Transformentalization:
Das Rahmenkonzept
zur Gestaltung Ihres
Entwicklungsprozesses

Als wärs leicht und einfach.

Die Bad Kissinger Hütte vor Sonnenaufgang

Und trotzdem fundamental und tief.

Psychologie von Veränderungsprozessen: Persönliche Reifung von Kernkompetenzen

Lesedauer: ca. 30 min

Autor: Dr. Bannwolf Research Team unter der Leitung von Dr. Michael Bannwolf, MBA, 2x M. Sc., HP Psych, DOSB-Trainer-A

Zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert am 01.08.2026

Kurzfazit vorab

Bei der Entwicklung von ambitionierten Persönlichkeiten zeigt sich, dass es wichtig ist, die Person ganzheitlich in allen Bereichen ihres Lebens zu betrachten. Maßnahmen, die getroffen werden, müssen dieser Prämisse gerecht werden: Das Mindset von Entwicklung muss den Wechsel zu Themen, die nur indirekt mit der aktuellen Rolle zu tun haben, ausdrücklich integrieren. Wirkliche Weiterentwicklung ist ganzheitlich und hautnah an der individuellen Realität der Person auszurichten.

Weiterentwicklung braucht insbesondere psychologische Kernkompetenz: Wir liefern sie theoretisch und praktisch. Vorab, der Ausblick auf unsere einzigartige Wissensbasis: Online hier und in Persona: Dr. Bannwolf

Hier geht es direkt zur Übersicht, wie Top-Tier Entwicklungsprozesse und Persönlichkeitsentwicklung wirklich funktionieren: Ein Überblick der aus beiden Seiten kommt, vom Komplexen und vom Einfachen.

Einer der größten Herausforderungen bezüglich Entwicklungsprozessen ist, dass eine Perspektive der Komplexität nicht einfach zu erfassen ist und eine einfache Perspektive der Komplexität nicht Rechnung trägt. Der hier ausführlich besprochene Ansatz der Transformentalization zusammen mit einer Einordnung zwischen Komplexität und Einfachheit führt Sie direkt in das Thema Entwicklungsprozesse ein.

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Weil wir hier Entwicklungsprozess-Spezialisten sind und der Tiefe des Fachgebiets Rechnung tragen wollen, kommt nun hier sofort und direkt die ausführliche und umfassende Beschreibung, das Rationale, die Begründung und Einordnung des von Dr. Michael Bannwolf aus evidence-based, angewandter Forschung hergeleiteten und entwickelten Rahmenkonzepts der Transformantaliatzion.

Zusammenfassung

Diese Seite stellt Transformentalization als besonderes Tool für Entwicklungsprozesse von ambitionierten Persönlichkeiten dar. Für all die Personen, die weit mehr brauchen als den reinen Erwerb neuer Fähigkeiten. Ambitionierte Personen, wie zum Beispiel Unternehmer, Inhaber, Family officer oder erfolgreiche Führungskräfte in Unternehmen besitzen meist wichtige gesellschaftliche Funktionen. Was daraus an Anforderungen, Tätigkeit und Alltag entsteht ist eine zutiefst psychologisch geprägte Tätigkeit, deren Wirksamkeit maßgeblich von mentaler Stärke, Selbstregulation und sozial-relationaler Kompetenz abhängt. Vor diesem Hintergrund ist persönliche Weiterentwicklung als untrennbar mit persönlicher Reifung und innerer Stabilität verbunden. Das Kapitel führt mit Transformentalization ein integratives Entwicklungsmodell ein, das motivationale Energie, Prozesskompetenz und Mentalisierung systematisch miteinander verknüpft. Anhand theoretischer Fundierung wird gezeigt, wie professionelle Entwicklungsprozesse für ambitionierte Persönlichkeiten gestaltet werden können. Abschließend werden Handlungsempfehlungen für HR- und Entwicklungsverantwortliche abgeleitet.

Schlüsselwörter:

Transformentalization, Entwicklungsprozesse, persönliche Weiterentwicklung, ambitionierte Persönlichkeiten, Executives, Executive Coaching

1. Psychologie der Weiterentwicklung für ambitionierte Persönlichkeiten und Executives

In der angewandten Praxis wird Coaching oft als funktionaler Kompetenzaufbau verstanden – als Erwerb zusätzlicher Fähigkeiten, Methoden oder Fachkenntnisse. Für ambitionierte Persönlichkeiten, Executives und Senior Manager greift ein solches Verständnis jedoch zu kurz. Die Gestaltung des Alltags zwischen beruflicher, familiärer, und privater Rolle ist ein zutiefst psychologischer Prozess, insbesondere wenn komplexe Anforderungen wie Charisma, Authentizität, Unternehmertum, Leadership, persönliche Vorbildfunktion, Wertevermittlung und Gestaltung von Unternehmenskultur gefragt sind (Avolio & Yammarino, 2013; Kets De Vries, 2011). Dieser psychologische Prozess hängt maßgeblich von innerer Klarheit, emotionaler Stabilität und der Fähigkeit ab, komplexe Situationen zu strukturieren und tragfähige Beziehungen zu gestalten. Aktuelle Forschung zeigt daher übereinstimmend, dass wirkungsvolle Führung weniger von isolierten Skills abhängt als vom Zusammenspiel mentaler Stärke, Selbstregulation und sozial-relationaler Kompetenz (Martinez & Boyatzis, 2023; Sosik, Gentry, & Chun, 2012; Zaccaro, Green, Dubrow, & Kolze, 2018).

Gerade an der Spitze von Institutionen, Unternehmen, Family Offices und Organisationen reicht es nicht aus, Kompetenzen zu erwerben – sie müssen unter unsicheren, dynamischen und teils widersprüchlichen Bedingungen stabil verfügbar sein (Crossan, Vera, & Nanjad, 2008). Dies erfordert nicht nur methodische Fähigkeiten, sondern eine Form psychologischer Reifung, die es exponierten Persönlichkeiten ermöglicht, neue Kompetenzen zu integrieren, Ambivalenzen auszuhalten und innere Prozesse bewusst zu steuern (Dewar, Keller, & Malhotra, 2022; Hiller & Beauchesne, 2014).

Die zunehmende Komplexität organisationaler Umwelten verschärft diese Anforderungen zusätzlich. Verantwortliche, die nicht selten ihren Wohlstand und ihr Vermögen mit jeder Entscheidung maßgeblich beeinflussen, stehen vor der Aufgabe, strategische Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen, kulturell diverse Teams zu führen und Transformationen zu steuern, die gleichzeitig technologisch, sozial und emotional anspruchsvoll sind (Díaz-Fernández, González- Rodríguez, & Simonetti, 2020). Wer einmal im großen Stil oder im kleinen erlebt hat, was es bedeutet mit dem eigenen Vermögen investiert zu sein und eine Entscheidung treffen zu müssen, die nicht einfach und auch risikobehaftet ist, weiß: Es braucht weitaus mehr als nur die Fähigkeit ein Thema zu durchdringen, um langfristig ein erfülltes Leben mit viel Verantwortung und substanzieller Vermögensverantwortung zu führen. Nicht selten wären die Auswirkungen von Fehlentscheidungen nicht nur leicht dramatisch, sondern Katastrophen für Inhaberfamilien und eine Vielzahl von Angestellten.

Wer behauptet, dieser Thematik emotional und psychologisch „einfach so“ Rechnung zu tragen und „das schon irgendwie weg zu stecken“, der braucht Transformentalization noch mehr als diejenigen, die schon verstanden haben, was das „mit einem macht auf Dauer.“ „Da hilft Dir keiner der üblichen Psychologen, der auf seinem Discounterstuhl in einem spärlich dekorierten Raum mit Dir sitzt und Ikigai mit dir machen will, … tiefes lachen, haha“ sagte mal ein treuer Kunde der zum langjährigen Freund von Dr. Bannwolf wurde, als er aus Brasilien zurück war um dort mit einem Kunden zu verhandeln: „Was bin ich froh, Michael, dass Du mich verstehst, weil Du aus dem selben Holz geschnitzt bist. Ich hätte keine Lust hier mit so einem Theoretiker meine Zeit zu vergeuden, der selbst das alles nie erlebt und erfahren hat.“

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass erfolgreiche Executives kontinuierlich an professionellen Entwicklungsprogrammen teilnehmen, wobei die Passgenauigkeit teilweise schwer nachvollziehbar ist. Warum? Weil die wenigsten wirklich verstehen, was ambitionierte Persönlichkeiten wirklich brauchen. Wer hat schon Verständnis dafür, dass an einer Entscheidung die Zukunft der Familie wirklich hängt, nicht nur herbeitheoretisiert und Worst-Case-Scenario-geschmückt für Instagram? Das wahre Leben: Deal gemacht, schlechter Deal, Unternehmenszukunft gerät ins Wanken. „Michael, was dann?“. Eine Verzweiflungsphrase, die nicht selten zu hören ist, die Panik im Gesicht und im ganzen Körper lässt einen Mitgefühl bekommen, denn auf psychologischer Ebene geht es hier „um Leben und Tod“.

Studien belegen, dass regelmäßige, reflektierte Weiterentwicklung wesentlich dazu beiträgt, Führungsrollen im oberen Management professionell, verantwortungsvoll und mit der geforderten Exzellenz auszuüben (Athanasopoulou & Dopson, 2018; De Haan, Gray, & Bonneywell, 2019). Unternehmer, ambitionierte Persönlichkeiten und Executives brauchen das, und noch viel mehr.

2. Mechanismen von Weiterentwicklung für ambitionierte Persönlichkeiten und Executives

Dieser Abschnitt beleuchtet die psychologischen Grundlagen wirksamer Fähigkeiten für Menschen, auf die Standardlösungen nicht zutreffen. Klar ist dabei sofort, dass es nicht ausreicht, nur die unternehmerische oder firmenspezifische Rolle zu betrachten. Vielmehr braucht es einen Blickwinkel auf die ganze Person, deren berufliche Leistungsfähigkeit und die untrennbar damit zusammenhängenden weiteren Aspekte wie individuelle Ressourcen, Lebensumstände und persönliche Stabilität, Familie, und vieles mehr.

Während diese Dimensionen in klassischen Führungsmodellen häufig nur am Rande berücksichtigt werden, zeigt die aktuelle Forschung, dass persönliche Ressourcen, psychologische Belastbarkeit und private Lebensumstände maßgeblich prägen, wie Führungskräfte Lern-, Veränderungs- und Entwicklungsprozesse gestalten (Luthans, Avolio, Avey, & Norman, 2007; Seibert, Wang, & Courtright, 2011; Sonnentag & Fritz, 2015).

Ziel dieses Abschnitts ist es daher, die Verzahnung privater und professioneller Faktoren sichtbar zu machen und jene psychologischen Bereiche zu identifizieren, in denen gezielte Entwicklung möglich ist. Drei Kompetenzfelder stehen dabei im Mittelpunkt, da sie sowohl empirisch belegt als auch praktisch relevant für erfolgreiche Führung und nachhaltige Kompetenzentwicklung sind:

  • Führungskompetenz,
  • sozial-relationales Vermögen (Mentalisierung), und
  • mentale Stärke.

Die folgenden Unterabschnitte erläutern diese Kompetenzfelder und ihre Bedeutung für professionelle Weiterentwicklung im oberen Management.

2.1 Führungskompetenz und die Kompetenz sich selbst zu führen

Wirksame (Selbst-) Führung entsteht stets im Zusammenspiel persönlicher Ressourcen und situativer Anforderungen. Die Fähigkeit, unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben, Emotionen zu regulieren, soziale Komplexität zu verstehen und Entscheidungen verantwortlich zu treffen, ist eng an die psychische Stabilität der Person verbunden. Diese Ressourcen sind nicht statisch, sondern entwickeln sich über die Lebensspanne – und können durch professionelle Entwicklungsformate gezielt gestärkt werden.

Damit wird deutlich: Führung und Selbstführung für ambitionierte Persönlichkeiten ist nicht allein ein funktionaler, sondern ein zutiefst psychologischer Prozess. Die Qualität des Ergebnisses hängt entscheidend davon ab, wie gut die Person gelernt hat ihre inneren Dynamiken zu verstehen und weiterentwickeln. Es kommt also absolut zentral auf den durchlaufenen Entwicklungsprozess an, den eine Person hinter sich gebracht und durchlaufen hat.

Ein zentraler Ausgangspunkt für Kompetenzentwicklung für ambitionierte Persönlichkeiten und Executives ist daher die Frage, welche psychologischen Ressourcen benötigt werden, um komplexe Lern-, Veränderungs- und Transformationsprozesse wirksam zu steuern. Im Kontext von Unternehmertum, anspruchsvollen Aufgaben und multigenerationalen Systemen mit viel Verantwortung oder in CEO und Senior Management Kontexten ist dabei nicht nur relevant, wie sie Veränderung bei anderen gestalten, sondern wie gut sie solche Prozesse zunächst bei sich selbst durchlaufen können – also eigene Muster, Überzeugungen und Handlungslogiken reflektieren und weiterentwickeln.

Die Metaanalyse von Zaccaro et al. (2018) liefert eine empirisch fundierte Grundlage die es leichter macht, nachzuvollziehen, wie Führungskompetenz im Verlauf des Lebens erworben wird. Die Analyse zeigt, dass Führungskompetenz auf einem Zusammenspiel relativ stabiler Persönlichkeitsmerkmale und gezielt entwickelbarer kognitiver, emotionaler, motivationaler und sozial-relationaler Fähigkeiten beruht. Gerade diese entwickelbaren Fähigkeiten bilden den Kern psychologischer Selbsttransformation: Sie bestimmen, wie Führungskräfte mit Ambiguität umgehen, Entscheidungen treffen, Konflikte regulieren, Lernprozesse gestalten und unter Belastung stabil bleiben.

Abbildung 2 fasst diese Ursprungsfaktoren zusammen und verdeutlicht, dass wirksame Führung im Senior Management wesentlich davon abhängt, wie gut Führungskräfte ihre eigenen mentalen, emotionalen und sozialen Ressourcen kultivieren – denn nur durch diese innere Weiterentwicklung wird nachhaltiges Upskilling überhaupt möglich.

Abbildung 2:

Ursprungsfaktoren von Führungskompetenz: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zaccaro et al. (2018)

Auch wenn frühe Erfahrungen und stabile Persönlichkeitsmerkmale langfristige Wirkungen entfalten, zeigt die psychologische Forschung, dass zentrale Führungskompetenzen – etwa Selbstregulation, Reflexionsfähigkeit, Entscheidungslogik oder empathische Perspektivübernahme – durch systematische Entwicklungsmaßnahmen erheblich gestärkt werden können. Damit rücken jene Einflussfaktoren in den Vordergrund, die im beruflichen Lebenslauf aufgebaut, trainiert und stabilisiert werden können.

Abbildung 3 verdeutlicht die für die Entwicklung besonders relevanten Kompetenzbereiche.

Abbildung 3:

Besonders wichtige Entwicklungsbereiche: Darstellung in Anlehnung an Zaccaro et al. (2018)

Diese entwickelbaren Faktoren bilden die Grundlage für die Arbeit in einem Weiterentwicklungsprozess, denn nahezu jeder hat an der ein oder anderen Stelle Lern- oder Nachholbedarf, oder kann noch weiter an seiner Exzellenz bezüglich seiner Kompetenzen arbeiten. Gemeint ist der gezielte Ausbau von Fähigkeiten, die es Führungskräften ermöglichen, unter Unsicherheit klar zu handeln, komplexe Situationen zu interpretieren, Prioritäten zu setzen und die eigene Energie sowie Emotionen zu regulieren.

Die Entwicklung ambitionierter Persönlichkeiten folgt daher einer klaren Logik:

  • Es erfolgt die Arbeit individuell mit der Person um deren Kompetenzen zu verbessen
  • dies ermöglicht in den meisten Fällen eine andere Wirkung auf die Menschen im Umfeld, bessere Beziehungsgestaltung und eine zufriedenere und wohltuendere Art mit sich selbst umzugehen.

Diese Sequenz wird durch empirische Befunde gestützt: Sosik et al. (2012) zeigen, dass Integrität ein starker Einflussfaktor auf gute Beziehungen ist, da sie Vertrauen schafft, moralisches Handeln unterstützt und eine glaubwürdige Basis für psychologische Sicherheit legt – ein Schlüssel für gute zwischenmenschliche Beziehungen.

Persönliche Weiterentwicklung als psychologischer Prozess

Wie bereits zu Beginn des Kapitels erläutert, greift ein Verständnis von Persönlichkeitsentwicklung als reinem Erwerb zusätzlicher Fähigkeiten, Methoden oder Fachkenntnisse für ambitionierte Persönlichkeiten zu kurz. Entscheidend ist nicht allein, was Führungskräfte lernen, sondern welche psychologischen Ressourcen sie mitbringen, um neues Wissen unter komplexen und belastungsintensiven Bedingungen tatsächlich wirksam anzuwenden.

Psychologische Reifung ist Voraussetzung dafür, dass neu erworbene Kompetenzen unter realen Belastungsbedingungen stabil angewendet werden können. Fähigkeiten wie Selbstregulation, Entscheidungslogik, Emotionsmanagement und Reflexionsfähigkeit bestimmen maßgeblich die Qualität jeder Maßnahme.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass persönliche Reifung von ambitionierten Persönlichkeiten mit psychologischer Selbstentwicklung verbunden ist. Zwei psychologische Kompetenzbereiche schlagen dabei die Brücke zwischen den zuvor beschriebenen Ursprungsfaktoren und der praktischen Umsetzung von Entwicklungs- und Transformationsprozessen:

  • sozial-relationales Vermögen (Mentalisierung)
  • mentale Stärke

Beide befähigen Führungskräfte, sowohl ihre eigenen inneren Prozesse zu regulieren als auch Teamdynamiken differenziert zu verstehen und konstruktiv zu beeinflussen. Sie bilden damit die Verbindung zwischen allgemeinen Kompetenzmodellen und konkret beobachtbarer Führungswirksamkeit – insbesondere in Lern-, Entwicklungs- und Transformationsprozessen.

2.2 Sozial-relationales Vermögen (Mentalisierung)

Eine zentrale Grundlage wirksamer zwischenmenschlicher Kompetenz im Senior Management ist die Fähigkeit zur Mentalisierung – also die Kompetenz, eigene und fremde innere Zustände wahrzunehmen, zu verstehen und angemessen zu interpretieren (Choi-Kain & Gunderson, 2008). Mentalisierung ermöglicht Führungskräften, emotionale Signale realistisch einzuschätzen, Ambivalenzen im Team zu deuten und in sozialen wie organisatorisch komplexen Situationen differenziert zu handeln.

Forschung beschreibt Mentalisierung als einen metakognitiven Prozess, der gleichzeitig auf mehreren Ebenen wirkt (Wu, Liu, Hagan, & Mobbs, 2020), und sich in vier grundlegende Dimensionen einteilen lässt (Sharp & Bevington, 2024). Diese Dimensionen bilden ein dynamisches System, in dem Führungskräfte fortlaufend zwischen den Polen navigieren – je nach situativen Anforderungen.

Die vier Dimensionen der Mentalisierung

  1. Achtsamkeit vs. Empathie

Achtsamkeit bezeichnet die Fähigkeit, die eigenen inneren Prozesse im aktuellen Moment klar wahrzunehmen – ohne Ablenkung, Verzerrung oder Abwehr (Brown & Ryan, 2003). Empathie dagegen richtet den Fokus auf die Emotionalität des Gegenübers und umfasst das einfühlsame Verstehen fremder Gefühle (Cuff, Brown, Taylor, & Howat, 2016).


Beispiel: In kritischen Gesprächen muss eine Führungskraft sowohl die eigenen Reaktionen regulieren (Achtsamkeit) als auch die emotionale Lage des Gegenübers erfassen (Empathie).

  • Automatisch-intuitiv (implizit) vs. bewusst-reflektiert (explizit)

Mentale Prozesse können entweder automatisch-intuitiv (implizit) oder bewusst-reflektiert (explizit) ablaufen (Gigerenzer & Brighton, 2009; Kahneman, 2011). Die implizite Ebene entspricht dem schnellen, mühelosen, heuristisch gesteuerten Modus des Denkens – häufig als System 1 bezeichnet. Er ermöglicht unmittelbare Einschätzungen, ist jedoch anfällig für kognitive Verzerrungen.
Die explizite Ebene – System 2 – ist bewusst, langsam, analytisch und ressourcenintensiv. Sie wird dann benötigt, wenn Situationen komplex, emotional geladen oder strategisch bedeutsam sind.

Beispiel: Eine spontane intuitive Interpretation (System 1) kann im Alltag hilfreich sein; bei sensiblen Personalentscheidungen oder Konflikten erfordert die Situation hingegen eine kontrollierte, bewusste Analyse (System 2).

  • Affektiv vs. kognitiv

Affektive Mentalisierung beschreibt die Fähigkeit, emotionale Signale anderer unmittelbar wahrzunehmen und resonant mitzuerleben – eine Form des „emotionalen Einfühlens“.

Kognitive Mentalisierung hingegen bezieht sich auf die gedankliche Perspektivübernahme und die Fähigkeit, mentale Zustände anderer systematisch zu erschließen. Diese Fähigkeit wird in der psychologischen Forschung als „Theory of Mind“ bezeichnet: das Verstehen dessen, was andere denken, beabsichtigen oder glauben (Premack & Woodruff, 1978).


Beispiel: Wenn eine Mitarbeiterin besorgt wirkt, ermöglicht die affektive Ebene, ihre emotionale Spannung intuitiv zu erfassen. Die kognitive Ebene versucht hingegen zu verstehen, warum sie besorgt ist – etwa welche Annahmen, Erwartungen oder Interpretationen sie innerlich beschäftigt.

  • Innenorientiert vs. außenorientiert

Innenorientierte Mentalisierung fokussiert auf innere Gedanken, Gefühle und Impulse; die außenorientierte Dimension bezieht sich auf beobachtbare Signale wie Verhalten, Sprache oder Körpersprache.


Beispiel: Eine Führungskraft registriert einen eigenen Ärgerimpuls (innen) und gleichzeitig das sichtbare Zögern eines Teammitglieds (außen).

Warum diese vier Dimensionen entscheidend sind

Die Qualität der Mentalisierung ergibt sich aus dem situationsangemessenen Gleichgewicht zwischen diesen vier Achsen. In jeder Interaktion laufen alle Dimensionen gleichzeitig ab – und Führung wird nur dann wirksam, wenn die mentale Position zur konkreten Person-Situation-Interaktion passt (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4:

Mentalisierung: Gleichzeitigkeit von vier Kernebenen die entlang der Achse zwischen den jeweils gegenläufigen Polen entstehen

Mentalisierung als Voraussetzung für Selbstregulation und Beziehungsgestaltung

Die Entwicklung guter Mentalisierung setzt eine spezifische Grundhaltung voraus: Neugier, Offenheit, Non-Judgement und Präsenz im Moment. Diese Haltung schafft den inneren Raum, in dem mentale Prozesse bewusst wahrgenommen und reguliert werden können (Taubner, Fonagy, & Bateman, 2019).

Im Alltag ambitionierter Persönlichkeiten ist Mentalisierung deshalb zentral, weil sie zwei psychologische Schlüsselprozesse ermöglicht:
(1) Selbstregulation – die Grundlage für klare Entscheidungen, Energie- und Emotionssteuerung.
(2) Beziehungsgestaltung – die Fähigkeit, Vertrauen, psychologische Sicherheit und Lernbereitschaft im Team aufzubauen.

Damit ist Mentalisierung nicht nur ein Instrument des zwischenmenschlichen Verstehens, sondern vor allem ein zentrales Element im Entwicklungsprozess für Executives und ambitionierte Persönlichkeiten: Mentalisierungsverbesserung führt dazu Emotionen, Impulse und Bewertungsmuster noch frühzeitiger wahrzunehmen – und dadurch klarer, stabiler und reflektierter zu handeln. Erst diese innere Selbstentwicklung schafft die Voraussetzungen dafür, dass auch die Lern- und Reskilling-Prozesse von Mitmenschen und Mitarbeitern wirksam unterstützt werden können: indem sie Lernwiderstände früh erkennen, Unsicherheiten differenziert adressieren und ein Klima psychologischer Sicherheit herstellen, in dem Kompetenzentwicklung überhaupt möglich wird.

Die Relevanz von Mentalisierung für ambitionierte Persönlichkeiten und Executives zeigt sich besonders im Zusammenhang mit psychologischer Stabilität und mentaler Stärke. Ohne die Fähigkeit, eigene innere Zustände und soziale Dynamiken realistisch wahrzunehmen und zu interpretieren, können weder Emotionen angemessen reguliert noch komplexe Situationen verlässlich gesteuert werden. Mentalisierung schafft damit das Fundament für die Bewältigung anspruchsvoller Führungsrollen und zugleich den Ausgangspunkt für die Entwicklung mentaler Stärke, auf die der nächste Abschnitt eingeht. Beide Bereiche greifen ineinander und bilden die Basis für nachhaltige Kompetenzentwicklung.

Zusammenfassung: Was ist Mentalisierung

Mentalisierung bezeichnet die Fähigkeit, die eigenen sowie die inneren Zustände anderer – etwa Gefühle, Motive und Intentionen – wahrzunehmen und zu verstehen. Sie umfasst bewusste und unbewusste Prozesse und bildet die Grundlage für reflektiertes Selbstmanagement und differenzierte Interaktionen in komplexen Situationen (Choi-Kain & Gunderson, 2008; Wu et al., 2020).

2.2 Mentale Stärke als verbindendes Element zwischen Motivation und Handlung

Mentale Stärke ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Führungskräfte die im Senior Management geforderten Lern-, Veränderungs- und Transformationsprozesse wirksam gestalten können. Während Mentalisierung das Verständnis innerer und sozialer Prozesse ermöglicht, beschreibt mentale Stärke die Fähigkeit, unter Druck handlungsfähig zu bleiben, Entscheidungen klar zu treffen und ambitionierte Ziele trotz Widerständen konsequent zu verfolgen.

Damit verbindet mentale Stärke Selbstregulation, Belastbarkeit und zielgerichtetes Handeln – psychologische Fähigkeiten, die insbesondere in dynamischen, unsicheren und hochverantwortlichen Kontexten entscheidend sind (D. Gucciardi, 2020). Für nachhaltiges Upskilling bedeutet dies: Neue Kompetenzen werden nur dann wirklich verfügbar, wenn Führungskräfte über die psychischen Ressourcen verfügen, sie auch unter realen Belastungsbedingungen anzuwenden und aufrechtzuerhalten.

Auf Grundlage empirischer Forschung hat Bannwolf (2022) hierfür ein evidenzbasiertes Modell entwickelt, das mentale Stärke im Senior Management in drei zentrale Säulen gliedert:

  • motivationale Energie,
  • Prozesskompetenz zur Zielerreichung und
  • sozial-relationale Kompetenz.

Abbildung 5 veranschaulicht diese Struktur und zeigt, welche psychologischen Mechanismen eine stabile, wirksame und entwicklungsorientierte Führung ermöglichen.

Abbildung 5:

Die drei Säulen von mentaler Stärke in Veränderungsprozessen für Kompetenzaufbau und Exzellenz und ihre Facetten (Bannwolf, 2022):

Im Folgenden werden zentrale psychologische Grundlagenmodelle vorgestellt, die dazu beitragen, mentale Stärke in ihren drei Dimensionen präziser zu verstehen. Vertieft werden jene Grundlagen, die den im Modell dargestellten Kompetenzen zugrunde liegen. Da die sozial-relationalen und zwischenmenschlichen Aspekte zuvor bereits erläutert wurden, liegt der Schwerpunkt nun auf motivationaler Energie und Prozesskompetenz als Voraussetzungen wirksamer Zielerreichung.

Motivationale Energie

Dass motivationale Energie in der Forschung als Kernelement mentaler Stärke im Top-Management identifiziert wurde, ist wenig überraschend. Auf klassische Konzepte der Motivationspsychologie – etwa Maslows Bedürfnispyramide (1954), Kuhls Unterscheidung zwischen Situations- und Handlungsorientierung (1983) oder die Differenzierung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation – wird an dieser Stelle nicht im Detail eingegangen.

Entscheidend ist ein Perspektivwechsel: Mentale Stärke entsteht nicht durch „Lifehacks“, kurzfristige Motivationsimpulse oder vermeintliche Abkürzungen. Viele Führungskräfte verfügen über hohe Ressourcen und große Handlungsspielräume – dennoch gelingt es ihnen häufig nicht, belastende Muster nachhaltig zu verändern. Warum?

Ein zentraler Ausgangspunkt liegt im Verständnis, dass Motivation stets im Zusammenspiel von Person und Situation entsteht (Heckhausen & Heckhausen, 2018). Menschen bringen bewusste und unbewusste Bedürfnisse, Wünsche und Ziele mit, die auf situative Anforderungen, Möglichkeiten und Anreize treffen. Aus dieser Person-Situation-Interaktion ergeben sich Handlungen und deren Resultate. Diese Resultate wiederum beeinflussen langfristige Ziele, die Selbstbewertung, die Bewertung durch andere sowie materielle Belohnungen oder soziale Konsequenzen. Dieses Grundmodell bietet eine wesentliche Basis für Interventionen, die Klarheit schaffen und gezielte Veränderung ermöglichen.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Unterscheidung zwischen motivationalen und volitionalen Zuständen, die jeweils unterschiedliche emotionale und kognitive Prozesse auslösen. Das Rubikon Model (Gollwitzer, 1995) bietet hier eine hilfreiches Rahmenkonzept, um Motivation und Handeln besser zu verstehen (siehe Abbildung 6).

Abbildung 6:

Motivationale und Volitionale Zustände (Gollwitzer, 1995) eigene Darstellung in Anlehnung an (Deimann, 2005)

Zusammenfassung: Was ist Motivation?

Motivation bedeutet, ein Ziel erreichen zu wollen. Volition hingegen beschreibt die Fähigkeit, die notwendigen Handlungen konsequent umzusetzen, um das Ziel tatsächlich zu realisieren.

Im übertragenen Sinne bedeutet dies, den „Rubikon zu überschreiten“ – also den Schritt vom Denken zum Handeln zu vollziehen. Der erste wesentliche Ansatzpunkt für Interventionen liegt jedoch davor: bei der Frage, wie kongruent Ziele mit eigenen Werten, Motiven und der intrinsischen Motivation sind (Sheldon, 2014). Je stärker ein Ziel dem inneren Antrieb entspricht, desto leichter fällt seine Umsetzung.

Besteht diese Klarheit, beginnt die Phase des Handelns. In dieser Phase werden Absichten gefasst, konkrete Schritte geplant und dabei die verfügbaren Ressourcen berücksichtigt (Kruglanski et al., 2018). Realistische Pläne und eindeutige Entscheidungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass zielgerichtete Handlungen tatsächlich ausgeführt werden.

In komplexen Alltagssituationen ist der konsequente Übergang vom Wollen zum Handeln zentral. Ein ständiges Zurückwechseln zwischen motivationalen und volitionalen Zuständen ist anstrengend und ineffektiv. Zielorientiertes Handeln gelingt am zuverlässigsten, wenn die vorangehenden Schritte – Zielwahl, Planung und Ressourcenabgleich – stimmig zur jeweiligen Person-Situation-Interaktion passen.

Besonders herausfordernd sind Ziele, die über längere Zeit hohe Anforderungen stellen. Hier ist entscheidend zu verstehen, dass Willenskraft eine begrenzte Ressource ist, die sich erschöpft und regenerieren muss. Das Konzept der Ego Depletion verdeutlicht, dass mentale Energie ähnlich wie ein Muskel ermüdet (Inzlicht and Schmeichel (2012). Wer im Alltag stark beansprucht ist – etwa durch berufliche Belastungen, familiäre Anforderungen oder organisatorische Komplexität – verfügt daher oft über weniger Kapazität für zielgerichtetes Handeln. Dann scheitern Selbstregulation und Weiterentwicklung nicht am „Wollen“, sondern an fehlender Energie.

Damit wird deutlich: Regeneration ist eine Voraussetzung dafür, um überhaupt Veränderungsenergie freisetzen zu können. Achtsamkeit und Energy Management sind daher keine Modebegriffe, sondern zentrale Bausteine von Kompetenz, Leistungsfähigkeit und Exzellenz (Smyth, Werner, Milyavskaya, Holding, & Koestner, 2020). Achtsamkeit bezeichnet die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und gezielt Bedingungen für Fokus und Kraft zu schaffen – unterstützt durch Methoden wie Atemtechniken, Body-Scan, Meditation oder achtsame Bewegung.

Energy Management heißt, Ressourcen so einzusetzen, dass sie dort wirken, wo sie am wichtigsten sind. Wie Spitzensportler benötigen auch Executives systematische Erholung und Balance (Loehr and Schwartz, 2001). Besonders im Senior Management ist dies ein wiederkehrender Handlungsbedarf: Wohlbefinden entsteht, wenn Belastung, Regeneration und Selbstfürsorge in einem gesunden Verhältnis stehen – und wenn negativer Stress frühzeitig reguliert wird (vgl. Kets De Vries, 2011).

Zusammenfassung: Was ist motivationale Energie?

Motivationale Energie entsteht dann, wenn Ressourcen bewusst und gezielt für persönlich bedeutsame Ziele eingesetzt werden. Darin liegt der Schlüssel wirksamer Interventionen: Sie erhöhen motivationale Energie, indem sie Führungskräfte dabei unterstützen, ihre Ressourcen konsequent auf das auszurichten, was für sie tatsächlich wichtig ist.

Obwohl Maßnahmen zur Verbesserung der Zielerreichungskompetenz bislang vergleichsweise untererforscht und untertheorisiert sind (Greif & Benning-Rohnke, 2015; Mueller & Kotte, 2020), lassen sich dennoch wirksame Interventionshebel identifizieren. Die Praxis zeigt, dass die zuvor beschriebenen Modelle und Methoden einen unmittelbaren Zugang eröffnen. Zentral ist zunächst die Klärung dessen, was die Essenz zielorientierter Selbstregulation ausmacht – also der Kernprozesse, die Menschen einsetzen, wenn ein Ziel tatsächlich verfolgt wird.

Grant (2020) fasst diesen Prozess in fünf Schritten zusammen:

  1. Genaue Identifikation der Umstände (→ siehe motivationale Energie)
  2. Formulierung des Ziels
  3. Erarbeitung eines konkreten Aktionsplans
  4. Umsetzung des Plans
  5. Evaluation des Ergebnisses – Erfolg oder Scheitern

Der entscheidende Hebel liegt dabei in Schritt 4: der Planumsetzung. Sie erfordert kontinuierliches Monitoring – also die genaue Beobachtung, welche Handlungen der Zielerreichung dienen und welche nicht. Funktionales Verhalten wird verstärkt, hinderliches Verhalten modifiziert. Damit fasst Grants Modell eine breite psychologische Forschungstradition zu Zielen und Selbstregulation zusammen (Aarts & Elliot, 2012; de Wit & Dickinson, 2009; Heckhausen & Gollwitzer, 1987; Kruger & Dunning, 1999; Vandewalle, Nerstad, & Dysvik, 2019; Wolff, Bieleke, & Schüler, 2019).

Modelle wie SMART Goals sind daher keine banalen Standardwerkzeuge, sondern eine logische Ableitung aus diesen Grundlagen. Spezifische, messbare, attraktive, realistische und zeitlich definierte Ziele übersetzen komplexe Entwicklungsprozesse in handhabbare Schritte. Für einfache Ziele sind sie hilfreich; für anspruchsvolle Ziele sind sie essenziell – denn Zielerreichung besteht letztlich darin, konsequent jene Handlungen auszuführen, die dem Ziel näherbringen, selbst wenn die Schritte klein sind (Gollwitzer & Sheeran, 2006).

In der Praxis berichten erfolgreiche Menschen – ob Senior Manager, Unternehmer oder Spitzensportler – häufig von derselben Erfahrung: Es ist eine Kunst, Rückschläge auszuhalten, sich zu erholen und weiterzugehen (Clough, Strycharczyk, & Perry, 2021). Jeder Misserfolg enthält ein Stück Lernfortschritt; über die Zeit entsteht daraus echte Veränderung. Damit schließt sich der Kreis und der Blick richtet sich zurück auf den Ausgangspunkt: mentale Stärke.

Mentale Stärke beschreibt die psychische Energie einer Person, die es ihr ermöglicht Widerstände zu überwinden und die Anforderungen zur Erreichung anspruchsvoller Ziele zu erfüllen (Bull, Shambrook, James, & Brooks, 2005; Gucciardi, 2020). Sie wird maßgeblich beeinflusst durch Faktoren, die sich mit Interventionen stärken lassen (vgl. Bannwolf, 2022):

  1. Die Kongruenz des Ziels zur intrinsischen Motivation und zur authentischen Identität
  2. Die Kapazität, Emotionen und Aufmerksamkeit zu regulieren
  3. Die Resilienz der Person und deren langfristige Pflege
  4. Die Verfügung über ausreichende Ressourcen
  5. Biografische Erfahrungen, Prägungen, Beziehungsmuster und weitere psychologische Mechanismen

Die zuvor in Abbildung 5 dargelegten Facetten bilden eine systematische Grundlage zur Beurteilung mentaler Stärke ambitionierter Persönlichkeiten und entsprechen jenen, die auch in anderen High-Performance Kontexten identifiziert werden.

Zusammenfassung: Das „einmal mehr Aufstehen“-Prinzip

Das „Einmal mehr Aufstehen“-Prinzip zeigt deutlich, was es benötigt, um anspruchsvolle Ziele zu erreichen (vgl. Gucciardi, Hanton, Gordon, Mallett, & Temby, 2015). Entscheidend ist die Fähigkeit, sich immer wieder zu überwinden, Tiefphasen zu durchstehen, Durststrecken auszuhalten und so lange dranzubleiben, bis man dem gewünschten Zustand näherkommt. Dieses „einmal mehr aufstehen als hinfallen“ bildet einen zentralen Kern mentaler Stärke.

Wie entsteht Durchhaltevermögen und mentale Stärke? Im Kern dadurch, dass einzelne Lebensbereiche schrittweise sortiert, organisiert und ausgerichtet werden, sodass Handeln im Einklang mit dem eigenen authentischen Selbst möglich wird. Welche Möglichkeiten hierfür bestehen, wird im Folgenden näher dargestellt.

3. Angemessenheit von gängigen Interventionsformen

3.1 Die drei psychologischen Tiefenebenen professioneller Interventionen

Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung sind häufig weniger direkt, sichtbar oder oberflächlich, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Um diese Komplexität verständlich zu machen, wird oft auf Modelle wie das Eisbergmodell verwiesen, die verdeutlichen, dass unterbewusste und tiefenpsychologische Prozesse einen großen Einfluss haben.

Zur Reduktion der Komplexität werden im Folgenden drei zentrale psychologische Ebenen erläutert, die den Tiefegrad professioneller Interventionen bestimmen. Sie bilden die Grundlage dafür, Entwicklungsprozesse im Senior Management – ebenso wie in anderen Kontexten – wirksam zu gestalten. Der Zusammenhang ist in Abbildung 7 dargestellt und gilt grundsätzlich für alle Formen professioneller Interventionen.

Abbildung 7:

Schematischer Vergleich der drei generischen psychologischen Tiefenebenen

Die drei psychologischen Ebenen unterscheiden sich darin, welche Mechanismen der Veränderung jeweils adressiert werden:

  • Die alltagspsychologische Ebene umfasst bewusste Gedanken, Routinen und unmittelbare Handlungen. Sie bildet die oberste Schicht des Modells und entspricht den sichtbaren Bereichen des Eisbergmodells – jenen Aspekten also, die leicht zugänglich, direkt beobachtbar und intuitiv verständlich sind.
  • Die verhaltenspsychologische Ebene rückt automatische Muster und emotionale Steuerungsprozesse in den Mittelpunkt. Sie umfasst Verhaltensroutinen, Gewohnheiten und implizite Reaktionsmuster, die sich über lange Zeit verfestigt haben. In diesem Bereich stellt sich die zentrale Frage, wie dysfunktionale Verhaltensweisen durch gesündere, effizientere oder zielführendere Alternativen ersetzt werden können.

    Dass echte Verhaltensänderung anspruchsvoll ist, zeigen alltägliche Beispiele wie Gewichtsreduktion, Rauchstopp oder Neujahrsvorsätze: Routinen sind tief verankert und lassen sich nicht „einfach so“ verändern – selbst dann, wenn die kognitive Einsicht längst vorhanden ist.

    Auf dieser Ebene kommen Modelle der Verhaltensänderung sowie verhaltenstherapeutische Ansätze zum Einsatz. Ihr Ziel ist es, langfristige Veränderungen schrittweise und realistisch zu gestalten. Motivationale Energie, Prozesskompetenz und verfügbare Ressourcen spielen dabei eine zentrale Rolle. Dennoch treten in der Praxis häufig innere Hindernisse oder Sackgassen auf, die nicht unmittelbar sichtbar sind.
  • Die tiefenpsychologische Ebene schließlich betrifft die grundlegenden inneren Strukturen und lebensgeschichtlich entstandenen Dynamiken eines Menschen. Im Mittelpunkt steht das Gesamtsystem Mensch – einschließlich seiner psychischen Dynamiken, Ressourcen, seines lebenslangen Entwicklungspfads und seiner systemischen Einbettung. Diese Ebene umfasst die Arbeit an grundlegenden Mechanismen wie emotionaler Wahrnehmung, Emotionsregulation, frühen Mustern und Prägungen, Bindungserfahrungen oder traumatischen Belastungen.

    Zentral ist dabei die Kongruenz zwischen innerem Erleben und äußerem Verhalten. Das äußere Geschehen tritt dabei in den Hintergrund; entscheidend ist das innere Erleben, psychische Kohärenz und ein authentisches, selbstkongruentes Handeln. Dadurch entsteht ein „Regulationsmomentum“ zwischen Situation, innerer Haltung und Handlung.

    Eine Person, die auf dieser Ebene innerlich gefestigt ist, handelt nicht aus Angst vor Bewertung, sondern aus einer Haltung von Klarheit, Selbstfürsorge und innerer Stimmigkeit. Tiefenpsychologische Gesundheit ist dabei das Gegenteil von Egoismus oder Narzissmus: Sie ermöglicht ein Leben im Einklang mit sich selbst und der sozialen Umwelt.

Die Person-Situation-Interaktion liefert ein zentrales Kriterium: Eine Intervention ist dann angemessen, wenn sie dem psychologischen Tiefengrad des jeweiligen Falls entspricht. Deshalb ist es wichtig, die Vielzahl an Interventionsformen systematisch zu unterscheiden und gezielt auszuwählen (Brunning, 2006). Tabelle 1 bietet einen Überblick über relevante Auswahlkriterien.

Tabelle 1:Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen am Markt verfügbaren Angeboten von Experten

Im Folgenden liegt der Fokus auf Executive Coaching als zentraler Interventionsform im Senior Management.

3.2 Executive Coaching als zentrale Interventionsform im Senior Management

Im Senior Management und für ambitionierte Persönlichkeiten ist Executive Coaching eine der wirksamsten und am häufigsten eingesetzten Interventionsformen (Grant, 2006). Damit Coaching Wirkung entfalten kann, braucht es drei Grundvoraussetzungen (vgl. Correia, dos Santos, & Passmore, 2016; Kotte, Hinn, Oellerich, & Möller, 2016):
(1) eine tragfähige Entwicklungsbeziehung,
(2) die aktive Mitarbeit der Führungskraft und
(3) eine klare Definition von Rollen, Zielen und Kernauftrag

Als Sparringpartner auf Augenhöhe benötigt Executive Coaching eine Fachperson, die psychologische Mechanismen, menschliches Verhalten und zwischenmenschliche Dynamiken so gut versteht, dass sie jederzeit auf allen relevanten Tiefebenen arbeiten kann, um einen optimalen Entwicklungsprozess zu ermöglichen (vgl. Pandolfi, 2020).

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Beratung besteht darin, dass im Coaching keine Ratschläge gegeben werden. Stattdessen wird die Selbsterkenntnis der Klient:innen durch strukturierte Reflexionsprozesse vertieft. Executive Coaching wird häufig als klientenzentrierte Lern- und Entwicklungsintervention definiert, die darauf abzielt, Potential, Motivation und Weiterentwicklung zu maximieren (Lai & Palmer, 2019, p. 145). Laut der International Coaching Federation (ICF, 2020) gewinnt diese Form der Entwicklung global weiter an Bedeutung und zeigt hohe Wachstumsraten: Sie gilt heute als eines der zentralen Instrumente im Human Ressource Development.

Executive Coaching findet üblicherweise als professionelle Eins-zu-eins-Beziehung mit externen Spezialist:innen statt (Grant, 2014). De Haan and Nieß (2015) beschreiben Coachingprozesse als mehrschichtige Arbeit – ähnlich dem Schälen einer Zwiebel:

  • die äußerste Schicht betrifft Verhalten,
  • darunter liegen relationale Fähigkeiten,
  • Wissen,
  • Einstellungen,
  • und auf der tiefsten Ebene Werte sowie Grundüberzeugungen.

Wirksame Coachinginterventionen arbeiten gezielt auf jenen Ebenen, auf denen Veränderung möglich und sinnvoll ist.

Über die Vielfalt der Methoden hinweg lassen sich typischerweise vier Zielrichtungen unterscheiden (de Haan, 2019):

  • personenzentriert,
  • problemzentriert,
  • erkenntniszentriert,
  • lösungszentriert.

In einer umfassenden und vielzitierten Literaturanalyse identifizieren Lai and Palmer (2019) vier Kompetenzbereiche, die sich über 234 empirische Studien hinweg als zentral für professionell agierende Coaches herausstellen:

Interpersonelle Fähigkeiten & emotionale Klärung

  • emotionaler Support
  • Kommunikationskompetenz
  • Umgang mit kritischen Momenten
  • Empathie

Förderung von Lernen

  • Bereitschaft zu helfen
  • Hilfe zur Selbsthilfe
  • Schaffung einer förderlichen Lernumgebung

Motivationsstärkung

  • Verstärkung positiver Motivation
  • Unterstützung beim Überwinden hinderlicher Gedankenmuster

Beziehungsaufbau

  • Authentizität
  • Vertrauen und Rapport

Die Verbindung von Executive Coaching und therapeutischen Elementen ist naheliegend und entspricht der ursprünglichen Konzeption dieser Interventionsform. Bereits Kilburg (2000) betonte die Bedeutung psychodynamischer Aspekte, Prozesskompetenz und der Komplexität von Führungsthemen. Auch deutschsprachige Pioniere wie Boening (2015), Rauen (2021) und ihre Nachfolger:innen verweisen konsequent darauf, dass psychologische Handlungskompetenz zentral ist. Im Mittelpunkt steht die professionelle Begleitung eines tiefgreifenden, selbstgesteuerten Erkenntnis- und Entwicklungsprozesses (de Haan, 2021).

Damit wird deutlich: Wirksame Weiterentwicklung im Senior Management setzt eine breite methodische Expertise voraus, die auf fundierter psychologischer Ausbildung, professioneller Supervision und umfangreicher Erfahrung basiert. Erfahrene Coaches greifen daher – je nach Ziel, Kontext und psychologischem Tiefengrad des Anliegens – auf unterschiedliche wissenschaftlich fundierte Rahmenkonzepte zurück.

3.3 Relevante Rahmenkonzepte im Executive Coaching

Wie bereits deutlich wurde, besteht die zentrale Anforderung an ein wirksames Rahmenkonzept darin, dass Tiefe und Ausrichtung einer Intervention flexibel an den jeweiligen Fall angepasst werden können. Die Praxis zeigt, dass besonders wirksame Entwicklungsprozesse häufig:

  • Mischformen nutzen oder
  • flexibel zwischen mehreren Interventionsebenen wechseln,

um der Komplexität des Einzelfalls gerecht zu werden.

Unabhängig vom Ansatz gilt:

  • Die Fähigkeit, professionelle Entwicklungsgespräche zu führen und
  • Interventionen situationsgerecht auszuwählen.

Vor diesem Hintergrund bietet Tabelle 2 einen Überblick über etablierte Rahmenkonzepte für persönliche Weiterentwicklung. Sie verdeutlicht, dass Executive Coaching als professionelle Praxis auf einer Vielzahl wissenschaftlich fundierter Paradigmen aufbaut – von psychodynamischen Modellen über verhaltenstherapeutische Ansätze bis hin zu systemischer und konstruktivistischer Perspektive.

Tabelle 2: Bekannte und wichtige Rahmenkonzepte für persönliche Weiterentwicklung im Überblick

Bevor Abschnitt 4 das integrative Konzept der Transformentalization detailliert entfaltet, werden im Folgenden die wichtigsten weiteren Rahmenkonzepte kurz vorgestellt – beginnend mit der Tiefenpsychologie.

Tiefenpsychologie

In der tiefenpsychologischen Arbeit erfolgt Veränderung durch Bewusstwerdung, emotionale Integration und das Verstehen der eigenen inneren Dynamiken. Der psychodynamisch-psychotherapeutische Ansatz geht davon aus, dass sich Individuen auf einem Kontinuum zwischen psychologischer Gesundheit und Belastung bewegen – ein Zustand, der sich in Abhängigkeit von Situationen, Stressoren und Lebensereignissen verändern kann.

Die Integration psychodynamischer Prinzipien in das Führungskräfte-Coaching ist besonders wertvoll, da selbst gesunde und leistungsstarke Executives oftmals durch unbewusste psychische Prozesse daran gehindert werden, ihr volles Potenzial zu entfalten (Kets De Vries, 2011). Zentral ist die Annahme, dass unbewusste Konflikte, emotionale Muster und frühkindliche Prägungen das aktuelle Verhalten, die Entscheidungslogik und den interpersonellen Stil beeinflussen.

Wesentliche Konzepte der psychodynamischen Perspektive umfassen:

  • Die Bedeutung des Unbewussten: Unbewusste Prozesse steuern Denken, Fühlen und Handeln weit stärker, als es Laien gemeinhin annehmen.
  • Innere Konflikte: Spannungen zwischen persönlichen Bedürfnissen und internalisierten Verpflichtungen erzeugen Druck, der Leistungsfähigkeit und Beziehungsqualität beeinträchtigen kann.
  • Abwehrmechanismen: Um innere Stabilität zu sichern, werden belastende Gefühle oder Impulse automatisch – meist unbewusst – abgewehrt oder verzerrt (Kramer, 2010).
  • Kindheit und Entwicklungsphasen: Frühe Beziehungserfahrungen und sensible Entwicklungsfenster prägen emotionale Regulation, Bindungsstile und Führungsverhalten bis ins Erwachsenenalter und gelten als zentral für langfristige Führungsfähigkeit (Murphy & Johnson, 2011).

Der psychodynamische Ansatz passt besonders gut zu der Idee, im Coaching am Kern eines Problems zu arbeiten, statt schnelle Verhaltenslösungen oder „Abkürzungen“ zu suchen. Gleichzeitig erfordert diese Tiefe ein hohes Maß an psychologischer Kompetenz und die Bereitschaft des Klienten, sich auf einen intensiven inneren Prozess einzulassen.

Zusammenfassung: Psychodynamisches Coaching

Psychodynamisches Coaching fördert Selbsterkenntnis und innere Einsicht – insbesondere in Bezug auf unbewusste Motive, Konflikte und Abwehrmechanismen. Ziel ist die Bearbeitung tieferliegender Blockaden, die Leistung, Entscheidungsfähigkeit oder Beziehungen beeinträchtigen. Durch die Integration bewusster und unbewusster Anteile werden Selbstregulation, Ich-Stärke und Authentizität nachhaltig gestärkt.

Systemisches Coaching

Während psychodynamisches Coaching am Kern individueller psychischer Prozesse ansetzt, richtet systemisches Coaching den Fokus auf Kontext, Interaktionen und relationale Dynamiken. Probleme werden nicht als Eigenschaften einer einzelnen Person verstanden, sondern als Ausdruck der Wechselwirkungen innerhalb des Systems, in das sie eingebettet ist (Hawkins & Turner, 2019).

Der Begriff System ist weit gefasst und kann sich auf Gesellschaft, Organisationen, Teams, Familien oder kleinere Gruppen beziehen. Im Vordergrund stehen die Strukturen und Muster, die aus diesen Zusammenhängen entstehen – etwa Rollen, Kommunikationsformen, Erwartungen, Machtbeziehungen oder implizite Regeln. Im Coaching werden individuelle Themen daher konsequent in diesen relationalen Kontext eingeordnet und als Folge systemischer Dynamiken betrachtet. Ziel ist es, neue Perspektiven zu eröffnen, dysfunktionale Muster sichtbar zu machen und alternative Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, die sowohl das Individuum als auch das System als Ganzes berücksichtigen (Whittington, 2020).

Zusammenfassung: Systemisches Coaching

Systemisches Coaching stärkt das Rollenbewusstsein von Führungskräften sowie ihre Wahrnehmung von Beziehungs- und Organisationsdynamiken. Im Mittelpunkt stehen Kommunikationsmuster, Konflikte und strukturelle Abhängigkeiten, die Verhalten im System prägen. Durch die Arbeit an diesen relationalen Prozessen entstehen neue Perspektiven und erweiterte Handlungsmöglichkeiten. Das System wird dabei nicht als Begrenzung, sondern als Ressource genutzt, um mehr Autonomie und Wirksamkeit zu entwickeln.

Verhaltenspsychologie (CBC)

Das verhaltenspsychologische Coaching – international als kognitiv-behaviorales Coaching (CBC) bezeichnet – ist ein weiterer zentraler Ansatz im professionellen Coaching. Im Vergleich zum psychodynamischen Coaching arbeitet CBC mit moderater psychologischer Tiefe, konzentriert sich jedoch klar auf die gezielte Veränderung von Denken und Verhalten durch kognitive und verhaltensorientierte Interventionen (Palmer & Szymanska, 2019).

Befürworter:innen dieses Ansatzes betonen, dass CBC die Leistung steigern, die psychologische Widerstandsfähigkeit erhöhen, Wohlbefinden fördern, Stress vorbeugen und Veränderungsblockaden lösen kann. Im Kern geht es darum, dysfunktionale Denkmuster und ungünstige Verhaltensweisen zu identifizieren und durch hilfreichere, zielkongruente Alternativen zu ersetzen (Fernandez, Dobson, & Kazantzis, 2021). Dadurch werden neue Handlungs- und Wahrnehmungsmuster aufgebaut, die das Erreichen von Zielen erleichtern.

CBC fokussiert sich auf grundlegende Annahmen, Einstellungen und kognitive Schemata einer Person. Ergänzend kommen verhaltensorientierte Methoden zum Einsatz – etwa:

  • systematisches Training relevanter Kompetenzen,
  • Expositions- und Habituationsverfahren,
  • der Abbau hinderlicher Ängste und Vermeidungsstrategien.

Ziel ist stets, Verhalten so zu gestalten, dass Wirksamkeit, Selbstregulation und Zielerreichung verbessert werden.

Zusammenfassung: Kognitiv-behaviorales Coaching (CBC)

Kognitiv-behaviorales Coaching (CBC) unterstützt Klient:innen dabei, dysfunktionale Gedanken, Überzeugungen und Verhaltensmuster zu erkennen, zu hinterfragen und gezielt zu verändern. Durch kognitive Umstrukturierung und systematisches Verhaltenstraining werden hilfreiche Muster aufgebaut, die Selbstwirksamkeit, Resilienz und emotionales Wohlbefinden stärken und die Leistungsfähigkeit erhöhen.

Stärkenorientiertes Coaching

Stärkenorientiertes Coaching richtet den Fokus auf vorhandene Ressourcen, Fähigkeiten und Potenziale. Es fördert und entwickelt bestehende Stärken weiter, um positive Emotionen, Engagement und Sinnhaftigkeit zu erhöhen (Csikszentmihalyi & Seligman, 2000). Der Ansatz geht davon aus, dass Menschen ihr Potenzial besonders wirksam entfalten, wenn sie an ihre Stärken anknüpfen und diese gezielt für passende Ziele nutzen.

Gleichzeitig stößt ein ausschließlich stärkenbasierter Ansatz an Grenzen, wenn Stärken allein nicht ausreichen oder zentrale Entwicklungshemmnisse unberücksichtigt bleiben. In solchen Fällen ist es notwendig, ergänzende Interventionen aus anderen psychologischen Perspektiven einzubeziehen, um wirksame und nachhaltige Veränderung zu ermöglichen.

Zusammenfassung: Stärkenorientiertes Coaching

Stärkenorientiertes Coaching identifiziert, aktiviert und entwickelt die vorhandenen Stärken einer Person gezielt weiter. Durch die bewusste Nutzung individueller Ressourcen werden positive Emotionen, Zielklarheit, Selbstverwirklichung und – idealerweise – Flow-Erlebnisse gefördert.

GROW

Obwohl das GROW-Modell kein forschungsbasiertes Konzept im engeren Sinne ist, zählt es zu den am weitesten verbreiteten Coachingansätzen in der Praxis. Basierend auf  Whitmore (2010) führt der Coach den Coachee durch vier Schritte:

  1. Goals – Ziele definieren
  2. Reality – Ausgangslage klären
  3. Options – Handlungsoptionen entwickeln
  4. Will – Umsetzung festlegen

Durch gezielte Fragen, Reflexion und aktives Zuhören unterstützt der Coach den Coachee dabei, klare Ziele zu formulieren, die Realität realistisch einzuschätzen und konkrete Optionen zu entwickeln. Der abschließende Schritt – Will – betont die Bereitschaft zur Umsetzung und verweist auf einen zentralen Aspekt mentaler Stärke: Ziele können nur erreicht werden, wenn die dafür notwendige Energie, Klarheit und Selbstverpflichtung über längere Zeit aufrechterhalten werden.

Zusammenfassung: GROW

GROW unterstützt eine strukturierte Zielklärung und begleitet den Umsetzungsprozess, indem es Verantwortungsübernahme, Selbstreflexion und Selbststeuerung fördert.

Persönlichkeitsentwicklung und Weiterentwicklung für Executives und ambitionierten Persönlichkeiten ist weit mehr als der gezielte Ausbau von Fähigkeiten. Damit anspruchsvolle Kompetenzen dauerhaft verfügbar werden können, müssen zugleich die psychologischen Voraussetzungen einer Führungskraft wachsen – ihr Umgang mit Ambivalenzen, ihre Fähigkeit zur Selbstregulation und die mentale Energie, die komplexe Handlungsanforderungen erst tragfähig macht. Kompetenzaufbau und psychologische Reifung sind daher untrennbar miteinander verbunden. Das Konzept der Transformentalization setzt genau an dieser Verzahnung an und beschreibt, wie beide Entwicklungsdimensionen systematisch miteinander verbunden werden können.

Transformentalization, ein aus der Forschung zur Weiterentwicklung im Senior Management abgeleitetes Konzept, bietet genau diesen übergreifenden und integrativen Ansatz. Es verbindet die zuvor beschriebenen Ebenen und Modelle zu einem kohärenten Rahmen, der die systematische Entwicklung mentaler Stärke unterstützt.

Der folgende Abschnitt stellt das Konzept ausführlich vor.

4. Transformentalization: Das integrative Entwicklungsmodell

4.1 Das dreidimensionale 4x3x2 Schichtmodell der Transformentalization

Transformentalization ist ein dreidimensionales Rahmenkonzept, das speziell auf die Entwicklungsanforderungen von Senior Manager:innen zugeschnitten ist. Es wurde auf Basis evidenzbasierter Forschung zu mentaler Stärke sowie zu den besonderen psychologischen und organisatorischen Herausforderungen des oberen Managements entwickelt (Bannwolf, 2022).

Das Modell integriert zentrale psychologische Grundfunktionen und Kompetenzen, die für nachhaltige persönliche und berufliche Entwicklung notwendig sind, und bietet eine klare Struktur für unterschiedliche Formen von Interventionen. Die drei Dimensionen und ihre jeweiligen Facetten definieren konkrete Arbeitsbereiche, die im Coaching, in Trainings und in umfassenden Entwicklungsprogrammen genutzt werden können. Transformentalization beschreibt damit die grundlegenden Mechanismen des Kompetenzaufbaus auf individueller Ebene.

Abbildung 8 veranschaulicht das dreidimensionale 4x3x2 Schichtmodell, bei dem sich die Achse der Mentalisierung (4) direkt durch die folgenden drei (3) zentralen direkten Arbeitsebenen (2) zieht:

  1. Motivationale Energie
  2. Prozesskompetenz zur Zielerreichung
  3. Sozial-relationale Kompetenz, basierend auf Mentalisierung

Zusätzlich zu den direkten Arbeitsebenen kommt die Betrachtungsweise der psychologischen Tiefe, nämlich die drei bereits erläuterten Tiefenebenen als indirekte Arbeitsebene (2) nochmals hinzu:

  1. Alltagspsycholgie
  2. Verhaltenspsychologie
  3. Tiefenpsychologie

DAS 4x3x2 von Transformentalization: Die erste direkte Zusammenfassung die es je gab

Genauer gesagt also die VIER Mentalisierungsebenen, und dann EINMAL die direkten DREI Arbeitsebenen von Mentaler Stärke und EINMAL die DREI indirekten Arbeitsebenen der psychologischen Tiefe. Jede der Ebenen ist in der Ausgestaltung mit Unterdimensionen besetzt, die den direkten, angewandten und auch messbaren Einstiegspunkt für Interventionen, Therapie und Coaching bilden. Wie das genau funktioniert und in der Praxis angewandt eingesetzt wird, lesen Sie in dem in kürze erscheinenden Buch über Transformentalization.

Diese Ebenen wirken in der Praxis nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel – sie bilden das psychologische Fundament für wirksame und nachhaltige Weiterentwicklung im Senior Management

Abbildung 8: 3D-Schichtmodell der Transformentalizaton

Ausgehend von der motivationalen Energie als Basis beschreibt Transformentalization einen Entwicklungsweg, der über die Prozesskompetenz – notwendig für zielgerichtetes Handeln – hin zur sozial-relationalen Kompetenz führt, die tief in der Fähigkeit zur Mentalisierung verankert ist. Wie in den vorangegangenen Kapiteln dargestellt, stärken Entwicklungsprozesse in allen drei Bereichen das Durchhaltevermögen, weil Individuen lernen, ihre Ziele bewusster zu wählen, sich selbst differenzierter zu verstehen und auch in herausfordernden Phasen resilient zu bleiben.

Je nach Tiefe und Thema der Person-Situation-Interaktion lässt sich Transformentalization flexibel und bedarfsgerecht einsetzen. Für die Anwendung des Rahmenkonzepts bilden die folgenden Elemente – abhängig von der Interventionsform leicht variierend – den strukturellen Kern (Palmer & Whybrow, 2018):

  1. Auftragsklärung: Erwartungen, Rollen, Ziele und Verantwortlichkeiten transparent definieren.
  2. Rahmenbedingungen:  Systematische Erhebung relevanter Informationen zur Person-Situation-Interaktion des Klienten
  3. Zielklärung: Gemeinsames Verständnis über gewünschte Wirkungen und Vorgehensweisen herstellen.
  4. Umsetzung: Auswahl und Anwendung geeigneter Methoden, Modelle und Interventionen die den Schritten 1-3 entsprechen.
  5. Monitoring und Evaluation: Kontinuierliche Überprüfung der Zielerreichung und Reflexion der Entwicklungsfortschritte.

4.2 Anwendung: Ideal-, Soll- und Ist-Profil

Die Qualität der Anwendung hängt entscheidend davon ab, wie gut die spezifischen Anforderungen im Umfeld jeder einzelnen Person verstanden werden. Erst auf dieser Grundlage lassen sich geeignete Diagnosen und Entwicklungsansätze ableiten, die sichtbar machen, wo eine Führungskraft aktuell steht und welche Entwicklungsschritte sinnvoll sind. Zentral ist dabei die Unterscheidung zwischen Idealprofil, Sollprofil und Ist-Profil.

Ein Idealprofil im Coaching beschreibt eine Person, die in allen Dimensionen der Transformentalization hoch ausgeprägt ist und diese Kompetenzen auch unter hoher Belastung verfügbar hat. Eine solche ambitionierte Persönlichkeit gestaltet Leistung, Balance und Wohlbefinden für sich und ihr Team nachhaltig – ein Anspruch, der im realen organisationalen Kontext naturgemäß selten vollständig erreicht wird.

Daher wird für jede Person ein Sollprofil entwickelt, das individuelle Voraussetzungen ebenso berücksichtigt wie die situativen, persönlichen, familiären und organisationalen Rahmenbedingungen und realistisch erreichbar ist. Es dient als Leitgröße für die Auswahl geeigneter, sinnvoller Entwicklungsschritte. Ergänzend wird der aktuelle Entwicklungsstand in Form eines Ist-Profils erhoben.

Zur Erstellung des Ist-Profils bieten sich verschiedene diagnostische Zugänge an:

  1. Diagnostisches Gespräch im Rahmen der Intervention
  2. 360 Grad Feedbackverfahren
  3. Kompetenzanalysen auf Basis standardisierter Fragebögen und diagnostischer Tools unterschiedlicher Anbieter

Diese Verfahren schaffen Transparenz über die Ausgangssituation und unterstützen die Identifikation prioritärer Entwicklungsbereiche. Welche Aspekte anschließend als zentrale Arbeitsfelder definiert werden, hängt vom individuellen Bedarf, der organisationalen Realität und dem spezifischen Entwicklungsauftrag ab.

Zusammenfassung: Wirksame Entwicklungsprozesse

Wirksame Entwicklungsprozesse für ambitionierte Persönlichkeiten sind vielschichtig und erfordern ein hohes Maß an diagnostischem Fingerspitzengefühl, um die tatsächlichen Kernthemen einer Person zu erkennen und passende Entwicklungsschritte abzuleiten. Entscheidend für jede Intervention sind die Qualität der Beziehung, der Kontakt zum Klienten und ein tragfähiges Vertrauensverhältnis – ohne diese Grundlagen ist nachhaltige Weiterentwicklung nicht möglich.

5. Fazit und Handlungsempfehlungen für Organisationen

Weiterentwicklung im Senior Management erfordert eine hohe psychologische, soziale und selbstregulatorische Handlungskompetenz – nicht nur bei Führungskräften selbst, sondern auch auf Seiten professioneller Coaches. Forschungsergebnisse zeigen, dass der Aufbau dieser Kompetenzen spezialisierte Expertise voraussetzt und dass HR- und HRD-Verantwortliche zentrale Rahmenbedingungen schaffen müssen, damit High Potentials diesen Entwicklungsweg gesund und erfolgreich beschreiten können.

Aus den dargestellten Erkenntnissen ergeben sich folgende Empfehlungen:

1. Frühzeitiger Zugang zu professionellen Entwicklungsangeboten

High Potentials sollten frühzeitig Zugang zu individualisierten Entwicklungsformaten durch qualifizierte Psycholog:innen oder Executive Coaches erhalten. Entscheidend ist eine Kombination aus methodisch-fachlicher Qualifikation und professioneller zwischenmenschlicher Kompetenz.

2. Auswahl qualifizierter Anbieter:innen

Wirksame Entwicklungsprozesse beruhen auf Passung und Vertrauen. Führungskräften sollte ermöglicht werden, zwischen mehreren professionellen Ansprechpartner:innen zu wählen.

3. Geschützter und vertraulicher Entwicklungsraum

Ein belastbarer, vertraulicher Rahmen schafft die psychologische Sicherheit, die für tiefgreifende Entwicklung notwendig ist. Dieser Raum sollte klar abgegrenzt und ausschließlich der Führungskraft vorbehalten sein.

4. Klare und transparente Kommunikationsregeln

Für alle Beteiligten sollte eindeutig geregelt sein, welche Informationen zwischen HR, Coaches und Executives geteilt werden. Verbindliche Vertraulichkeitsvereinbarungen sind hierfür essenziell.

Diese Empfehlungen stärken die Wirksamkeit von Entwicklungsprozessen maßgeblich und ermöglichen es High Potentials, ihr Potenzial im Senior Management nachhaltig und gesund zu entfalten.

Zusammenfassung: Handlungsempfehlungen für HRD-Manager und Verantwortliche im Reskilling / Upskilling

1. Mentale Stärke langfristig fördern: Mit jeder Karrierestufe nimmt ihre Bedeutung zu. Sie ist entscheidend für nachhaltigen Erfolg im Senior Management und sollte systematisch entwickelt werden.

2. Früh Entwicklung ermöglichen: High Potentials sollten rechtzeitig in Development-Programme eingebunden werden. Psychologische Reifung braucht Zeit.

3. Motivationale Energie im Blick behalten: Führungskräfte sollten unterstützt werden, Leistung und Wohlbefinden auszubalancieren und Überlastung vorzubeugen.

Für Personen auf dem Weg ins Senior Management

Der Übergang ins Senior Management scheitert selten an fachlichen Hürden. Entscheidend sind innere Klarheit, psychologische Stabilität und die Fähigkeit zur Selbstführung. Mit wachsender Verantwortung steigt die Bedeutung mentaler Stärke, Selbstregulation und authentischer Beziehungsgestaltung.

Diese Prozesse entstehen selten von selbst, sondern werden durch passende Entwicklungsangebote ermöglicht, die Selbstwahrnehmung schärfen, blinde Flecken aufdecken und bewusstes Handeln fördern. Achtsamkeit, reflektiertes Energy Management und eine klare Verbindung zu den eigenen Motiven bilden zentrale Ansatzpunkte.

Hilfreiche Fragen sind etwa:
„Welche Aspekte meiner mentalen Stärke werden selten herausgefordert – und wo könnte ein wunde Stelle liegen?“
„Was hindert mich daran, zufriedener, ausgeglichener und nachhaltiger zu führen – und bin ich bereit, mich dem zu stellen?“

Diese Art der Selbstreflexion bildet die Grundlage für langfristige Wirksamkeit im Senior Management.

Warum Upskilling im Senior Management Voraussetzung für organisationales Reskilling ist

Die Erkenntnisse dieses Kapitels machen deutlich, dass Upskilling im Senior Management weit über das Erlernen neuer Fähigkeiten hinausgeht. Es entsteht auf einer psychologischen Grundlage: Mentale Stärke, Selbstregulation und sozial-relationales Vermögen bestimmen, wie Führungskräfte unter Belastung handeln, wie sie Entscheidungen treffen und wie sie Lern- und Entwicklungsprozesse anderer gestalten.

Damit wird ein zentraler Zusammenhang sichtbar: Nur wenn Führungskräfte selbst upgeskillt sind, können sie Reskilling und Upskilling ihrer Mitarbeitenden erfolgreich ermöglichen.

Die empirische Evidenz zeigt, dass Integrität, Mut, emotionale Stabilität und reflektiertes Entscheidungsverhalten starke Prädiktoren für Teamleistung und Lernentwicklung sind. Psychologische Sicherheit – der Kern erfolgreicher Reskilling- und Upskillingprozesse – entsteht erst dann, wenn Führungskräfte mental präsent sind, Beziehungssignale präzise wahrnehmen und Mitarbeitende in Lernphasen stabil begleiten.

Organisatorische Transformationen – ob digital, strukturell oder kulturell – entfalten nur dann Wirkung, wenn Führungskräfte sich als „erste Lernende“ begreifen. Ihr eigenes Upskilling schafft nicht nur ein Rollenmodell, sondern auch die emotional-kognitiven Voraussetzungen dafür, dass Mitarbeitende Veränderungen annehmen, Widerstände überwinden und neue Kompetenzen aufbauen können.

Reskilling und Upskilling im Unternehmen beginnen daher immer an der Spitze.
Dort entscheidet sich, ob Veränderungen als Bedrohung oder als Lernfeld erlebt werden, ob psychologische Sicherheit entsteht und ob Mitarbeitende Mut fassen, neue Wege zu gehen.

Für HRD-Verantwortliche bedeutet dies:

  1. Senior Manager müssen zuerst psychologisch gestärkt werden, damit ihre eigenen Upskilling-Prozesse unter realen Belastungen stabil bleiben.
  2. Organisationale Reskilling- und Upskilling-Initiativen können erst auf dieser Grundlage wirksam umgesetzt werden, weil Führungskräfte erst dann in der Lage sind, Mitarbeitende differenziert zu begleiten und Lernkulturen zu gestalten.

Damit ist das persönliche Upskilling der Führungskraft nicht nur individuelle Reifung, sondern ein struktureller Hebel für unternehmerische Zukunftsfähigkeit.

Der Artikel wurde am 01.08.2026 vom Dr. Bannwolf Research Team zuletzt inhaltlich und fachlich geprüft und weiterentwickelt. Nächster Prüf- und Updatetermin ist der 28.02.2027.

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