit Depression und Angst sowie einen eigenständigen Erklärungsbeitrag über das Selbstwertgefühl hinaus (Neff, 2003b).

Was die drei Komponenten im Ernstfall bedeuten, zeigt ein Moment, den jeder kennt: ein Fehler mit Folgen, das Gesicht wird heiß, der innere Kommentar beginnt. Selbstfreundlichkeit hieße hier nicht, den Fehler kleinzureden, sondern den Ton von der Anklage zur Ansprache, wie man sie einem Menschen gönnen würde, den man mag, zu wechseln. Geteilte Menschlichkeit hieße, den Vorfall in die richtige Grundgesamtheit einzuordnen: nicht „nur mir passiert so etwas”, sondern „so etwas passiert Menschen, die Verantwortung tragen”. Und das achtsame Gewahrsein hieße, die Beschämung zu bemerken, ohne in ihr zu wohnen. Sie ist ein Zustand, kein Urteil. Erwähnung verdient auch die messmethodische Debatte des Feldes: Ob die Skala besser als Gesamtwert oder in ihren positiven und negativen Anteilen getrennt ausgewertet wird, ist Gegenstand anhaltender Diskussion. Die aktuelle Übersicht referiert diese Kontroverse, ohne dass sie den Kernbefund der Zusammenhänge infrage stellt (Neff, 2023). Für einen Beitrag wie diesen ist das mehr als eine Fußnote: Es zeigt, dass hier ein Forschungsfeld mit offener Selbstkritik arbeitet, nicht eine Bewegung mit Botschaft.

Die Metaanalysen haben diese frühen Befunde in seltener Deutlichkeit bestätigt. Über 20 Stichproben hinweg korreliert Selbstmitgefühl mit r = −.54 mit Psychopathologie — Depression, Angst und Stresserleben —, einer der größten stabilen Zusammenhänge, den die klinische Persönlichkeitsforschung kennt (MacBeth & Gumley, 2012). Mit dem Wohlbefinden verbindet es sich über 79 Stichproben mit r = .47, am engsten mit dem psychologischen Wohlbefinden im Sinne gelingender Lebensführung (Zessin, Dickhäuser & Garbade, 2015). Und der Zusammenhang ist kein Erwachsenenphänomen: Bei Jugendlichen zwischen zehn und neunzehn Jahren liegt die Korrelation mit psychischer Belastung bei r = −.55 (Marsh, Chan & MacBeth, 2018). Der aktuelle Forschungsstand, einschließlich der methodischen Debatten um die Messung, ist inzwischen in einer autoritativen Übersicht zusammengefasst (Neff, 2023).

Gegen das Konzept steht ein populärer Einwand: Wer freundlich mit sich ist, so die Sorge, lässt sich gehen. Die experimentelle Forschung findet das Gegenteil. Wurden Menschen nach Fehlern und Misserfolgen zu einer selbstmitfühlenden Haltung angeleitet, stieg ihre Verbesserungsmotivation. Sie lernten länger, planten mehr Korrektur und trauten sich Veränderung eher zu als nach einer Selbstwert-Bestätigung oder in Kontrollbedingungen (Breines & Chen, 2012). Der Befund passt zu einer Logik, die sich durch diesen ganzen Beitrag ziehen wird: Freundlichkeit mit sich selbst ist kein Nachlassen der Ansprüche, sondern eine Bewirtschaftungsform der eigenen Fehler, die Energie für Korrektur freisetzt, statt sie in Selbstverurteilung zu binden. Was das für die Regulation von Emotionen im engeren Sinn bedeutet, behandeln die Kapitel 8 und 10. Zunächst braucht es das Handwerkszeug, um über Emotionsregulation präzise sprechen zu können.

4. Emotionsregulation: das Prozessmodell und seine fünf Familien

Emotionsregulation bezeichnet alle Prozesse, mit denen Menschen beeinflussen, welche Emotionen sie haben, wann sie sie haben und wie sie sie erleben und ausdrücken. Sie umfasst bewusste Techniken ebenso wie automatische Gewohnheiten und sie beginnt lange vor dem Gefühl: bei der Wahl und Gestaltung von Situationen.

Das Ordnungssystem des Feldes stammt von James Gross. Sein Prozessmodell folgt der Entstehung einer Emotion und unterscheidet fünf Familien von Ansatzpunkten: die Situationsauswahl (aufsuchen oder meiden, was Gefühle erzeugt), die Situationsmodifikation (die Lage selbst verändern), die Aufmerksamkeitslenkung (worauf der Fokus ruht), die kognitive Veränderung (die Bedeutung der Lage umdeuten — das vielzitierte Reappraisal) und die Reaktionsmodulation (am bereits entstandenen Gefühl ansetzen, etwa durch Unterdrückung des Ausdrucks) (Gross, 1998). Die ersten vier Familien greifen an, bevor die emotionale Reaktion voll ausgebildet ist. Die letzte danach. Ein Unterschied, der sich empirisch als folgenreich erweisen wird. In seiner erweiterten Fassung beschreibt das Modell Regulation zusätzlich als zyklischen Prozess aus Wahrnehmen, Bewerten und Handeln, in dem an drei Stellen etwas schiefgehen kann: beim Erkennen des eigenen Zustands, bei der Wahl der Strategie und bei ihrer Umsetzung (Gross, 2015).

Ein Alltagsbeispiel macht die fünf Familien greifbar. Angenommen, ein schwieriges Gespräch steht an — eines, das seit Tagen Unruhe erzeugt. Situationsauswahl wäre die Entscheidung darüber, ob, wann und wo dieses Gespräch stattfindet: Es gezielt in eine ruhige Stunde zu legen, ist Emotionsregulation, lange bevor ein Gefühl da ist. Es ewig zu verschieben, ist ebenfalls Regulation — nur eine mit Rechnung. Situationsmodifikation wäre, die Lage selbst zu verändern: eine dritte Person einbeziehen, den Rahmen klären, die strittigen Punkte vorab schriftlich sortieren. Aufmerksamkeitslenkung entscheidet, wohin der Blick in den Stunden davor geht — auf die Katastrophenszenarien oder auf die konkrete Vorbereitung. Kognitive Veränderung setzt an der Bedeutung an: Das Gespräch ist keine Gerichtsverhandlung über die eigene Person, sondern der Versuch, ein Problem zu zweit zu lösen. Und Reaktionsmodulation beginnt, wenn das Herz trotzdem klopft. Vom ruhigen Ausatmen bis zum Versuch, sich nichts anmerken zu lassen. Dieselbe Lage, fünf Ansatzpunkte, sehr unterschiedliche Kosten: Genau diese Kostenrechnung hat die Forschung aufgemacht und sie fällt deutlicher aus, als der Alltagsverstand vermuten würde.

Für die Vermessung individueller Unterschiede stellte die Forschung zwei Standardinstrumente bereit, die beide auch in validierter deutscher Fassung vorliegen und in diesem Beitrag als Anker dienen. Der Emotion Regulation Questionnaire erfasst zwei habituelle Strategien (Neubewertung und Ausdrucksunterdrückung) und zeigte schon in der Validierung ein klares Profil: Gewohnheitsmäßige Neubewerter berichten mehr positive und weniger negative Emotionen, engere Beziehungen und höheres Wohlbefinden. Gewohnheitsmäßige Unterdrücker das jeweilige Gegenteil, einschließlich geringerer erlebter Nähe zu anderen (Gross & John, 2003; deutsche Fassung: Abler & Kessler, 2009). Die Difficulties in Emotion Regulation Scale wiederum misst Emotionsregulation als Fähigkeitsbündel und führt unter ihren sechs Dimensionen eine, die für das Thema dieses Beitrags zentral ist: die Nichtakzeptanz der eigenen emotionalen Reaktionen, also die Neigung, auf das eigene Leid mit Ablehnung, Scham oder Ärger über sich selbst zu antworten (Gratz & Roemer, 2004). Dass die Nichtakzeptanz in einem Messinstrument für Regulationsschwierigkeiten als eigenständige Dimension geführt wird, ist mehr als ein Detail der Testkonstruktion: Es ist die psychometrische Fassung der These, dass die Haltung zu den eigenen Gefühlen Teil der Regulation selbst ist und nicht ihr Vorspiel.

Eine Abgrenzung gehört an dieser Stelle noch ins Handwerkszeug: Emotionsregulation ist nicht Emotionskontrolle. Das Prozessmodell kennt Strategien, die Gefühle verstärken, zulassen oder verlängern, etwa wenn jemand Freude bewusst auskostet oder Trauer Raum gibt, weil sie zu einem Verlust gehört. Reguliert wird nicht gegen die Emotion, sondern mit Blick auf ihre Passung zu Lage und Zielen. Diese Unterscheidung entscheidet später darüber, ob Akzeptanz als Kapitulation missverstanden oder als das erkannt wird, was die Daten zeigen: eine Regulationsform unter anderen mit eigenem Wirkprofil.

5. Was wirkt wann: die Wirksamkeitshierarchie der Strategien

Welche der fünf Familien hilft nun am besten? Die experimentelle Antwort lieferte eine Metaanalyse über mehrere hundert Strategievergleiche im Labor: Die kognitive Veränderung erzielte im Mittel die stärksten Effekte auf das emotionale Erleben (d ≈ 0,36), die Reaktionsmodulation blieb deutlich dahinter (d ≈ 0,16), und die Aufmerksamkeitslenkung ging im Durchschnitt leer aus (d ≈ 0,00), wobei sich hinter den Mittelwerten aufschlussreiche Unterschiede verbargen: Innerhalb der Neubewertung war das Einnehmen einer distanzierten Perspektive (d ≈ 0,45) wirksamer als das Umdeuten des Inhalts, und Ablenkung half durchaus, solange sie aktiv mit unvereinbaren Inhalten arbeitete statt bloß wegzuschauen (Webb, Miles & Sheeran, 2012). Für den Alltag übersetzt: Es gibt eine belastbare Rangordnung, denn Bedeutung schlägt Ausdruckskontrolle, aber sie ist eine Rangordnung von Durchschnitten, nicht von Naturgesetzen.

Eine Nuance dieser Befundlage verdient eigene Erwähnung, weil sie einem verbreiteten Schwarz-Weiß-Bild widerspricht: Ablenkung ist nicht per se schlecht. In der experimentellen Bilanz half sie durchaus, wenn sie aktiv war. Wenn die Aufmerksamkeit mit etwas beschäftigt wurde, das mit dem belastenden Inhalt unvereinbar ist, während das bloße Wegschauen-Wollen leer ausging (Webb et al., 2012). Bei sehr hoher Gefühlsintensität kann eine vorübergehende aktive Ablenkung sogar die Voraussetzung dafür sein, dass anspruchsvollere Strategien wie die Neubewertung überhaupt wieder verfügbar werden. Ein Gedanke, den die klinischen Trainingsprogramme in Kapitel 11 systematisch nutzen, wenn sie für Hochspannungsmomente eigene Fertigkeiten vorsehen. Problematisch wird Ablenkung dort, wo sie vom Werkzeug zur Dauerlösung wird: wenn sie nicht mehr Pause vom Gefühl ist, sondern Politik gegenüber dem Gefühl. Die Grenze zwischen beidem markiert ein Begriff, der in Kapitel 8 ins Zentrum rückt: die Vermeidung.

Die zweite große Antwort kommt aus der klinischen Korrelationsforschung und sie verschiebt den Akzent. Über 114 Studien hinweg zeigte sich: Enger als die „guten” Strategien mit Gesundheit zusammenhängen, hängen die „schlechten” mit Psychopathologie zusammen. Das Grübeln führt die Liste an (in der Größenordnung r ≈ .49), gefolgt von Vermeidung (r ≈ .38) und Unterdrückung (r ≈ .34); die schützenden Zusammenhänge von Problemlösen (r ≈ −.31), Akzeptanz (r ≈ −.19) und Neubewertung (r ≈ −.14) fallen dagegen moderat aus (Aldao, Nolen-Hoeksema & Schweizer, 2010). Die praktische Lesart dieser Asymmetrie ist eine der wichtigsten Botschaften des gesamten Feldes: Psychische Gesundheit hängt offenbar weniger davon ab, die beste Strategie zu besitzen, als davon, die teuersten Muster nicht zu füttern.

Was diese teuren Muster im Einzelnen anrichten, ist gut dokumentiert. Die Ausdrucksunterdrückung, nach außen Fassung wahren, während es innen arbeitet, dämpft das Erleben kaum, kostet aber sozial: In einer prospektiven Studie am Übergang ins Studium sagte habituelles Unterdrücken geringere soziale Unterstützung, weniger Nähe und geringere Zufriedenheit mit dem sozialen Leben voraus (Srivastava, Tamir, McGonigal, John & Gross, 2009). Die Unterdrückung von Gedanken wiederum erzeugt den berühmten Rebound: Was nicht gedacht werden soll, kehrt häufiger zurück. Besonders unter Belastung, wenn die Kontrollressourcen knapp werden (Wenzlaff & Wegner, 2000). Und das Grübeln, der Versuch, sich aus dem Gefühl herauszudenken, verlängert nachweislich genau die Zustände, die es beenden will: Es sagt Beginn und Aufrechterhaltung depressiver Episoden vorher und ist an Angst-, Ess- und Substanzproblemen beteiligt (Nolen-Hoeksema, Wisco & Lyubomirsky, 2008). Die neuere Forschung beschreibt Grübeln entsprechend als transdiagnostischen Prozess mit einem charakteristischen Denkstil (abstrakt, bewertend, warum-fixiert) und macht ihn direkt zum Behandlungsziel (Watkins & Roberts, 2020).

Auffällig ist, was in dieser Verlustliste immer wiederkehrt: Alle drei teuren Muster sind Formen des Nicht-daseins-Lassens. Unterdrückung bekämpft den Ausdruck, Gedankenstopp bekämpft den Inhalt, Grübeln bekämpft die Unauflösbarkeit des Gefühls mit Dauerverhandlung. Die Wirksamkeitshierarchie der Strategien erzählt damit, noch bevor von Selbstakzeptanz die Rede ist, bereits von der anderen Seite deren Geschichte.

6. Kein Werkzeug ist gut: Kontext, Kosten, Flexibilität

So bequem die Rangordnung aus Kapitel 5 wäre, so klar hat die Forschung ihre Grenzen markiert. Selbst die Vorzeigestrategie Neubewertung ist kontextabhängig: In einer vielzitierten Studie schützte hohe Reappraisal-Fähigkeit vor depressiven Symptomen, wenn der Lebensstress unkontrollierbar war. Bei kontrollierbarem Stress kehrte sich der Zusammenhang um (Troy, Shallcross & Mauss, 2013). Die Deutung liegt nahe: Wer eine veränderbare Lage schönredet, statt sie zu verändern, bezahlt die Beruhigung mit Stillstand. Die Kostenseite der Neubewertung ist inzwischen eigens bilanziert worden. Sie kann misslingen, kognitive Ressourcen binden und die Motivation senken, veränderbare Stressoren tatsächlich anzugehen (Ford & Troy, 2019).

Aus solchen Befunden hat das Feld eine Konsequenz gezogen, die man als Paradigmenwechsel bezeichnen kann: weg von der Suche nach der besten Strategie, hin zur Regulationsflexibilität. Gesund ist demnach nicht ein bestimmtes Werkzeug, sondern ein dreiteiliges Können. Die Sensibilität dafür, was eine Situation verlangt, ein Repertoire an verfügbaren Strategien und die Bereitschaft, anhand von Rückmeldung umzusteuern (Bonanno & Burton, 2013). Dasselbe Prinzip trägt in der verwandten Literatur den Namen psychologische Flexibilität: die Fähigkeit, im Kontakt mit der Gegenwart zu bleiben und das eigene Verhalten an Lage und eigenen Prioritäten auszurichten, statt an der Vermeidung innerer Zustände. Ein Merkmal, das sich quer durch die Gesundheitsforschung als Schutzfaktor erweist (Kashdan & Rottenberg, 2010).

Die drei Flexibilitätskomponenten lassen sich als Alltagsfragen übersetzen. Kontextsensitivität: Was verlangt diese Lage: Veränderung, Anpassung oder schlicht Zeit? Wer diese Frage überspringt, reguliert nach Gewohnheit statt nach Bedarf und wendet die Lieblingsstrategie auch dort an, wo sie nichts kostet als Kraft. Repertoire: Steht mehr als ein Werkzeug zur Verfügung — kann dieselbe Person umdeuten, aber auch konfrontieren, sich ablenken, aber auch dabeibleiben, allein verarbeiten, aber auch jemanden hinzuziehen? Ein Repertoire von eins macht jede Lage zu einem Nagel. Und Rückmeldungs-Responsivität: Wird überprüft, ob der gewählte Weg wirkt und gewechselt, wenn nicht? Gerade diese dritte Komponente unterscheidet flexible Regulation von hartnäckiger. Sie erklärt auch, warum wohlmeinende Dauerstrategien scheitern können, ohne dass ihre Nutzer es bemerken. Bemerkenswert ist, wie sehr dieses Profil dem ähnelt, was gute Behandlung ohnehin tut: Lage klären, Optionen öffnen, Wirkung prüfen.

Für die Praxis heißt das: Die Frage „Welche Strategie ist die richtige?” ist falsch gestellt. Tragfähiger sind drei andere Fragen. Ist die Lage veränderbar, dann verdient die Veränderung Vorrang vor der Gefühlsbearbeitung. Ist sie es nicht, dann sind Bedeutung, Aufmerksamkeit und Akzeptanz die Ansatzpunkte. Und in beiden Fällen: Was sagt die Rückmeldung: wirkt, was gerade versucht wird, oder wird nur Aufwand betrieben? Damit ist der Boden bereitet für den Begriff, der genau diese Passungsfrage seit Jahrzehnten bearbeitet: die Bewältigung.

7. Bewältigungsstrategien: was Coping wirklich bedeutet

Bewältigungsstrategien (Coping) sind alle kognitiven und verhaltensbezogenen Anstrengungen, mit denen Menschen Anforderungen begegnen, die ihre Ressourcen beanspruchen oder übersteigen. Die klassische Einteilung unterscheidet problemorientierte Bewältigung (die Lage verändern), emotionsorientierte Bewältigung (das eigene Erleben verändern) und Vermeidung, wobei keine Form pauschal gut oder schlecht ist.

Der moderne Bewältigungsbegriff stammt aus der transaktionalen Stresstheorie: Stress ist danach kein Reiz und keine Reaktion, sondern eine Beziehung. Er entsteht, wenn eine Person eine Anforderung als bedeutsam und ihre Ressourcen als möglicherweise unzureichend bewertet. Zwei Einschätzungen strukturieren diesen Prozess: die primäre Bewertung („Was steht auf dem Spiel?“) und die sekundäre Bewertung („Was kann ich tun?”) und aus ihrem Zusammenspiel folgt, welche Bewältigung überhaupt infrage kommt (Lazarus & Folkman, 1984). Die Forschung hat diese Grundidee in Inventaren ausbuchstabiert: Das COPE-Inventar unterschied theoriegeleitet mehr als ein Dutzend Strategien. Von aktiver Bewältigung über Planung, Unterstützungssuche und positiver Umdeutung bis, bemerkenswert genug, zur Akzeptanz als eigenständiger Bewältigungsform (Carver, Scheier & Weintraub, 1989); die Kurzfassung mit 14 Subskalen wurde zum meistgenutzten Instrument des Feldes (Carver, 1997).

Zwei kritische Klarstellungen gehören zum ehrlichen Bild. Erstens ist die populäre Zweiteilung in problem- und emotionsorientiert grober, als das Feld sie braucht: Eine systematische Prüfung von rund hundert Kategoriensystemen kam zu dem Ergebnis, dass die klassischen Dichotomien weder trennscharf noch vollständig sind und schlug stattdessen hierarchische Bewältigungsfamilien vor. Darunter die Anpassungsfamilie, zu der Akzeptanz und Umdeutung gehören (Skinner, Edge, Altman & Sherwood, 2003). Zweitens ist die Wirksamkeitsfrage auch hier eine Kontextfrage. Die metaanalytische Bilanz verbindet problemorientiertes Vorgehen im Mittel mit besserer Gesundheit, während Distanzieren, Wunschdenken und Vermeidung ungünstig abschneiden. Moderiert allerdings durch die Art des Stressors und seine Kontrollierbarkeit (Penley, Tomaka & Wiebe, 2002). Bei jungen Menschen zeigt die große Zusammenschau über 212 Studien dasselbe Muster in entwicklungspsychologischer Fassung: Sekundäre Kontrolle, also Anpassung durch Akzeptanz, Umdeutung, positive Gedanken, Problemlösen und Ablenkung gehen mit weniger Symptomen einher, Vermeidung, Verleugnung und Unterdrückung mit mehr (Compas et al., 2017).

Den vielleicht wichtigsten Einzelbefund zur Bewältigung liefert jedoch die Flexibilitätsforschung und er verdient es, beziffert zu werden. Über 68 Stichproben mit mehr als zehntausend Personen hing die Passung zwischen Strategie und Situationsanforderung mit r = −.27 mit geringerer Fehlanpassung zusammen. Das bloße Beherrschen vieler Strategien brachte nur r = −.12 (Cheng, Lau & Chan, 2014). Anders gesagt: Der Unterschied liegt nicht im Werkzeugkasten, sondern im Blick auf die Schraube. Damit schließt sich der Kreis zur Regulationsflexibilität aus Kapitel 6. Bewältigung und Emotionsregulation sind zwei Forschungstraditionen über denselben Gegenstand: die eine vom Stressor her gedacht, die andere von der Emotion her (Folkman & Moskowitz, 2004).

Eine Erweiterung der klassischen Zweiteilung verdient eigene Erwähnung, weil sie in der Ratgeberliteratur fast nie ankommt: die bedeutungsorientierte Bewältigung. Die neuere Bewältigungsforschung hat dokumentiert, dass Menschen auch in schweren, nicht kontrollierbaren Lagen keineswegs nur Schadensbegrenzung betreiben. Sie erzeugen mitten in der Belastung positive Momente, werten kleine Alltagsereignisse auf, ordnen das Geschehen in ihre Prioritäten ein und gewinnen daraus Kraft für die nächste Etappe. Positive und negative Gefühle koexistieren dabei, statt sich abzulösen (Folkman & Moskowitz, 2004). Das ist kein Zwang zur Dankbarkeit und keine Aufforderung, allem einen höheren Zweck abzupressen. Es ist die Beobachtung, dass Bewältigung mehr kann als abwehren. Für die Praxis heißt das: Auch wo sich an einer Lage nichts ändern lässt, bleibt gestaltbar, womit die Tage daneben gefüllt sind. Was beiden Traditionen lange fehlte, ist der dritte Baustein: die Frage, wie ein Mensch zu sich selbst steht, während er reguliert und bewältigt. Ihm gehört das nächste Kapitel.

8. Die verbindende Mechanik: Wie Selbstablehnung die Gefühle erzeugt, die dann reguliert werden müssen

Jetzt lassen sich die Fäden verknüpfen. Der Ausgangspunkt ist eine Unterscheidung, die in der Emotionsforschung als primäre und sekundäre Emotion geläufig ist: das erste Gefühl, das eine Lage auslöst und das zweite Gefühl, das die Reaktion auf das erste ist. Angst vor einer Untersuchung ist primär. Der Ärger über die eigene Angst, die Scham über die Tränen, die Entmutigung über die eigene Entmutigung — das ist die zweite Schicht. Und genau diese zweite Schicht ist es, die eine ablehnende Haltung zu sich selbst systematisch produziert: Wer gelernt hat, dass bestimmte Gefühle ein Zeichen von Schwäche, Undankbarkeit oder Versagen sind, beantwortet jedes Auftreten dieser Gefühle mit einem Selbsturteil und hat damit doppelt so viel zu regulieren wie zuvor. Die Nichtakzeptanz eigener emotionaler Reaktionen ist, wie in Kapitel 4 gezeigt, nicht zufällig eine eigene Dimension gestörter Emotionsregulation (Gratz & Roemer, 2004).

Aus dieser Mechanik folgt ein zweiter Schritt, der die Brücke zur Bewältigung schlägt. Wer die eigenen inneren Zustände als unerträglich oder inakzeptabel behandelt, dem bleibt eine naheliegende Strategie: dafür zu sorgen, dass sie gar nicht erst auftreten. Die klinische Psychologie nennt dieses Muster Erlebnisvermeidung und meint die Unwilligkeit, mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen in Kontakt zu bleiben, verbunden mit Versuchen, ihre Form und Häufigkeit zu kontrollieren, auch dann, wenn diese Versuche Schaden anrichten. Sie wurde als funktionale Diagnose quer zu den klassischen Störungskategorien vorgeschlagen: Sehr verschiedene Probleme, vom Substanzgebrauch über Vermeidungsverhalten bis zum Grübeln, lassen sich als Varianten desselben Manövers lesen, unangenehmes Innenleben nicht haben zu müssen (Hayes, Wilson, Gifford, Follette & Strosahl, 1996). Dass dieses Manöver scheitert, ist keine Vermutung, sondern vielfach belegt: Die ironischen Effekte der Unterdrückung und die Verlaufskosten von Vermeidung und Grübeln aus Kapitel 5 sind exakt die Quittung der Erlebnisvermeidung (Wenzlaff & Wegner, 2000; Aldao et al., 2010).

Damit ist die Kette vollständig, die diesem Beitrag den Titel gibt. Selbstablehnung erzeugt sekundäre Emotionen und macht innere Zustände zu Feinden. Feindschaft erzwingt Vermeidung; Vermeidung verengt das Bewältigungsrepertoire auf genau die Strategien, die die Korrelationsforschung als teuerste ausweist. Selbstakzeptanz steht deshalb zwischen Emotionsregulation und Bewältigungsstrategien wie ein Weichensteller: Sie entscheidet, ob Regulation als Krieg gegen das eigene Erleben geführt wird oder als dessen Bewirtschaftung.

Eine zusammengesetzte, alltägliche Vignette macht die Kette anschaulich. Sie steht für ein Muster, nicht für eine reale Person. Jemand bemerkt seit Wochen eine bleierne Erschöpfung und Reizbarkeit. Die erste Reaktion ist keine Fürsorge, sondern ein Urteil: So darf es nicht sein. Andere schaffen mehr, also zusammenreißen. Aus der Erschöpfung (primär) sind damit Scham und Selbstärger geworden (sekundär), und die Tage bekommen eine zweite Baustelle. Weil die Zustände nun als Schwäche gelten, dürfen sie nicht sichtbar werden: Verabredungen werden abgesagt, Gespräche über das Befinden abgeblockt, der Terminplan wird voller statt leerer. Dies meint Vermeidung nach außen, Dauerverhandlung nach innen, denn abends laufen die Warum-Schleifen. Das Bewältigungsrepertoire ist auf zwei Strategien geschrumpft, die die Korrelationsforschung als die teuersten ausweist: Vermeidung und Grübeln. Nichts an dieser Kette ist unverständlich, denn jeder Schritt folgt aus dem vorherigen. Aber ihr erster Ring ist nicht die Erschöpfung. Es ist das Urteil über sie. Genau dort setzen die Befunde an, die nun folgen: Sie zeigen, dass sich dieser erste Ring öffnen lässt und was dann mit dem Rest der Kette geschieht.

Die erfreuliche Nachricht ist, dass sich diese Weiche experimentell umlegen lässt und dass Akzeptanz dabei nicht als Verzicht auf Regulation erscheint, sondern als deren vollwertige Form. Im direkten Laborvergleich reduzierte eine akzeptierende Haltung gegenüber ausgelösten Gefühlen Belastung, physiologische Reaktion und Vermeidungsimpulse ebenso zuverlässig wie die Neubewertung (Wolgast, Lundh & Viborg, 2011). Prospektiv schützte die Bereitschaft, negative Erfahrungen zuzulassen, unter hohem Lebensstress vor dem Anstieg depressiver Symptome (Shallcross, Troy, Boland & Mauss, 2010). Und in einer Serie aus Labor-, Tagebuch- und Längsschnittdaten zeigte sich der Mechanismus in seltener Klarheit: Menschen mit habituell akzeptierender Haltung gegenüber den eigenen Gedanken und Gefühlen ging es auf praktisch allen Befindensmaßen besser und dieser Vorsprung erklärte sich vollständig darüber, dass bei ihnen auf Alltagsstressoren weniger negative Emotion folgte. Akzeptanz wirkt demnach nicht, indem sie Gefühle verbietet, sondern indem sie die zweite Schicht gar nicht erst entstehen lässt (Ford, Lam, John & Mauss, 2018). Sogar für die Achtsamkeitsforschung ist inzwischen präzisiert, dass genau diese Komponente den Unterschied macht: Aufmerksamkeitsschulung allein kann die Reaktivität sogar erhöhen. Stressreduzierend wird sie erst in Verbindung mit einer akzeptierenden Grundhaltung (Lindsay & Creswell, 2017).

Ein Wort zur Redlichkeit gehört dazu: Die Messung dieser Konstrukte ist nicht trivial. Für das verbreitetste Instrument der Erlebnisvermeidung ist gut begründet worden, dass seine Items teilweise eher allgemeine Belastung erfassen als die Vermeidung selbst. Zusammenhänge zwischen Vermeidung und Leid können dadurch überzeichnet sein (Wolgast, 2014). An der Gesamtarchitektur der Befunde ändert das wenig, weil die experimentellen und prospektiven Arbeiten unabhängig von diesem Instrument tragen, aber es mahnt zu der Sorgfalt, mit der dieser Beitrag durchgängig formuliert: Zusammenhänge sind keine Mechanik-Beweise, und Fragebogenkonstrukte sind keine Naturgegenstände.

9. Akzeptanzbasierte Verfahren: die Evidenz

Wenn Akzeptanz eine Regulationsform ist, müsste sich Behandlung darauf aufbauen lassen. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie hat genau das getan: Sie versteht Leiden wesentlich als Folge von Erlebnisvermeidung und kognitiver Verstrickung und trainiert sechs zusammenhängende Prozesse, darunter Akzeptanz, Entschärfung wörtlich genommener Gedanken, Gegenwartskontakt und wertorientiertes Handeln, die zusammen die psychologische Flexibilität aus Kapitel 6 ergeben (Hayes, Luoma, Bond, Masuda & Lillis, 2006). Ihre Wirksamkeit ist metaanalytisch solide dokumentiert: Über 39 randomisierte Studien mit klinisch relevanten Problemen erreichte sie gegenüber Kontrollbedingungen einen mittleren Effekt von g = 0,57, ohne sich von etablierten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Verfahren signifikant zu unterscheiden (A-Tjak et al., 2015). Die Zusammenschau von 20 Metaanalysen mit rund hundert kontrollierten Effektstärken bestätigt dieses Bild über Angst, Depression, Substanzkonsum und Schmerz hinweg: wirksamer als Nichtbehandlung und übliche Versorgung, ebenbürtig mit der klassischen Verhaltenstherapie (Gloster, Walder, Levin, Twohig & Karekla, 2020).

Die zweite Säule akzeptanzbasierter Behandlung sind die achtsamkeitsbasierten Programme. Ihre Gesamtbilanz über 209 Studien: mittlere Effekte um g ≈ 0,5 gegen Wartelisten, kleinere gegen aktive Vergleichsbedingungen, hingegen bei Angst- und depressiver Symptomatik in klinischen Gruppen deutlich höher (Khoury et al., 2013; Hofmann, Sawyer, Witt & Oh, 2010). Die methodisch strengste Zusammenfassung randomisierter Studien an psychiatrischen Stichproben kommt auf d ≈ 0,55 gegenüber Nichtbehandlung und Gleichwertigkeit mit etablierten Erstlinienverfahren. Die klarste Empfehlung gilt der Depression (Goldberg et al., 2018). Und für die Rückfallprophylaxe liegt ein Befund vor, der in der Versorgung angekommen ist: Die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie senkte in der Zusammenführung individueller Patientendaten aus neun randomisierten Studien das Rückfallrisiko wiederholt depressiv erkrankter Menschen über 60 Wochen um rund 30 Prozent gegenüber den Kontrollbedingungen. Am deutlichsten bei Menschen mit ausgeprägter Restsymptomatik (Kuyken et al., 2016).

Für die Einordnung dieser Zahlen hilft der Referenzrahmen der Psychotherapieforschung insgesamt: Die kognitive Verhaltenstherapie als bestuntersuchtes Verfahren erreicht bei Depression über 409 randomisierte Studien mit mehr als 52.000 Patientinnen und Patienten einen Effekt von g = 0,79 gegenüber Kontrollbedingungen. 42 Prozent der Behandelten sprechen an gegenüber 19 Prozent in den Kontrollgruppen (Cuijpers et al., 2023). Akzeptanzbasierte Verfahren bewegen sich in derselben Liga. Sie sind kein Sonderweg für Weltanschauungsfragen, sondern regulärer Teil der evidenzbasierten Versorgung. Zugleich gilt die Umkehrung: Keines dieser Verfahren ist ein Wundermittel, ihre Effekte streuen nach Problemlage und Studienqualität und ihr Nutzen entfaltet sich in strukturierter Behandlung und nicht im Nachbau einzelner Techniken aus Ratgebertexten.

Wie solche Arbeit konkret aussieht, lässt sich dennoch skizzieren, weil es das Verständnis der Evidenz erdet. Akzeptanz wird dort nicht als Meinung geübt, sondern als Verhalten: die Bereitschaft, ein unangenehmes Gefühl im Raum zu lassen, während man tut, was ansteht (kleinschrittig aufgebaut, oft beginnend mit Körperempfindungen, die weniger bedrohlich sind als die großen Themen). Die Entschärfung wörtlich genommener Gedanken arbeitet mit Distanz-Markierungen: Aus „ich bin eine Zumutung” wird „ich habe gerade den Gedanken, eine Zumutung zu sein” — eine kleine sprachliche Operation mit erstaunlicher Wirkung auf den Griff, den ein Satz auf sein Opfer hat (Hayes et al., 2006). Der Gegenwartskontakt trainiert, aus den Zeitreisen des Grübelns in die laufende Situation zurückzukehren. Nichts davon ist Geheimwissen. Alles ist Handwerk mit Übungslogik, Rückmeldung und Anpassung. Der Grund, warum es in strukturierter Begleitung besser gelingt als im Selbstversuch nach Lektüre. Und eine ehrliche Randnotiz gehört dazu: Die Studienqualität streut auch in diesem Feld, gegen aktive Vergleichsbedingungen schrumpfen die Effekte, und die Übersichtsarbeiten benennen das offen (Gloster et al., 2020). Es ist gerade diese Selbstkritik, die evidenzbasierte Verfahren von Heilslehren unterscheidet.

10. Selbstmitgefühl als Regulationsstrategie: die experimentelle Brücke

Die Kapitel 2 und 3 haben Selbstakzeptanz und Selbstmitgefühl als Haltungen eingeführt; Kapitel 8 hat Akzeptanz als Regulationsform ausgewiesen. Die naheliegende Frage ist damit: Lässt sich die freundliche Haltung zu sich selbst auch akut einsetzen Als Strategie im Moment der Belastung? Die klinisch strengste Antwort stammt aus einem Experiment mit depressiv erkrankten Menschen: Nach Induktion gedrückter Stimmung reduzierte eine angeleitete selbstmitfühlende Haltung die depressive Stimmung wirksamer als Abwarten und stand der Neubewertung nicht nach. Bei hoher Ausgangsintensität der Stimmung übertraf sie die Neubewertung sogar (Diedrich, Grant, Hofmann, Hiller & Berking, 2014). Der Befund hat eine bemerkenswerte Pointe für die Praxis: Gerade dort, wo das Umdeuten am schwersten fällt, wenn das Gefühl bereits stark ist, trägt die freundliche Selbstzuwendung noch.

Auch der Wirkweg ist inzwischen kartiert: Die systematische Zusammenschau der Mechanismusstudien spricht dafür, dass Selbstmitgefühl seine Gesundheitseffekte wesentlich über verbesserte Emotionsregulation entfaltet. Es senkt die Schwelle, schwierige Zustände überhaupt anzuschauen und erweitert damit den Zugriff auf alle übrigen Strategien (Inwood & Ferrari, 2018). Die Interventionsforschung bestätigt die Trainierbarkeit: Kompassionsbasierte Programme verbesserten in randomisierten Studien Selbstmitgefühl, Stimmung und Angstsymptomatik mit mittleren Effekten um d ≈ 0,5–0,7 (Kirby, Tellegen & Steindl, 2017) und die auf Selbstmitgefühl zugeschnittenen Interventionen erreichten g = 0,75 auf dem Zielkonstrukt selbst, mit Begleiteffekten auf Stress, Depression, Angst, Selbstkritik und — auffällig stark — auf das Grübeln (Ferrari et al., 2019). Das strukturierte Achtwochenprogramm Mindful Self-Compassion zeigte diese Zuwächse randomisiert-kontrolliert und über zwölf Monate stabil (Neff & Germer, 2013).

Theoretisch unterfüttert wird dieser Ansatz von der Compassion Focused Therapy, die für Menschen mit ausgeprägter Scham und Selbstkritik entwickelt wurde. Ihr Modell unterscheidet drei affektive Grundsysteme — Bedrohung, Antrieb, Beruhigung — und versteht chronische Selbstkritik als Daueralarm des Bedrohungssystems, dem das beruhigende Gegengewicht fehlt; das Training zielt darauf, dieses Gegengewicht systematisch aufzubauen (Gilbert, 2009, 2014).

Im Alltag lassen sich die drei Systeme gut beobachten. Das Bedrohungssystem meldet sich schnell, laut und zuerst — es hat evolutionär Vorfahrt, weil übersehene Gefahren teurer waren als falscher Alarm. Das Antriebssystem liefert die Energie des Wollens und Erreichens; es fühlt sich gut an, kennt aber keinen Feierabend. Das Beruhigungssystem schließlich ist an Bindung und Sicherheit gekoppelt — es ist der Zustand, in dem Menschen sich erholen, verbunden fühlen und lernen können. Chronische Selbstkritik, so die Pointe des Modells, ist ein Betriebsmodus, in dem das Bedrohungssystem gegen die eigene Person läuft und das Antriebssystem als Fluchtfahrzeug missbraucht wird: mehr leisten, um dem Urteil zu entkommen. Was in dieser Ökonomie fehlt, ist nicht Disziplin — davon ist reichlich vorhanden —, sondern der Zugang zur Beruhigung. Dass dieser Zugang trainierbar ist, über Vorstellungsübungen, Stimmführung, Erinnerungsarbeit an erlebte Fürsorge, ist die eigentliche Behauptung der Compassion Focused Therapy — und der Punkt, an dem sich ihre Evidenz entscheidet. Die frühe systematische Übersicht attestiert dem Verfahren vielversprechende Ergebnisse gerade bei hoher Selbstkritik, bei noch begrenzter Studienlage (Leaviss & Uttley, 2015). Für den Zusammenhang dieses Beitrags ist die Botschaft zweifach: Die freundliche Haltung zu sich selbst ist trainierbar — und sie ist kein Dekor der Emotionsregulation, sondern eine ihrer Zugangsvoraussetzungen.

11. Zwei unsichtbare Programme: das Training emotionaler Kompetenzen und die DBT-Fertigkeiten

Zu den auffälligsten Lücken des deutschsprachigen Ratgeberraums gehört, dass seine beiden am besten untersuchten Trainingsansätze für den Umgang mit Gefühlen dort praktisch nicht vorkommen. Der erste ist ein deutsches Programm: das Training emotionaler Kompetenzen. Es wurde aus der Beobachtung entwickelt, dass Defizite im Umgang mit Gefühlen ein störungsübergreifender Motor psychischer Probleme sind, und trainiert einen Kanon von Basiskompetenzen — vom Wahrnehmen und Benennen über das Verstehen der Auslöser bis zu genau den beiden Fertigkeiten, die dieser Beitrag als Weichensteller beschrieben hat: dem Akzeptieren und Aushalten von Gefühlen und der mitfühlenden Selbstunterstützung, ergänzt um die aktive Veränderung dort, wo sie möglich ist (Berking & Whitley, 2014). Die Ursprungsstudie zeigte an stationären Patientinnen und Patienten, dass gerade Akzeptanz-Toleranz und Modifikationskompetenz mit dem Behandlungserfolg zusammenhängen und dass die Integration des Trainings die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie verbesserte (Berking et al., 2008). Der randomisierte Härtetest folgte: Bei 432 stationär behandelten Menschen mit Depression erhöhte die Ergänzung der kognitiven Verhaltenstherapie um das Emotionsregulationstraining die Ansprechrate von 75,5 auf 84,9 Prozent und die Remissionsrate von 51,1 auf 65,1 Prozent (Berking, Ebert, Cuijpers & Hofmann, 2013). Mit dem zugehörigen Selbsteinschätzungsbogen liegt zudem ein deutschsprachiges Messinstrument vor, das Akzeptanz und Toleranz emotionalen Erlebens als eigene Kompetenzen erfasst (Berking & Znoj, 2008).

Das zweite Programm stammt aus der Behandlung schwerster Emotionsregulationsstörungen: die Fertigkeitenmodule der Dialektisch-Behavioralen Therapie. Entwickelt für die Borderline-Persönlichkeitsstörung, verbinden sie Veränderungstechniken mit einem Prinzip, das im Kern dieses Beitrags steht, nämlich der radikalen Akzeptanz dessen, was im Moment nicht zu ändern ist und gliedern den Umgang mit Gefühlen in lehrbare Bausteine von der Achtsamkeit über die Stresstoleranz bis zur Emotionsregulation im engeren Sinn (Linehan, 1993, 2015).

Ein Blick in die Module zeigt, wie konsequent hier gestuft wird. Die Achtsamkeitsfertigkeiten trainieren das Beobachten und Beschreiben innerer Zustände ohne Bewertung, was die Voraussetzung von allem Weiteren darstellt, denn was nicht wahrgenommen wird, kann nicht reguliert werden. Die Stresstoleranzfertigkeiten sind für Momente gebaut, in denen die Anspannung so hoch ist, dass anspruchsvolle Strategien nicht mehr greifen: kurzfristige, körpernahe Techniken zum Überstehen der Spitze und dahinter die radikale Akzeptanz als bewusstes Beenden des Kampfes gegen Unabänderliches. Die Emotionsregulationsfertigkeiten schließlich arbeiten längerfristig: Emotionen verstehen und benennen, Verletzlichkeitsfaktoren wie Schlaf und Ernährung pflegen, positive Erfahrungen planen, dem Handlungsimpuls einer Emotion entgegengesetzt handeln, wenn er in die falsche Richtung zieht. Bemerkenswert am Aufbau ist die Ehrlichkeit der Reihenfolge: Erst überleben, dann annehmen, dann verändern — eine Choreografie, die exakt der Kette dieses Beitrags entspricht, nur aus der Behandlungsperspektive erzählt. Dass diese Fertigkeiten nicht Beiwerk, sondern Wirkstoff sind, zeigte die Analyse dreier randomisierter Studien: Der Zuwachs im Fertigkeitengebrauch vermittelte die Rückgänge bei Suizidalität und Depression und die Verbesserung der Ärgerkontrolle (Neacsiu, Rizvi & Linehan, 2010). Für den vorliegenden Zusammenhang sind beide Programme doppelt lehrreich. Erstens inhaltlich: Beide behandeln Akzeptanz und Selbstmitgefühl nicht als Weltanschauung, sondern als trainierbare Kompetenzen mit definierten Übungsschritten. Zweitens strukturell: Beide sind Behandlungs- beziehungsweise Präventionsprogramme mit professioneller Anleitung. Ihr Erwähnen ist Aufklärung über die Versorgungslandschaft, keine Anleitung zum Selbstnachbau. Wo die Schwelle zur Behandlung verläuft, behandelt Kapitel 13.

12. Was sich aus der Forschung für den Alltag ableiten lässt

Ein Beitrag wie dieser schuldet seiner Leserschaft keine weitere Übungsliste, denn davon gibt es genug. Stattdessen braucht es die Prinzipien, die den Übungen zugrunde liegen. Sechs davon sind gut genug belegt, um sie zu benennen.

Erstens: Benennen entlastet. Gefühle in Worte zu fassen ist selbst eine Regulationsform. Die Bildgebung zeigt, dass das Benennen affektiver Zustände die Aktivität der Amygdala dämpft und präfrontale Kontrollregionen beteiligt (Lieberman et al., 2007) und die Überblicksarbeit ordnet das Affektbenennen als implizite Emotionsregulation ein, die wirkt, ohne als Regulationsversuch aufzutreten (Torre & Lieberman, 2018). Wer präzise sagen kann, ob Enttäuschung, Kränkung oder Sorge im Raum steht, hat bereits vor jeder Technik reguliert.

Zweitens: Schreiben hilft — bescheiden, aber verlässlich. Das strukturierte Schreiben über belastende Erfahrungen verbessert Gesundheit und Befinden. Der klassische Befund umfasst wenige Schreibsitzungen von 15 bis 20 Minuten (Pennebaker, 1997). Die metaanalytische Bilanz über 146 randomisierte Studien beziffert den Effekt ehrlich: klein (r ≈ .08), aber robust und größer bei mehreren Sitzungen und privatem Rahmen (Frattaroli, 2006). Kein Wundermittel, aber ein kostenloses Werkzeug mit belegtem Erwartungswert.

Drittens: Abstand verändert die Rechnung. Sich selbst aus der Distanz betrachten. In Gedanken die eigene Lage wie ein wohlwollender Beobachter beschreiben, auch sprachlich in der dritten Person, reduziert Reaktivität und Grübelneigung bei der Verarbeitung belastender Erfahrungen (Kross & Ayduk, 2017). Es ist dieselbe Bewegung, die im Labor die stärkste Einzelwirkung zeigte: die distanzierende Variante der Neubewertung (Webb et al., 2012). Und es ist zugleich die Struktur des Selbstmitgefühls. Der Blick auf sich selbst wie auf einen Freund.

Viertens: Situationsgestaltung ist die unterschätzte Familie. Die wirksamste Regulation setzt oft an, bevor ein Gefühl entsteht. Bei der Auswahl und Veränderung von Situationen (Gross, 1998). Wer wiederkehrende Auslöser identifiziert und Lagen verändert, wo sie veränderbar sind, reguliert an der Quelle. Die Bewältigungsforschung bestätigt den Vorrang des problemorientierten Vorgehens bei kontrollierbaren Stressoren (Penley et al., 2002; Troy et al., 2013).

Fünftens: Andere Menschen sind Regulationsmittel erster Ordnung. Emotionsregulation ist kein Solo. Schon die Anwesenheit eines vertrauten Menschen verändert die neuronale Antwort auf Bedrohung. Im Experiment dämpfte die Hand des Partners die Bedrohungsreaktion und zwar umso stärker, je besser die Beziehungsqualität war (Coan, Schaefer & Davidson, 2006). Unterstützung zu suchen ist entsprechend keine Schwäche, sondern eine dokumentierte Bewältigungsfamilie (Carver et al., 1989) mit dem Zusatzbefund aus Kapitel 5, dass gewohnheitsmäßiges Verbergen von Gefühlen genau diese Ressource kostet (Srivastava et al., 2009).

Sechstens: Die Reihenfolge trägt die Last. Aus der Kette dieses Beitrags folgt eine Ordnung, die sich in den Trainingsprogrammen wiederfindet (Berking & Whitley, 2014; Linehan, 2015): erst wahrnehmen und benennen, was ist, dann die Haltung klären. Das Gefühl darf da sein, die Person steht nicht zur Verhandlung. Dann entscheiden, ob die Lage veränderbar ist und erst danach die Strategie wählen. Wer die Reihenfolge umkehrt und mit der Strategie beginnt, reguliert häufig gegen sich selbst mit den in Kapitel 5 bezifferten Kosten.

Ein kurzes Beispiel für diese Reihenfolge, wieder als zusammengesetzte Alltagsszene: Nach einer Absage auf eine Bewerbung, an der viel hing, beginnt der Abend mit dem Impuls, sofort „positiv zu denken” und scheitert daran. Die Reihenfolge würde anders beginnen. Erstens benennen: Das ist Enttäuschung, und darunter liegt Beschämung, weil andere von der Bewerbung wussten. Zweitens Haltung: Beides darf da sein. Wer sich beworben hat, hat sich exponiert. Die Gefühle sind der Preis des Versuchs, nicht der Beweis eines Mangels. Drittens Lageprüfung: An der Absage ist nichts zu ändern. Veränderbar sind die nächste Bewerbung, die Rückfrage nach Gründen, das Gespräch mit den Eingeweihten. Erst jetzt, viertens, die Strategie und plötzlich trägt auch die Neubewertung, die eine Stunde zuvor hohl klang: nicht als Beschwichtigung, sondern als Arbeitsauftrag. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern im Zeitpunkt; dieselben Werkzeuge wirken anders, je nachdem, ob sie gegen das Gefühl eingesetzt werden oder nach ihm. Zwei ehrliche Einschränkungen gehören zu diesen Prinzipien. Sie sind aus Gruppenbefunden abgeleitet und was im Mittel gilt, kann im Einzelfall anders liegen. Die Flexibilitätsforschung aus den Kapiteln 6 und 7 ist insofern auch eine Warnung vor jeder Einheitsempfehlung. Und sie sind Alltagsprinzipien für belastende, aber bewältigbare Lagen und keine Selbstbehandlung. Wo die Grenze verläuft, ist keine Stilfrage, sondern Gegenstand des nächsten Kapitels.

13. Wann Selbsthilfe nicht genügt: die klinische Schwelle

Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen sind zunächst keine Krankheit, sondern sie gehören zur Grundausstattung menschlichen Lebens und die Forschung dieses Beitrags handelt überwiegend von gesunden Menschen unter Belastung. Aber dieselbe Forschung zeigt, dass anhaltende Emotionsregulationsprobleme quer durch die Störungsbilder als Motor wirken (Aldao et al., 2010; Hayes et al., 1996). Es gibt deshalb Konstellationen, in denen Prinzipien und Selbsthilfe nicht mehr das Mittel der Wahl sind, sondern eine fachliche Abklärung: wenn gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder innere Leere über Wochen anhalten und den Alltag bestimmen. Wenn Angst so groß geworden ist, dass Vermeidung das Leben organisiert; wenn Grübelschleifen sich nicht mehr unterbrechen lassen; wenn Substanzen, Essen oder exzessives Verhalten die Funktion übernommen haben, Gefühle zu dämpfen; wenn Schlaf, Konzentration oder Leistungsfähigkeit deutlich und anhaltend einbrechen oder wenn das Umfeld sich hörbar Sorgen macht. Solche Zeichen begründen keine Selbstdiagnose. Sie begründen ein Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson.

Zu diesem Gespräch gehört auch das Wissen um die Wege dorthin, denn Unklarheit über das Versorgungssystem ist eine der häufigsten Hürden. Die hausärztliche Praxis ist eine gute erste Adresse: Sie kann körperliche Ursachen ausschließen, was bei anhaltender Erschöpfung oder Stimmungsveränderung immer dazugehört und in die weitere Versorgung lotsen. In Deutschland vermitteln die Terminservicestellen unter der Rufnummer 116 117 psychotherapeutische Sprechstunden, in denen eine erste fachliche Einschätzung erfolgt. Daneben stehen psychiatrische und psychosomatische Ambulanzen sowie niedergelassene Fachpraxen. Wartezeiten sind vielerorts Realität. Sie sind ein Argument dafür, früh mit der Klärung zu beginnen, nicht dafür, sie zu unterlassen. Und für die Zwischenzeit gilt das Prinzip aus Kapitel 12: Unterstützung im eigenen Umfeld zu aktivieren ist keine Notlösung, sondern eine belegte Bewältigungsform.

Die wichtigste Botschaft dieses Kapitels ist dabei keine Warnung, sondern eine Ermutigung: Behandlung wirkt. Die kognitive Verhaltenstherapie erreicht bei Depression — dem bestuntersuchten Anwendungsfall — über mehr als vierhundert randomisierte Studien deutliche und anhaltende Effekte. Von den Behandelten sprechen 42 Prozent an, gegenüber 19 Prozent in den Kontrollgruppen (Cuijpers et al., 2023). Die akzeptanz- und achtsamkeitsbasierten Verfahren stehen daneben als gleichwertige, gut belegte Wege (Gloster et al., 2020; Goldberg et al., 2018) und für wiederkehrende Depression existiert mit der achtsamkeitsbasierten Rückfallprophylaxe eine Option mit nachgewiesener Schutzwirkung (Kuyken et al., 2016). Niemand muss den Umgang mit den eigenen Gefühlen allein neu erfinden. Das ist vielleicht die praktischste Konsequenz aus fünfzig Jahren Emotions- und Bewältigungsforschung.

Ein Hinweis für den Ernstfall gehört an das Ende dieses Kapitels, unaufgeregt und klar: Wer Gedanken entwickelt, sich etwas anzutun, oder wessen Verzweiflung sich akut zuspitzt, sollte nicht auf Prinzipien und Beiträge wie diesen setzen, sondern sofort mit Menschen sprechen, deren Beruf das Zuhören in Krisen ist — in Deutschland ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar, bei akuter Gefahr der Notruf 112. Das ist kein Bruch mit dem Thema dieses Beitrags, sondern seine konsequenteste Anwendung: Hilfe anzunehmen ist eine Bewältigungsstrategie — eine der ältesten und wirksamsten.

14. Bilanz: die Weiche zwischen den Werkzeugen

Am Ende lässt sich die Architektur des Themas in wenigen Zeilen aufschreiben. Die Emotionsregulation stellt die Werkzeuge: fünf Familien von Ansatzpunkten mit einer belastbaren, aber kontextabhängigen Wirksamkeitshierarchie. Die Bewältigungsforschung stellt die Passungsregel: Nicht das Repertoire entscheidet, sondern die Abstimmung von Strategie und Situation. Veränderbare Lagen verlangen Veränderung, unveränderbare verlangen Anpassung. Und die Selbstakzeptanz stellt die Weiche davor: Sie bestimmt, ob innere Zustände als Information behandelt werden dürfen oder als Feinde behandelt werden müssen. Wer sich selbst zur Verhandlungsmasse macht, produziert sekundäre Emotionen, erzwingt Vermeidung und verliert genau die Flexibilität, an der Regulation und Bewältigung hängen. Wer die eigene Person aus dem Spiel nimmt (Verhalten bewerten, Person annehmen), hat weniger zu regulieren und kann besser wählen, womit.

Dass diese Weiche kein Charakterzug ist, sondern eine trainierbare Kompetenz, ist die vielleicht beste Nachricht der referierten Forschung: Akzeptanz wirkt experimentell als vollwertige Regulationsstrategie, Selbstmitgefühl lässt sich in strukturierten Programmen aufbauen und die evidenzbasierten Trainings führen beides nicht als Weisheit, sondern als Lehrplan. Der Ratgebermarkt behandelt Selbstakzeptanz, Emotionsregulation und Bewältigung als drei Themen. Die Forschung behandelt sie als ein System. Dieser Beitrag hat versucht, es als solches lesbar zu machen.

15. Häufige Fragen

Was versteht man unter Selbstakzeptanz?

Selbstakzeptanz ist die Bereitschaft, sich selbst als Person mit Stärken, Schwächen und Geschichte anzunehmen, ohne den eigenen Wert von Leistungen oder Urteilen anderer abhängig zu machen. Sie bedeutet nicht, alles am eigenen Verhalten gutzuheißen: Verhalten darf bewertet und verändert werden. Die Person als Ganzes steht nicht zur Verhandlung.

Ist Selbstakzeptanz nicht dasselbe wie ein hohes Selbstwertgefühl?

Nein. Das Selbstwertgefühl ist eine Bewertung der eigenen Person. Selbstakzeptanz ist der Verzicht darauf, den eigenen Wert überhaupt zur Abstimmung zu stellen. Die Forschung zeigt, dass beide zusammenhängen, aber trennbar sind und dass das ständige Verfolgen von Selbstwert dokumentierte Kosten für Lernen, Beziehungen und Selbstregulation hat.

Macht Selbstakzeptanz passiv oder bequem?

Die experimentellen Befunde sprechen dagegen: Eine selbstmitfühlende, annehmende Haltung nach Fehlern erhöhte in Studien die Verbesserungsmotivation. Menschen lernten länger und planten mehr Korrektur als nach Selbstwert-Aufbau oder in Kontrollbedingungen. Annehmen, was ist und verändern, was werden soll, schließen sich nicht aus. Das eine erleichtert das andere.

Was ist Emotionsregulation, einfach erklärt?

Emotionsregulation umfasst alles, womit Menschen beeinflussen, welche Gefühle sie haben, wann sie sie haben und wie sie sie erleben und zeigen. Das reicht von der Wahl und Gestaltung von Situationen über die Lenkung der Aufmerksamkeit und das Umdeuten von Bedeutungen bis zum Umgang mit einem bereits entstandenen Gefühl.

Warum ist Emotionsregulation so wichtig?

Weil anhaltende Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen quer durch die psychischen Störungsbilder als gemeinsamer Motor wirken: Grübeln, Vermeidung und Unterdrückung gehören zu den engsten bekannten Begleitern psychischer Belastung. Umgekehrt gehört ein flexibler, akzeptierender Umgang mit Emotionen zu den am besten belegten Schutzfaktoren.

Was sind Bewältigungsstrategien (Coping), einfach erklärt?

Bewältigungsstrategien sind alle Denk- und Verhaltensweisen, mit denen Menschen Anforderungen begegnen, die ihre Kräfte beanspruchen oder übersteigen. Klassisch unterscheidet man problemorientierte Bewältigung (die Lage verändern), emotionsorientierte Bewältigung (das eigene Erleben verändern) und Vermeidung. Keine Form ist pauschal gut oder schlecht. Entscheidend ist die Passung zur Situation.

Worin unterscheiden sich Emotionsregulation und Bewältigungsstrategien?

Es sind zwei Forschungstraditionen über weitgehend denselben Gegenstand: Die Bewältigungsforschung denkt vom Stressor her: Was tut ein Mensch gegen die Anforderung? Die Emotionsregulationsforschung geht von der Emotion aus: Was geschieht mit dem Gefühl? In der Praxis überlappen beide stark. Moderne Modelle betonen in beiden Feldern dasselbe Erfolgskriterium: Flexibilität statt Einheitsstrategie.

Der Artikel wurde am 01.08.2026 vom Dr. Bannwolf Research Team zuletzt inhaltlich und fachlich geprüft und weiterentwickelt. Nächster Prüf- und Updatetermin ist der 28.02.2027.

16. Literaturverzeichnis

Abler, B., & Kessler, H. (2009). Emotion Regulation Questionnaire — Eine deutschsprachige Fassung des ERQ von Gross und John. Diagnostica, 55(3), 144–152. https://doi.org/10.1026/0012-1924.55.3.144

Aldao, A., Nolen-Hoeksema, S., & Schweizer, S. (2010). Emotion-regulation strategies across psychopathology: A meta-analytic review. Clinical Psychology Review, 30(2), 217–237. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2009.11.004

A-Tjak, J. G. L., Davis, M. L., Morina, N., Powers, M. B., Smits, J. A. J., & Emmelkamp, P. M. G. (2015). A meta-analysis of the efficacy of acceptance and commitment therapy for clinically relevant mental and physical health problems. Psychotherapy and Psychosomatics, 84(1), 30–36. https://doi.org/10.1159/000365764

Berking, M., Ebert, D., Cuijpers, P., & Hofmann, S. G. (2013). Emotion regulation skills training enhances the efficacy of inpatient cognitive behavioral therapy for major depressive disorder: A randomized controlled trial. Psychotherapy and Psychosomatics, 82(4), 234–245. https://doi.org/10.1159/000348448

Berking, M., & Whitley, B. (2014). Affect regulation training: A practitioners’ manual. Springer. https://doi.org/10.1007/978-1-4939-1022-9

Berking, M., Wupperman, P., Reichardt, A., Pejic, T., Dippel, A., & Znoj, H. (2008). Emotion-regulation skills as a treatment target in psychotherapy. Behaviour Research and Therapy, 46(11), 1230–1237. https://doi.org/10.1016/j.brat.2008.08.005

Berking, M., & Znoj, H. (2008). Entwicklung und Validierung eines Fragebogens zur standardisierten Selbsteinschätzung emotionaler Kompetenzen (SEK-27). Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 56(2), 141–153. https://doi.org/10.1024/1661-4747.56.2.141

Bonanno, G. A., & Burton, C. L. (2013). Regulatory flexibility: An individual differences perspective on coping and emotion regulation. Perspectives on Psychological Science, 8(6), 591–612. https://doi.org/10.1177/1745691613504116

Breines, J. G., & Chen, S. (2012). Self-compassion increases self-improvement motivation. Personality and Social Psychology Bulletin, 38(9), 1133–1143. https://doi.org/10.1177/0146167212445599

Carver, C. S. (1997). You want to measure coping but your protocol’s too long: Consider the Brief COPE. International Journal of Behavioral Medicine, 4(1), 92–100. https://doi.org/10.1207/s15327558ijbm0401_6

Carver, C. S., Scheier, M. F., & Weintraub, J. K. (1989). Assessing coping strategies: A theoretically based approach. Journal of Personality and Social Psychology, 56(2), 267–283. https://doi.org/10.1037/0022-3514.56.2.267

Chamberlain, J. M., & Haaga, D. A. F. (2001a). Unconditional self-acceptance and psychological health. Journal of Rational-Emotive & Cognitive-Behavior Therapy, 19(3), 163–176. https://doi.org/10.1023/A:1011189416600

Chamberlain, J. M., & Haaga, D. A. F. (2001b). Unconditional self-acceptance and responses to negative feedback. Journal of Rational-Emotive & Cognitive-Behavior Therapy, 19(3), 177–189. https://doi.org/10.1023/A:1011141500670

Cheng, C., Lau, H.-P. B., & Chan, M.-P. S. (2014). Coping flexibility and psychological adjustment to stressful life changes: A meta-analytic review. Psychological Bulletin, 140(6), 1582–1607. https://doi.org/10.1037/a0037913

Coan, J. A., Schaefer, H. S., & Davidson, R. J. (2006). Lending a hand: Social regulation of the neural response to threat. Psychological Science, 17(12), 1032–1039. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2006.01832.x

Compas, B. E., Jaser, S. S., Bettis, A. H., Watson, K. H., Gruhn, M. A., Dunbar, J. P., Williams, E., & Thigpen, J. C. (2017). Coping, emotion regulation, and psychopathology in childhood and adolescence: A meta-analysis and narrative review. Psychological Bulletin, 143(9), 939–991. https://doi.org/10.1037/bul0000110

Crocker, J., & Park, L. E. (2004). The costly pursuit of self-esteem. Psychological Bulletin, 130(3), 392–414. https://doi.org/10.1037/0033-2909.130.3.392

Cuijpers, P., Miguel, C., Harrer, M., Plessen, C. Y., Ciharova, M., Ebert, D., & Karyotaki, E. (2023). Cognitive behavior therapy vs. control conditions, other psychotherapies, pharmacotherapies and combined treatment for depression: A comprehensive meta-analysis including 409 trials with 52,702 patients. World Psychiatry, 22(1), 105–115. https://doi.org/10.1002/wps.21069

Diedrich, A., Grant, M., Hofmann, S. G., Hiller, W., & Berking, M. (2014). Self-compassion as an emotion regulation strategy in major depressive disorder. Behaviour Research and Therapy, 58, 43–51. https://doi.org/10.1016/j.brat.2014.05.006

Ellis, A. (2005). The myth of self-esteem: How rational emotive behavior therapy can change your life forever. Prometheus Books.

Ellis, A., & Grieger, R. (Hrsg.). (1977). Handbook of rational-emotive therapy. Springer Publishing.

Ferrari, M., Hunt, C., Harrysunker, A., Abbott, M. J., Beath, A. P., & Einstein, D. A. (2019). Self-compassion interventions and psychosocial outcomes: A meta-analysis of RCTs. Mindfulness, 10(8), 1455–1473. https://doi.org/10.1007/s12671-019-01134-6

Folkman, S., & Moskowitz, J. T. (2004). Coping: Pitfalls and promise. Annual Review of Psychology, 55, 745–774. https://doi.org/10.1146/annurev.psych.55.090902.141456

Ford, B. Q., Lam, P., John, O. P., & Mauss, I. B. (2018). The psychological health benefits of accepting negative emotions and thoughts: Laboratory, diary, and longitudinal evidence. Journal of Personality and Social Psychology, 115(6), 1075–1092. https://doi.org/10.1037/pspp0000157

Ford, B. Q., & Troy, A. S. (2019). Reappraisal reconsidered: A closer look at the costs of an acclaimed emotion-regulation strategy. Current Directions in Psychological Science, 28(2), 195–203. https://doi.org/10.1177/0963721419827526

Frattaroli, J. (2006). Experimental disclosure and its moderators: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 132(6), 823–865. https://doi.org/10.1037/0033-2909.132.6.823

Gilbert, P. (2009). The compassionate mind: A new approach to life’s challenges. Constable & Robinson.

Gilbert, P. (2014). The origins and nature of compassion focused therapy. British Journal of Clinical Psychology, 53(1), 6–41. https://doi.org/10.1111/bjc.12043

Gloster, A. T., Walder, N., Levin, M. E., Twohig, M. P., & Karekla, M. (2020). The empirical status of acceptance and commitment therapy: A review of meta-analyses. Journal of Contextual Behavioral Science, 18, 181–192. https://doi.org/10.1016/j.jcbs.2020.09.009

Goldberg, S. B., Tucker, R. P., Greene, P. A., Davidson, R. J., Wampold, B. E., Kearney, D. J., & Simpson, T. L. (2018). Mindfulness-based interventions for psychiatric disorders: A systematic review and meta-analysis. Clinical Psychology Review, 59, 52–60. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2017.10.011

Gratz, K. L., & Roemer, L. (2004). Multidimensional assessment of emotion regulation and dysregulation: Development, factor structure, and initial validation of the Difficulties in Emotion Regulation Scale. Journal of Psychopathology and Behavioral Assessment, 26(1), 41–54. https://doi.org/10.1023/B:JOBA.0000007455.08539.94

Gross, J. J. (1998). The emerging field of emotion regulation: An integrative review. Review of General Psychology, 2(3), 271–299. https://doi.org/10.1037/1089-2680.2.3.271

Gross, J. J. (2015). Emotion regulation: Current status and future prospects. Psychological Inquiry, 26(1), 1–26. https://doi.org/10.1080/1047840X.2014.940781

Gross, J. J., & John, O. P. (2003). Individual differences in two emotion regulation processes: Implications for affect, relationships, and well-being. Journal of Personality and Social Psychology, 85(2), 348–362. https://doi.org/10.1037/0022-3514.85.2.348

Harris, M. A., & Orth, U. (2020). The link between self-esteem and social relationships: A meta-analysis of longitudinal studies. Journal of Personality and Social Psychology, 119(6), 1459–1477. https://doi.org/10.1037/pspp0000265

Hayes, S. C., Luoma, J. B., Bond, F. W., Masuda, A., & Lillis, J. (2006). Acceptance and Commitment Therapy: Model, processes and outcomes. Behaviour Research and Therapy, 44(1), 1–25. https://doi.org/10.1016/j.brat.2005.06.006

Hayes, S. C., Wilson, K. G., Gifford, E. V., Follette, V. M., & Strosahl, K. (1996). Experiential avoidance and behavioral disorders: A functional dimensional approach to diagnosis and treatment. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 64(6), 1152–1168. https://doi.org/10.1037/0022-006X.64.6.1152

Hofmann, S. G., Sawyer, A. T., Witt, A. A., & Oh, D. (2010). The effect of mindfulness-based therapy on anxiety and depression: A meta-analytic review. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 78(2), 169–183. https://doi.org/10.1037/a0018555

Inwood, E., & Ferrari, M. (2018). Mechanisms of change in the relationship between self-compassion, emotion regulation, and mental health: A systematic review. Applied Psychology: Health and Well-Being, 10(2), 215–235. https://doi.org/10.1111/aphw.12127

Kashdan, T. B., & Rottenberg, J. (2010). Psychological flexibility as a fundamental aspect of health. Clinical Psychology Review, 30(7), 865–878. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2010.03.001

Khoury, B., Lecomte, T., Fortin, G., Masse, M., Therien, P., Bouchard, V., Chapleau, M.-A., Paquin, K., & Hofmann, S. G. (2013). Mindfulness-based therapy: A comprehensive meta-analysis. Clinical Psychology Review, 33(6), 763–771. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2013.05.005

Kirby, J. N., Tellegen, C. L., & Steindl, S. R. (2017). A meta-analysis of compassion-based interventions: Current state of knowledge and future directions. Behavior Therapy, 48(6), 778–792. https://doi.org/10.1016/j.beth.2017.06.003

Kross, E., & Ayduk, O. (2017). Self-distancing: Theory, research, and current directions. Advances in Experimental Social Psychology, 55, 81–136. https://doi.org/10.1016/bs.aesp.2016.10.002

Kuyken, W., Warren, F. C., Taylor, R. S., Whalley, B., Crane, C., Bondolfi, G., Hayes, R., Huijbers, M., Ma, H., Schweizer, S., Segal, Z., Speckens, A., Teasdale, J. D., Van Heeringen, K., Williams, M., Byford, S., Byng, R., & Dalgleish, T. (2016). Efficacy of mindfulness-based cognitive therapy in prevention of depressive relapse: An individual patient data meta-analysis from randomized trials. JAMA Psychiatry, 73(6), 565–574. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2016.0076

Lazarus, R. S., & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal, and coping. Springer Publishing Company.

Leaviss, J., & Uttley, L. (2015). Psychotherapeutic benefits of compassion-focused therapy: An early systematic review. Psychological Medicine, 45(5), 927–945. https://doi.org/10.1017/S0033291714002141

Lieberman, M. D., Eisenberger, N. I., Crockett, M. J., Tom, S. M., Pfeifer, J. H., & Way, B. M. (2007). Putting feelings into words: Affect labeling disrupts amygdala activity in response to affective stimuli. Psychological Science, 18(5), 421–428. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2007.01916.x

Lindsay, E. K., & Creswell, J. D. (2017). Mechanisms of mindfulness training: Monitor and Acceptance Theory (MAT). Clinical Psychology Review, 51, 48–59. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2016.10.011

Linehan, M. M. (1993). Cognitive-behavioral treatment of borderline personality disorder. Guilford Press.

Linehan, M. M. (2015). DBT skills training manual (2. Aufl.). Guilford Press.

MacBeth, A., & Gumley, A. (2012). Exploring compassion: A meta-analysis of the association between self-compassion and psychopathology. Clinical Psychology Review, 32(6), 545–552. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2012.06.003

MacInnes, D. L. (2006). Self-esteem and self-acceptance: An examination into their relationship and their effect on psychological health. Journal of Psychiatric and Mental Health Nursing, 13(5), 483–489. https://doi.org/10.1111/j.1365-2850.2006.00959.x

Marsh, I. C., Chan, S. W. Y., & MacBeth, A. (2018). Self-compassion and psychological distress in adolescents — a meta-analysis. Mindfulness, 9(4), 1011–1027. https://doi.org/10.1007/s12671-017-0850-7

Neacsiu, A. D., Rizvi, S. L., & Linehan, M. M. (2010). Dialectical behavior therapy skills use as a mediator and outcome of treatment for borderline personality disorder. Behaviour Research and Therapy, 48(9), 832–839. https://doi.org/10.1016/j.brat.2010.05.017

Neff, K. D. (2003a). Self-compassion: An alternative conceptualization of a healthy attitude toward oneself. Self and Identity, 2(2), 85–101. https://doi.org/10.1080/15298860309032

Neff, K. D. (2003b). The development and validation of a scale to measure self-compassion. Self and Identity, 2(3), 223–250. https://doi.org/10.1080/15298860309027

Neff, K. D. (2023). Self-compassion: Theory, method, research, and intervention. Annual Review of Psychology, 74, 193–218. https://doi.org/10.1146/annurev-psych-032420-031047

Neff, K. D., & Germer, C. K. (2013). A pilot study and randomized controlled trial of the Mindful Self-Compassion program. Journal of Clinical Psychology, 69(1), 28–44. https://doi.org/10.1002/jclp.21923

Nolen-Hoeksema, S., Wisco, B. E., & Lyubomirsky, S. (2008). Rethinking rumination. Perspectives on Psychological Science, 3(5), 400–424. https://doi.org/10.1111/j.1745-6924.2008.00088.x

Orth, U., Robins, R. W., & Widaman, K. F. (2012). Life-span development of self-esteem and its effects on important life outcomes. Journal of Personality and Social Psychology, 102(6), 1271–1288. https://doi.org/10.1037/a0025558

Penley, J. A., Tomaka, J., & Wiebe, J. S. (2002). The association of coping to physical and psychological health outcomes: A meta-analytic review. Journal of Behavioral Medicine, 25(6), 551–603. https://doi.org/10.1023/A:1020641400589

Pennebaker, J. W. (1997). Writing about emotional experiences as a therapeutic process. Psychological Science, 8(3), 162–166. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.1997.tb00403.x

Rogers, C. R. (1959). A theory of therapy, personality, and interpersonal relationships, as developed in the client-centered framework. In S. Koch (Hrsg.), Psychology: A study of a science, Vol. 3: Formulations of the person and the social context (S. 184–256). McGraw-Hill.

Rogers, C. R. (1961). On becoming a person: A therapist’s view of psychotherapy. Houghton Mifflin.

Ryff, C. D. (1989). Happiness is everything, or is it? Explorations on the meaning of psychological well-being. Journal of Personality and Social Psychology, 57(6), 1069–1081. https://doi.org/10.1037/0022-3514.57.6.1069

Ryff, C. D., & Keyes, C. L. M. (1995). The structure of psychological well-being revisited. Journal of Personality and Social Psychology, 69(4), 719–727. https://doi.org/10.1037/0022-3514.69.4.719

Shallcross, A. J., Troy, A. S., Boland, M., & Mauss, I. B. (2010). Let it be: Accepting negative emotional experiences predicts decreased negative affect and depressive symptoms. Behaviour Research and Therapy, 48(9), 921–929. https://doi.org/10.1016/j.brat.2010.05.025

Skinner, E. A., Edge, K., Altman, J., & Sherwood, H. (2003). Searching for the structure of coping: A review and critique of category systems for classifying ways of coping. Psychological Bulletin, 129(2), 216–269. https://doi.org/10.1037/0033-2909.129.2.216

Sowislo, J. F., & Orth, U. (2013). Does low self-esteem predict depression and anxiety? A meta-analysis of longitudinal studies. Psychological Bulletin, 139(1), 213–240. https://doi.org/10.1037/a0028931

Srivastava, S., Tamir, M., McGonigal, K. M., John, O. P., & Gross, J. J. (2009). The social costs of emotional suppression: A prospective study of the transition to college. Journal of Personality and Social Psychology, 96(4), 883–897. https://doi.org/10.1037/a0014755

Torre, J. B., & Lieberman, M. D. (2018). Putting feelings into words: Affect labeling as implicit emotion regulation. Emotion Review, 10(2), 116–124. https://doi.org/10.1177/1754073917742706

Troy, A. S., Shallcross, A. J., & Mauss, I. B. (2013). A person-by-situation approach to emotion regulation: Cognitive reappraisal can either help or hurt, depending on the context. Psychological Science, 24(12), 2505–2514. https://doi.org/10.1177/0956797613496434

Watkins, E. R., & Roberts, H. (2020). Reflecting on rumination: Consequences, causes, mechanisms and treatment of rumination. Behaviour Research and Therapy, 127, 103573. https://doi.org/10.1016/j.brat.2020.103573

Webb, T. L., Miles, E., & Sheeran, P. (2012). Dealing with feeling: A meta-analysis of the effectiveness of strategies derived from the process model of emotion regulation. Psychological Bulletin, 138(4), 775–808. https://doi.org/10.1037/a0027600

Wenzlaff, R. M., & Wegner, D. M. (2000). Thought suppression. Annual Review of Psychology, 51, 59–91. https://doi.org/10.1146/annurev.psych.51.1.59

Wolgast, M. (2014). What does the Acceptance and Action Questionnaire (AAQ-II) really measure? Behavior Therapy, 45(6), 831–839. https://doi.org/10.1016/j.beth.2014.07.002

Wolgast, M., Lundh, L.-G., & Viborg, G. (2011). Cognitive reappraisal and acceptance: An experimental comparison of two emotion regulation strategies. Behaviour Research and Therapy, 49(12), 858–866. https://doi.org/10.1016/j.brat.2011.09.011

Zessin, U., Dickhäuser, O., & Garbade, S. (2015). The relationship between self-compassion and well-being: A meta-analysis. Applied Psychology: Health and Well-Being, 7(3), 340–364. https://doi.org/10.1111/aphw.12051