9. Executive Leadership erklärt für Coaches

Führung verstehen, Führungskräfte begleiten: Was ein guter Coach über Führung wissen sollte – ein wissenschaftlicher Bezugsrahmen für Executive Coaching

Lesedauer: ca. 30 min.

Autor: Dr. Bannwolf Research Team unter der Leitung von Dr. Michael Bannwolf, MBA, 2x M. Sc., HP Psych, DOSB-Trainer-A

Zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert am 01.08.2026

Abstract

Dieser Beitrag wechselt die Adresse: Er spricht nicht zu Organisationen und Klienten, sondern zu Coaches, folglich zu jenen Kolleginnen und Kollegen, die mit Führungskräften arbeiten oder es vorhaben und dafür mehr brauchen als Prozesskompetenz, nämlich ein belastbares Verständnis dessen, was ihre Klienten eigentlich tun. Führungswissen ist für Executive Coaches keine akademische Zierde, sondern Arbeitswerkzeug: Es entscheidet über Anschlussfähigkeit im Gespräch, über die Qualität der Hypothesen und über die Fähigkeit, Klienten vor den Moden und Mythen des eigenen Feldes zu schützen. Der Beitrag verdichtet die Führungsforschung in vier Lektionen: über die reale, aber systematisch überschätzte Wirkung von Führung inklusive Führungsromantik, Attributionsfehlern und Substituten, über die vier großen Erklärungslinien der Forschung, nämlich Eigenschaften, Verhalten, Situation, Beziehung und was jede davon für die Coaching-Arbeit hergibt, über die Kunst, solide Konstrukte von modischen zu unterscheiden, mit Beipackzettel für transformationale, authentische und dienende Führung und über Followership und implizite Führungstheorien. Die halbe Führungsgleichung, die in Coachings notorisch fehlt. Ein Praxisteil übersetzt die Lektionen in vier Anwendungen vom Diagnose-Raster bis zur Beipackzettel-Ethik. Ein Selbsttest mit fünf Prüfungsfragen erlaubt die eigene Standortbestimmung. Die Diskussion zieht die Konsequenz für die Coach-Ausbildung, in deren Curricula die Führungsforschung bislang bestenfalls als Randnotiz vorkommt.

Schlüsselwörter:

Executive Leadership, Führungstheorien, Coach-Weiterbildung, Executive Coaching, Führungsforschung, Coaching-Kompetenz, Feldkompetenz

1. Einleitung

Beginnen wir mit dem Wort, denn das Wort ist verräterisch. Dass der deutsche Coaching-Markt vom „Executive Leadership“ spricht und nicht von „Führung von Führungskräften“, ist keine Angeberei, sondern Sprachgeschichte: „Führung“ trägt im Deutschen eine historische Last, die das Nachkriegsdeutschland lange um den Begriff herumreden ließ und als die amerikanische Managementlehre in den 1980er-Jahren die Lücke füllte, kam sie mit ihrem eigenen Vokabular, nämlich leadership als das Inspirierende, Visionäre, Persönliche, management als das Verwaltende. Mit dem Wort wanderte das Konzept ein und mit dem Konzept eine ganze Bilderwelt: der Leader als Ausnahmegestalt, Führung als Charisma-Ereignis, Entwicklung als Heldenreise. Wer heute als Coach mit Führungskräften arbeitet, arbeitet mitten in dieser Bilderwelt und sollte wissen, was die Forschung von ihr übrig gelassen hat: einiges, aber anderes, als die Poster versprechen.

Warum dieses Wissen für Sie als Coach kein Luxus ist, lässt sich in drei Sätzen begründen. Erstens ist Führungswissen Anschlusswissen: Ein Beitrag dieser Reihe hat gezeigt, dass die Glaubwürdigkeit des Coaches auf Spitzenebene an einer Schwelle kognitiver und fachlicher Anschlussfähigkeit hängt und die Sprache, Modelle und Streitfragen der Führung gehören zum Kernbestand dieser Schwelle. Zweitens ist Führungswissen Hypothesenwissen: Ob Sie das Anliegen „Mein Bereich zieht nicht mit“ als Kommunikationsproblem, Beziehungsproblem, Strukturproblem oder Attributionsproblem lesen, entscheidet über Ihre gesamte Prozessarchitektur und diese Lesarten stammen aus der Führungsforschung, nicht aus der Coaching-Methodik. Drittens ist Führungswissen Schutzwissen: Der Markt überschwemmt Ihre Klienten mit Führungsmoden, und ein Coach, der solide von modisch nicht unterscheiden kann, wird zum Verstärker statt zum Korrektiv mit den dokumentierten Risiken unprofessioneller Beratung (Schermuly & Graßmann, 2019). Dass viele Coaches hier Lücken haben, ist übrigens kein Vorwurf, sondern Befund: Die Praxisforschung zeigt erhebliche Unterschiede darin, auf welcher Wissensbasis Coaches arbeiten (Bono et al., 2009) und schon die Gründungsliteratur des Feldes verlangte vom Executive Coach beides: Coaching-Expertise und Führungs- beziehungsweise Organisationsverständnis (Stern, 2004). In den Reviews zu wirksamen Coach-Merkmalen taucht das Feldverständnis entsprechend regelmäßig auf (Blackman et al., 2016).

Dieser Beitrag ist der Versuch, die zweite Hälfte dieser Doppelanforderung auf gut zwanzig Seiten ernst zu nehmen: keine Enzyklopädie, sondern eine geordnete Führung durch das Feld mit der Forschung als Karte und der Coaching-Praxis als Ziel. Gedacht ist er für drei Lesergruppen: für Coaches aus der Beratungs- und Therapietradition, die ihr Prozesshandwerk beherrschen und das Feldwissen nachrüsten wollen, für Quereinsteiger aus Führungspositionen, die umgekehrt das Feld kennen und prüfen sollten, ob ihr Erfahrungswissen mit der Forschungslage übereinstimmt und für Ausbildungsverantwortliche, die am Ende ein Argument für ein fehlendes Modul finden. Gelesen werden darf selektiv, gedacht ist das Ganze als Zusammenhang.

2. Lernziele statt Forschungsfragen

Ein Beitrag, der erklärt, braucht keine Forschungsfrage, sondern Lernziele und auch das gehört zum Perspektivwechsel. Nach der Lektüre sollten Sie viererlei können: Erstens die Wirkung von Führung realistisch einschätzen, also weder dem Heldenmythos noch dem Zynismus verfallen und die Attributionsfehler erkennen, die Ihre Klienten (und Sie selbst) im Gespräch über Führung machen. Zweitens sich in den vier großen Erklärungslinien der Führungsforschung orientieren und für ein gegebenes Coaching-Anliegen begründet wählen, welche Linie die produktivste Lesart liefert. Drittens etablierte von modischen Konstrukten unterscheiden und die Beipackzettel der populärsten Führungskonzepte kennen. Viertens die Gegenseite der Führung (Geführte, Zuschreibungen, Kontexte) systematisch in Ihre Fallarbeit einbeziehen.

Die Stoffauswahl folgt dabei einem einfachen Kriterium: Aufgenommen ist, was metaanalytisch oder durch breite Reviews gesichert ist und praktische Konsequenzen für die Coaching-Arbeit hat. Als Referenzrahmen dienen die einschlägigen Überblickswerke (Yukl, 2013; Antonakis & Day, 2018). Was der Beitrag nicht leistet, gehört zur Ehrlichkeit der Lernziele: Er ersetzt weder ein Studium noch die Fallerfahrung. Er kartiert das Gelände, laufen müssen Sie selbst.

3. Vier Lektionen aus der Führungsforschung

Lektion 1: Führung wirkt — und wird trotzdem systematisch überschätzt

Die erste Lektion hat zwei Hälften und Sie brauchen beide. Die erste Hälfte kennen Sie vermutlich: Führung macht einen messbaren Unterschied. Die Kausalkette von der Person der Führungskraft über Teamprozesse bis zu Leistung und Überleben von Organisationen ist empirisch gut gestützt, ebenso ihre dunkle Spiegelung. Inkompetente Führung ist ein verlässlicher Zerstörer von Engagement und Ergebnis (Hogan & Kaiser, 2005; Kaiser et al., 2008). So weit, so motivierend für alle, die Führungskräfte entwickeln.

Die zweite Hälfte ist unbequemer und für Ihre Arbeit wichtiger: Menschen überschätzen den Anteil der Führung an dem, was in Organisationen geschieht, nämlich systematisch, messbar und mit Vorliebe. Pfeffer (1977) wies früh darauf hin, dass Führungswirkung durch Auswahlprozesse, Situationszwänge und externe Faktoren stark begrenzt ist und Führung häufig eher symbolische Funktion hat: Sie liefert die Erzählung, an der Erfolg und Misserfolg aufgehängt werden. Meindl, Ehrlich und Dukerich (1985) gaben dem Phänomen seinen Namen die Romantik der Führung: Je extremer die Unternehmensergebnisse, desto stärker greifen Beobachter zur Führungserklärung, auch wenn Markt, Zufall oder Erbe die plausibleren Kandidaten wären. Und Kerr und Jermier (1978) zeigten mit ihrem Substitute-Konzept, dass vieles, was Führung leisten soll, auch von anderem geleistet wird von Erfahrung und Professionsnormen der Mitarbeiter, von intrinsisch motivierenden Aufgaben, von Routinen und Systemen. Führung ist dann teilweise ersetzt und ihr Grenznutzen sinkt.

Hören Sie die Romantik einmal bewusst in den Sätzen Ihrer Klienten: „Ohne mich wäre der Standort zu.“ — „Der neue CEO hat den Konzern gedreht.“ — „Mein Vorgänger hat alles verbrannt, ich räume nur auf.“ Jeder dieser Sätze kann zutreffen u nd jeder ist zugleich ein Attributionsangebot, das Markt, Zyklen, Teams und Zufall aus der Geschichte herausschneidet. Das Tückische: Die Umgebung erzählt dieselben Geschichten (Aufsichtsräte, Presse, Belegschaft) und so wird die Romantik täglich sozial bestätigt. Für Ihr Coaching heißt das dreierlei. Ihre Klienten leben in der Romantik. Sie werden für Dinge gefeiert und geschlachtet, die nur teilweise ihre sind, und beides verzerrt ihre Selbstwahrnehmung. Die Entromantisierung des Selbstbilds ist regelmäßig der erste Schritt zu realistischer Entwicklung. Sie selbst sind gegen die Romantik nicht immun. Auch Coaches attribuieren die Lage eines Bereichs gern auf die Person, die vor ihnen sitzt, weil diese Person nun einmal das ist, womit sie arbeiten können. Und die Substitute sind Ihre Freunde: Manchmal ist die beste Führungsentwicklung der Bau eines Systems, das Führung an dieser Stelle überflüssig macht. Ein Gedanke, der Klienten entlastet und Coaches bescheiden hält.

Lektion 2: Die vier Landkarten — und wofür Sie welche brauchen

Die Führungsforschung hat in hundert Jahren im Kern vier Erklärungslinien entwickelt und Sie sollten alle vier lesen können, weil jede eine andere Coaching-Tür öffnet. Historisch sind die Linien nacheinander als jeweils enttäuschte Hoffnung auf die eine Antwort entstanden. Systematisch sind sie komplementär: Wer führt, was Wirksame tun, wann es wirkt und zwischen wem es entsteht, sind vier Fragen an denselben Gegenstand, keine konkurrierenden Wahrheiten.

Die Eigenschaftslinie fragt, wer führt. Nach Jahrzehnten der Ernüchterung hat die metaanalytische Forschung ihr wieder Substanz gegeben: Persönlichkeitsmerkmale, allen voran Extraversion, Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität, sagen Führungsübernahme und -erfolg moderat vorher (Judge et al., 2002) und die integrative Prüfung zeigt, dass Eigenschaften und Verhalten gemeinsam deutlich mehr erklären als jede Linie allein (DeRue et al., 2011). Für Sie ist diese Linie Diagnostik-Tür: Sie kalibriert, was am Klienten Ausstattung ist (stabil, langsam veränderbar, eher zu managen als zu therapieren) und schützt vor Coaching-Zielen, die gegen die Persönlichkeit gebaut sind.

Die Verhaltenslinie fragt, was Wirksame tun. Ihr Fundament ist älter und solider als mancher denkt: Die beiden Ohio-Dimensionen Mitarbeiterorientierung (consideration) und Aufgabenstrukturierung (initiating structure), galten lange als überholt und erwiesen sich metaanalytisch als bemerkenswert valide, die „vergessenen“ Klassiker der Disziplin (Judge, Piccolo & Ilies, 2004). Die transformationale Erweiterung Sinn stiften, intellektuell anregen, individuell fördern, ist ebenfalls metaanalytisch gut belegt (Judge & Piccolo, 2004). Für Sie ist diese Linie Interventions-Tür: Verhalten ist die Ebene, auf der Coaching konkret arbeiten kann: beobachtbar, rückmeldbar, übbar (Greif, 2008).

Die Situationslinie fragt, wann was wirkt. Hier ist Vorsicht geboten, denn die populärste Praxisvariante, das situative Führen mit seinen Reifegrad-Quadranten, ist in der Trainingswelt allgegenwärtig und in der Forschung erstaunlich dünn gestützt. Die seriöse Lehre behandelt sie entsprechend zurückhaltend (Yukl, 2013). Der belastbare Kern der Linie ist bescheidener und wertvoller: Kein Führungsverhalten wirkt kontextfrei, Aufgabentyp, Krisengrad und Reife des Umfelds moderieren fast alles. Die Situationslinie ist weniger ein Modellbaukasten als eine Denkdisziplin. Ein Beispiel für ihren Wert: Dieselbe enge Taktung, die im Sanierungsfall als Halt gebende Klarheit ankommt, wird im eingespielten Expertenteam als Misstrauen gelesen. Der Klient, der „seinen bewährten Stil“ vom einen in den anderen Kontext trägt, hat kein Persönlichkeitsproblem, sondern ein Übertragungsproblem und das Coaching dazu ist kürzer und dankbarer als jede Charakterarbeit. Für Sie ist sie Bescheidenheits-Tür: Sie verbietet die Universalempfehlung.

Die Beziehungslinie schließlich fragt, zwischen wem Führung entsteht. Die LMX-Forschung hat gezeigt, dass Führungskräfte keine einheitliche „Führungsqualität“ haben, sondern mit jedem Mitarbeiter eine eigene Austauschbeziehung unterhalten und dass die Qualität dieser Dyaden Leistung, Bindung und Fairnesserleben vorhersagt (Graen & Uhl-Bien, 1995). Die relationale Theorie radikalisiert den Gedanken: Führung ist kein Besitz von Personen, sondern ein sozialer Prozess, der zwischen Menschen erzeugt wird (Uhl-Bien, 2006). Für Sie ist diese Linie Fallverständnis-Tür: Sie zerlegt das pauschale „Ich habe ein Führungsproblem“ in ein Portfolio konkreter Beziehungen und plötzlich gibt es nicht das Problem, sondern drei gute Dyaden, zwei vernachlässigte und eine vergiftete, mit je eigener Arbeit. Die vier Türen schließen einander nicht aus, im Gegenteil: Die integrative Forschung zeigt ja gerade, dass Eigenschaften und Verhalten zusammen mehr erklären als getrennt (DeRue et al., 2011), und ein reifer Fall nutzt meist mehrere Zugänge nacheinander. Der Wert der Landkarten liegt nicht in der Wahl der „richtigen“, sondern darin, dass Sie überhaupt bewusst, begründet und revidierbar wählen.

Lektion 3: Konstrukte mit Beipackzettel — solide von modisch unterscheiden

Der Führungsdiskurs produziert laufend neue Adjektive, wie authentisch, dienend, agil, positiv, transformational und Ihre Klienten bringen sie mit in die Sitzung. Die dritte Lektion ist eine Apothekerlektion: Wirkstoffe kennen, Nebenwirkungen kennen, Modepräparate erkennen.

Zur soliden Abteilung gehört die transformationale Führung — metaanalytisch robust, wenn auch mit Debatten über Messung und Mechanismus (Judge & Piccolo, 2004). Die dienende Führung hat in den letzten Jahren eine ernstzunehmende Evidenzbasis aufgebaut, mit eigenständiger Vorhersagekraft über transformationale Maße hinaus (Eva et al., 2019). Anders die authentische Führung: Sie ist als Ideal populär und als Konstrukt umstritten. Die Kritik moniert zirkuläre Definitionen, heroische Positivannahmen und die schlichte Frage, wessen „wahres Selbst“ hier eigentlich gezeigt werden soll (Alvesson & Einola, 2019). Das heißt nicht, dass Authentizitätsanliegen im Coaching illegitim wären. Es heißt, dass Sie das Anliegen bearbeiten sollten, ohne das fragile Konstrukt als Wahrheit zu verkaufen.

Für alles, was künftig an Adjektiven auf den Markt kommt, genügt übrigens ein Drei-Fragen-Schnelltest, den Sie ohne Datenbankzugang anwenden können. Erstens die Definitionsfrage: Lässt sich das Konstrukt beschreiben, ohne seine Wirkung schon in die Definition zu packen oder ist „gute Führung“ hier per Definition gut? Zweitens die Abgrenzungsfrage: Misst es etwas anderes als die etablierten Konstrukte oder ist es transformationale Führung in neuem Gewand? Drittens die Belegfrage: Gibt es unabhängige Studien jenseits der Erfinder und der Beratungshäuser, die damit Geld verdienen? Zwei von drei Fragen ohne gute Antwort und das Adjektiv gehört in die Kategorie „interessant, unbewiesen“, auch im Gespräch mit dem Klienten.

Zum Beipackzettel gehören außerdem drei Querschnittsbefunde. Implizite Führungstheorien: Menschen tragen Prototypen davon im Kopf, wie „eine Führungskraft“ aussieht, spricht und auftritt und sie bewerten reale Führung an diesen Prototypen (Epitropaki & Martin, 2004). Ihr Klient wird also auch daran gemessen, wie gut er zum Bild passt, nicht nur daran, was er bewirkt. Geschlecht: Die Rollenkongruenz-Theorie erklärt, warum Frauen in Führungsrollen in ein Doppelbind geraten. Entspricht ihr Verhalten dem Führungsprototyp, verletzt es das Geschlechtsstereotyp und umgekehrt (Eagly & Karau, 2002). Wer Führungskräfte coacht, coacht in diesem Spannungsfeld, ob er es benennt oder nicht. Kultur: Was als herausragende Führung gilt, variiert systematisch zwischen Kulturräumen, mit einem harten Kern universeller Attribute und einem breiten Rand kulturspezifischer (House et al., 2004), für jeden, der international arbeitende Executives begleitet, Pflichtwissen. Und für den Ernstfall gehört die destruktive Führung ins Repertoire: systematisches Verhalten, das die legitimen Interessen der Organisation oder das Wohl der Mitarbeiter untergräbt, mit klaren Definitionsmerkmalen jenseits des bloß fordernden Stils (Einarsen et al., 2007): die Fähigkeit, Härte von Destruktivität zu unterscheiden, entscheidet im Zweifel darüber, ob Ihr Coaching schützt oder deckt.

Lektion 4: Die halbe Gleichung — Followership und Zuschreibung

Die vierte Lektion korrigiert den größten blinden Fleck der Praxis: Führung ist eine Ko-Produktion und die Geführten sind keine Kulisse. Die Followership-Forschung hat systematisiert was jede erfahrene Führungskraft ahnt. Geführte konstruieren Führung mit, durch ihre Erwartungen, ihre Deutungen, ihr Gewähren und Entziehen von Gefolgschaft; Führungsidentitäten entstehen in einem wechselseitigen Beanspruchungs- und Gewährungsprozess, nicht per Organigramm (Uhl-Bien et al., 2014). Zusammen mit den impliziten Prototypen (Epitropaki & Martin, 2004) und der Führungsromantik (Meindl et al., 1985) ergibt das eine für Coaches zentrale Einsicht: Ein erheblicher Teil dessen, was Ihr Klient als „meine Führungswirkung“ erlebt, ist Zuschreibungsgeschehen im Auge der Betrachter und folglich beeinflussbar, aber nicht direkt steuerbar und nur bearbeitbar, wenn die Betrachterseite in die Fallanalyse einbezogen wird.

Für die Spitzenetagen kommt hinzu, was diese Reihe an anderer Stelle ausgearbeitet hat: Dort wird Führung zunehmend indirekt über Besetzungen, Strukturen und Signale statt über Interaktion, was die Zuschreibungsdynamik weiter verstärkt. Das Gesamtbild dieser Verschiebung sei hier nicht wiederholt, aber als Pflichtlektüre markiert. Die Lektion für Ihre Fallarbeit bleibt dieselbe auf jeder Ebene: Wer nur mit der Führungskraft über ihre Führung spricht, kennt die halbe Geschichte. Fremdbilddaten, Team-Stimmen und die Frage „Wer gewährt Ihnen hier eigentlich Gefolgschaft, und wofür?“ gehören in jeden Prozess. Die Gefolgschaftsfrage lohnt dabei eine eigene Sitzung, denn ihre Antworten überraschen regelmäßig: Der Vertriebsleiter, dem die Außendienstler folgen, weil er sie vor der Zentrale schützt und der deshalb jede Zentralen-Initiative verschleppt. Die Bereichsleiterin, der man fachlich folgt und menschlich ausweicht, was ihr 360-Grad-Bild in zwei unvereinbare Hälften spaltet. Gefolgschaft hat Gründe, und die Gründe sind Ansatzpunkte und oft ergiebigere als das Verhalten, an dem der Klient zu arbeiten wünschte.

4. Hauptteil: Vom Wissen zum Werkzeug — vier Anwendungen

Wissen wird erst durch Gebrauch zur Kompetenz. Vier Anwendungen übersetzen die Lektionen in Ihre Praxis.

4.1 Anwendung 1: Das Diagnose-Raster — Modell-Monogamie vermeiden

Die vier Landkarten aus Lektion 2 sind kein Theoriemuseum, sondern ein Diagnose-Raster. Wenn ein Klient sein Anliegen schildert, lohnt die stille Vier-Fragen-Runde: Was hier ist Ausstattung — stabile Disposition, an der nicht gedreht, sondern um die herum gebaut wird? Was ist Verhalten — beobachtbar, rückmeldbar, trainierbar? Was ist Situation — Kontext, der jedes Verhalten moderiert und manchmal die eigentliche Baustelle ist? Und was ist Beziehung — welche konkreten Dyaden tragen das Problem, welche die Lösung? Ein Beispiel durch alle vier Lesarten: Ein Werksleiter klagt, seine Schichtführer „übernehmen keine Verantwortung“. Eigenschafts-Lesart: Hat er risikoscheue Pflichterfüller ausgewählt und wählt er systematisch so aus? Verhaltens-Lesart: Bestraft sein eigenes Verhalten faktisch jede Eigeninitiative, etwa durch Nachkorrektur jeder Entscheidung? Situations-Lesart: Lässt das Regelwerk des Werks überhaupt Verantwortungsspielräume oder verlangt er Unternehmertum in einem Käfig aus Vorschriften? Beziehungs-Lesart: Gilt die Klage für alle acht Schichtführer oder für zwei, mit denen die Beziehung zerrüttet ist, während die anderen längst übernehmen? Vier Lesarten, vier völlig verschiedene Coachings. Die häufigste Fehlform in der Praxis ist Modell-Monogamie: Der verhaltensorientierte Coach macht aus allem ein Trainingsziel, der systemische aus allem ein Kontextphänomen, der persönlichkeitsorientierte aus allem ein Tiefenthema. Das Raster zwingt zur Prüfung aller vier Lesarten, bevor eine gewählt wird und die Wahl ist dann eine begründete Hypothese, keine Schulzugehörigkeit. Dass begründete Hypothesenbildung zur diagnostischen Grundausstattung professionellen Coachings gehört, hat diese Reihe in ihrem Ankertext ausgeführt; die Führungsforschung liefert dafür schlicht das Fachvokabular.

4.2 Anwendung 2: Das Auswärtsspiel vorbereiten — Sprachfähigkeit als Eintrittskarte

Coaching von Executives ist für die meisten Coaches ein Auswärtsspiel: fremdes Stadion, fremdes Publikum, eigene Regeln und niemand passt das Spiel Ihnen an. Vorbereitung heißt hier Sprachfähigkeit: Wer mit einer Bereichsvorständin über ihre „LMX-Differenzierung“ sprechen wollte, hätte verloren. Wer nicht erkennt, dass ihr Satz „Mein Führungskreis ist zweigeteilt“ exakt dieses Phänomen beschreibt, hat auch verloren. Die Kunst ist die Doppelzunge: forschungsbasiert denken, feldnah sprechen. Dazu gehört der Wortschatz des Feldes (Gremienlogik, Zielsysteme, Kalenderrealität), aber ebenso die Übersetzungsfähigkeit in beide Richtungen: aus der Klientensprache in die Forschungslage (welches bekannte Phänomen liegt hier vor?) und zurück (wie sage ich es so, dass es trägt?). Ein Startpaket für die Feldlektüre kostet weniger, als viele fürchten: die Geschäftsberichte und Investorenpräsentationen der eigenen Klientenbranchen (dort lernt man, worüber Vorstände tatsächlich Rechenschaft ablegen), ein Grundverständnis von Gremienarbeit und Vergütungslogik, die einschlägige Wirtschaftspresse mit den Augen des Klienten gelesen und für jede neue Branche zwei Stunden strukturierte Neugier vor dem ersten Termin. Diese Sprachfähigkeit ist im Übrigen erwerbbar wie jede kristallisierte Kompetenz durch Feldlektüre, Fallarbeit, Supervision mit feldkundigen Kollegen und sie ist, wie diese Reihe im Beitrag zur Augenhöhe gezeigt hat, ein Schwellenkriterium: Unterhalb davon erklärt der Klient Ihnen sein Spielfeld, statt auf ihm zu arbeiten.

4.3 Anwendung 3: Entromantisierung im Gespräch — mit Attributionsfehlern arbeiten

Lektion 1 wird im Gespräch konkret und zwar in beide Richtungen der Selbstverzerrung. Der überattribuierende Klient („Der Turnaround war mein Werk“) braucht keine Demutspredigt, sondern die sokratische Zerlegung: Was davon war Markt, was Timing, was Team, was Sie und was folgt für die Wiederholbarkeit? Der unterattribuierende Klient („Ich mache offenbar alles falsch, die Zahlen stürzen ab“) braucht dieselbe Zerlegung mit umgekehrtem Vorzeichen: Welcher Teil des Absturzes würde auch mit dem besten Manager der Welt stattfinden? Beide Interventionen entlasten nicht nur. Sie präzisieren den Entwicklungsauftrag, denn gearbeitet werden kann nur an dem Anteil, der tatsächlich der Person gehört. Und eine dritte Variante gehört dazu: die Zuschreibungen des Umfelds. Wenn das Team dem Klienten „fehlende Führung“ bescheinigt, lohnt die Prototypen-Frage (Epitropaki & Martin, 2004): Fehlt Führung oder fehlt die Passung zum impliziten Bild, das dieses Team von Führung hat? Die Antworten verlangen unterschiedliche Arbeit, und sie zu verwechseln kostet Monate. Im Gespräch klingt die Zerlegung übrigens unspektakulär und genau so soll sie klingen: „Bevor wir an Ihrer Wirkung arbeiten: Lassen Sie uns eine Viertelstunde sortieren, was an dieser Lage überhaupt Ihres ist. Nicht um Sie zu entlasten — um zu wissen, wo Arbeit lohnt.“

4.4 Anwendung 4: Beipackzettel-Ethik — nicht verkaufen, was Sie nicht geprüft haben

Die vierte Anwendung ist eine Selbstverpflichtung. Als Coach sind Sie für Ihre Klienten eine Wissensinstanz, ob Sie wollen oder nicht. Was Sie empfehlen, zitieren oder unwidersprochen lassen, wirkt als geprüft. Daraus folgt eine einfache Ethik: Kein Konstrukt weitergeben ohne Beipackzettel. Wer transformationale Ziele vereinbart, darf die Evidenz zitieren (Judge & Piccolo, 2004). Wer Authentizität bearbeitet, sollte die Konstruktkritik kennen und die Arbeit entsprechend bescheiden rahmen (Alvesson & Einola, 2019). Wer eine Führungsmode vom Klienten vorgelegt bekommt, prüft öffentlich mit ihm und modelliert damit genau die Urteilskraft, die er zu entwickeln vorgibt. Diese Haltung hat einen doppelten Ertrag: Sie schützt den Klienten vor teuren Irrwegen und sie unterscheidet Sie im Markt in einem Feld voller Weitererzähler ist der prüfende Coach das seltene Gut (Lai & McDowall, 2014). Die Grundlage bleibt dabei die Wirksamkeitsbasis des eigenen Handwerks: Die Tragfähigkeit des Coaching-Formats selbst ist bis auf RCT-Niveau belegt, samt der Allianz als bestuntersuchtem Wirkfaktor (Theeboom et al., 2014; Graßmann et al., 2020; de Haan & Nilsson, 2023). Ein Handwerk mit dieser Evidenz hat es nicht nötig, sich mit ungeprüften Moden zu schmücken.

5. Ergebnisse: Der Selbsttest

Ob die Lektionen angekommen sind, prüfen Sie am schnellsten selbst. Fünf Prüfungsfragen, jeweils mit der kurzen Antwort, die sitzen sollte.

Frage 1: Ihr Klient sagt: „Seit ich da bin, läuft der Laden.“ Was tun Sie? — Erst würdigen, dann zerlegen: Markt, Zyklus, Team, Vorgänger, Person. Die Romantik der Führung (Meindl et al., 1985) gilt auch für Erfolg und die Zerlegung entscheidet, was davon wiederholbar ist.

Frage 2: Woran erkennen Sie, ob ein Führungsproblem ein Verhaltens- oder ein Beziehungsproblem ist? Am Streuungsmuster: Zeigt sich das Problem über alle Mitarbeiter hinweg, spricht das für Verhalten (oder Struktur); konzentriert es sich auf einzelne Dyaden, für Beziehungsarbeit nach der LMX-Logik (Graen & Uhl-Bien, 1995). Pauschaldiagnosen ohne Streuungsblick sind Kunstfehler.

Frage 3: Ihr Klient will „authentischer führen“. Ihre Antwort? Das Anliegen ernst nehmen, das Konstrukt nicht überdehnen: klären, welches Erleben hinter dem Wunsch steht (Rollendistanz? Wertekonflikt? Erschöpfung vom Impression-Management?), und daran mit dem Wissen, dass „Authentizität“ als Führungskonstrukt umstritten ist, arbeiten (Alvesson & Einola, 2019) und kein Freibrief für ungefilterte Spontaneität.

Frage 4: Was sind Substitute für Führung, und warum sollten Sie sie lieben? Bedingungen, die Führungsfunktionen ersetzen: erfahrene Profis, motivierende Aufgaben, gute Systeme (Kerr & Jermier, 1978). Sie sollten sie lieben, weil sie Ihren Klienten von der Allzuständigkeit erlösen und weil „Wie machen wir Ihre Führung an dieser Stelle überflüssig?“ eine der stärksten Coaching-Fragen der indirekten Führung ist.

Frage 5: Das 360-Grad-Feedback Ihres Klienten ist mittelmäßig, seine Ergebnisse sind exzellent. Was prüfen Sie zuerst? Die Prototypen-Hypothese: Wird hier Wirkung gemessen oder Passung zum impliziten Führungsbild (Epitropaki & Martin, 2004)? Danach die Substitute- und die Beziehungshypothese. Erst wenn alle drei nichts erklären, ist das Feedback ein Entwicklungsauftrag im engeren Sinn.

Wer vier der fünf Antworten selbst hätte geben können, arbeitet bereits forschungsgestützt. Wem die Fragen neu vorkamen, hat soeben sein Curriculum gefunden.

6. Diskussion: Die Leerstelle in der Coach-Ausbildung

Die eigentliche Diskussion dieses Beitrags gilt nicht seinen Inhalten, sondern ihrem Fehlen andernorts. Wer die Curricula der Coaching-Ausbildungen durchsieht, findet Prozessmodelle, Fragetechniken, Haltungsarbeit und die Führungsforschung, das Wissensgebiet über den Arbeitsgegenstand der Klienten, bestenfalls als Wochenendmodul. Das Missverhältnis hat System: Coaching-Ausbildungen sind aus der Beratungs- und Therapietradition gewachsen, nicht aus der Organisationsforschung und sie lehren entsprechend das Wie der Gesprächsführung gründlicher als das Was der Führungsarbeit. Die Folgen sind von der großen Heterogenität der Wissensgrundlagen praktizierender Coaches (Bono et al., 2009) bis zur Attributliste wirksamer Coaching-Psychologen, in der Feldverständnis und Selbstüberprüfung prominent auftauchen, dokumentierbar, haben aber in vielen Lehrgängen keinen Ort. (Lai & McDowall, 2014).

Zur Nachrüstung im Kollegenkreis hat sich ein einfaches Intervisionformat bewährt: Eine Gruppe von Coaches bespricht reale (anonymisierte) Fälle konsequent durch das Vier-Landkarten-Raster. Jede Kollegin vertritt reihum eine andere Lesart, unabhängig von der eigenen Schulpräferenz. Das Format trainiert genau die Beweglichkeit, um die es geht, und es entlarvt die eigene Modell-Monogamie schneller als jede Selbstauskunft.

Für Ausbildungsinstitute wäre die Konsequenz ein Pflichtmodul Führungsforschung,nicht als Theoriegeschichte, sondern in der Logik dieses Beitrags: Lektionen mit Praxisübersetzung, Beipackzettel inklusive. Ein solches Modul bräuchte keine hundert Stunden: die vier Landkarten mit je einem Fall, die Romantik- und Followership-Befunde als Pflichtkanon, der Konstrukt-Schnelltest als Übung an drei aktuellen Moden, dazu eine Feldkunde-Werkstatt (Geschäftsbericht lesen, Gremienlogik verstehen, Vergütungssysteme entschlüsseln). Zwei intensive Wochenenden mit Vor- und Nacharbeit trügen weiter als manches Zertifikat, das stattdessen erworben wird. Für praktizierende Coaches, die dieses Modul nie hatten, ist die Nachrüstung Eigenverantwortung und sie ist leistbar: zwei Überblickswerke (Yukl, 2013; Antonakis & Day, 2018), die hier zitierten Metaanalysen als Kernlektüre, Fallsupervision mit feldkundigen Kollegen und die Disziplin, jede Führungsmode, die ein Klient mitbringt, zum Rechercheanlass zu machen statt zum Echo. Der Verfasser räumt gern ein, dass dieser Weg der eigene war: Die Verbindung von Coaching-Handwerk und Organisationsforschung ist ein Studienprogramm, kein Wochenende, aber sie ist exakt die Doppelqualifikation, die das Feld seit seiner Gründungsliteratur fordert (Stern, 2004) und die sich im Übrigen auch über benachbarte Hochleistungsdomänen erschließen lässt (Bannwolf, 2022). Drei tote Winkel bleiben. Dieser Beitrag komprimiert ein Jahrhundert Forschung in vier Lektionen: Kompression ist Auswahl und andere Autoren hätten anders gewichtet; die Überblickswerke bleiben unersetzt. Er behandelt die Führungsforschung als gesicherter, als jede lebendige Wissenschaft ist. Auch Metaanalysen altern, und die Replikationsdebatten der Psychologie machen um die Führungsforschung keinen Bogen. Und er sagt wenig über die Ebenen-Spezifik: Wie sich Führung an der Unternehmensspitze von Führung im Team unterscheidet, hat diese Reihe an anderer Stelle ausgeführt. Wer ausschließlich dort arbeitet, lese beides zusammen.

7. Schluss

Am Anfang stand ein Wort mit Geschichte, am Ende steht eine Berufsauffassung. Coaches, die mit Führungskräften arbeiten, haben zwei Handwerke zu beherrschen: das eigene — Beziehung, Prozess, Intervention — und das ihrer Klienten, wenigstens als kundige Leser. Die Führungsforschung ist dafür kein Ballast, sondern ein Geschenk: Sie entlastet vom Mythos, sie liefert vier Lesarten für jedes Anliegen, sie warnt vor den Moden und sie holt die vergessene Hälfte der Gleichung — die Geführten und ihre Zuschreibungen — an den Tisch. Nichts davon macht aus Ihnen einen Führungsexperten im Sinne der Lehrbücher und das ist auch nicht die Rolle. Ihre Klienten führen, Sie nicht. Aber es macht Sie zu dem, was diese Klienten tatsächlich suchen und zu selten finden: ein Gegenüber, das ihre Arbeit versteht, ohne ihre Legenden zu glauben. Das Auswärtsspiel bleibt ein Auswärtsspiel. Doch wer das Stadion studiert hat, spielt dort erstaunlich gut.

Der Artikel wurde am 01.08.2026 vom Dr. Bannwolf Research Team zuletzt inhaltlich und fachlich geprüft und weiterentwickelt. Nächster Prüf- und Updatetermin ist der 28.02.2027.

8. Literatur

Alvesson, M., & Einola, K. (2019). Warning for excessive positivity: Authentic leadership and other traps in leadership studies. The Leadership Quarterly, 30(4), 383–395.

Antonakis, J., & Day, D. V. (Hrsg.). (2018). The nature of leadership (3. Aufl.). Sage.

Bannwolf, M. (2022). Transfer of mental toughness from international elite triathlon to business top executive coaching [DBA-Dissertation, University of Portsmouth].

Blackman, A., Moscardo, G., & Gray, D. E. (2016). Challenges for the theory and practice of business coaching: A systematic review of empirical evidence. Human Resource Development Review, 15(4), 459–486.

Bono, J. E., Purvanova, R. K., Towler, A. J., & Peterson, D. B. (2009). A survey of executive coaching practices. Personnel Psychology, 62(2), 361–404.

de Haan, E., & Nilsson, V. O. (2023). What can we know about the effectiveness of coaching? A meta-analysis based only on randomized controlled trials. Academy of Management Learning & Education, 22(4), 641–661.

DeRue, D. S., Nahrgang, J. D., Wellman, N., & Humphrey, S. E. (2011). Trait and behavioral theories of leadership: An integration and meta-analytic test of their relative validity. Personnel Psychology, 64(1), 7–52.

Eagly, A. H., & Karau, S. J. (2002). Role congruity theory of prejudice toward female leaders. Psychological Review, 109(3), 573–598.

Einarsen, S., Aasland, M. S., & Skogstad, A. (2007). Destructive leadership behaviour: A definition and conceptual model. The Leadership Quarterly, 18(3), 207–216.

Epitropaki, O., & Martin, R. (2004). Implicit leadership theories in applied settings: Factor structure, generalizability, and stability over time. Journal of Applied Psychology, 89(2), 293–310.

Eva, N., Robin, M., Sendjaya, S., van Dierendonck, D., & Liden, R. C. (2019). Servant leadership: A systematic review and call for future research. The Leadership Quarterly, 30(1), 111–132.

Graen, G. B., & Uhl-Bien, M. (1995). Relationship-based approach to leadership: Development of leader–member exchange (LMX) theory of leadership over 25 years: Applying a multi-level multi-domain perspective. The Leadership Quarterly, 6(2), 219–247.

Graßmann, C., Schölmerich, F., & Schermuly, C. C. (2020). The relationship between working alliance and client outcomes in coaching: A meta-analysis. Human Relations, 73(1), 35–58.

Greif, S. (2008). Coaching und ergebnisorientierte Selbstreflexion. Hogrefe.

Hogan, R., & Kaiser, R. B. (2005). What we know about leadership. Review of General Psychology, 9(2), 169–180.

House, R. J., Hanges, P. J., Javidan, M., Dorfman, P. W., & Gupta, V. (Hrsg.). (2004). Culture, leadership, and organizations: The GLOBE study of 62 societies. Sage.

Judge, T. A., Bono, J. E., Ilies, R., & Gerhardt, M. W. (2002). Personality and leadership: A qualitative and quantitative review. Journal of Applied Psychology, 87(4), 765–780.

Judge, T. A., & Piccolo, R. F. (2004). Transformational and transactional leadership: A meta-analytic test of their relative validity. Journal of Applied Psychology, 89(5), 755–768.

Judge, T. A., Piccolo, R. F., & Ilies, R. (2004). The forgotten ones? The validity of consideration and initiating structure in leadership research. Journal of Applied Psychology, 89(1), 36–51.

Kaiser, R. B., Hogan, R., & Craig, S. B. (2008). Leadership and the fate of organizations. American Psychologist, 63(2), 96–110.

Kerr, S., & Jermier, J. M. (1978). Substitutes for leadership: Their meaning and measurement. Organizational Behavior and Human Performance, 22(3), 375–403.

Lai, Y.-L., & McDowall, A. (2014). A systematic review (SR) of coaching psychology: Focusing on the attributes of effective coaching psychologists. International Coaching Psychology Review, 9(2), 118–134.

Meindl, J. R., Ehrlich, S. B., & Dukerich, J. M. (1985). The romance of leadership. Administrative Science Quarterly, 30(1), 78–102.

Pfeffer, J. (1977). The ambiguity of leadership. Academy of Management Review, 2(1), 104–112.

Schermuly, C. C., & Graßmann, C. (2019). A literature review on negative effects of coaching – what we know and what we need to know. Coaching: An International Journal of Theory, Research and Practice, 12(1), 39–66.

Stern, L. R. (2004). Executive coaching: A working definition. Consulting Psychology Journal: Practice and Research, 56(3), 154–162.

Theeboom, T., Beersma, B., & van Vianen, A. E. M. (2014). Does coaching work? A meta-analysis on the effects of coaching on individual level outcomes in an organizational context. The Journal of Positive Psychology, 9(1), 1–18.

Uhl-Bien, M. (2006). Relational leadership theory: Exploring the social processes of leadership and organizing. The Leadership Quarterly, 17(6), 654–676.

Uhl-Bien, M., Riggio, R. E., Lowe, K. B., & Carsten, M. K. (2014). Followership theory: A review and research agenda. The Leadership Quarterly, 25(1), 83–104.

Yukl, G. (2013). Leadership in organizations (8. Aufl.). Pearson.